Leserbrief
Warum die Renteninitiative Unterstützung verdient

Zur Renteninitiative der Jungen FDP

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Angesichts der demografischen Entwicklung ist die Lancierung einer Renteninitiative der Jungfreisinnigen Schweiz hoch erfreulich! Der AHV droht ein Milliardenloch, wie auch der Bundesrat in seiner Botschaft deutlich festhält: «Zurzeit kommen knapp 3,4 Aktive für eine pensionierte Person auf, und in dreissig Jahren beträgt das Verhältnis von Aktiven und Pensionierten 2:1.» Die Renteninitiative ist deshalb so unterstützenswert, weil sie das demografische Ungleichgewicht, notabene der Haupttreiber des AHV-Defizits, an der Wurzel packt. In einem ersten Schritt wird das Frauenrentenalter an dasjenige der Männer angepasst. In Schritt zwei wird das Rentenalter beider Geschlechter bis 2032 auf 66 Jahre angehoben. Nun kommt das Herzstück der Initiative, Schritt drei: Das Pensionsalter wird an die Lebenserwartung gekoppelt. Dies sichert eine nachhaltige Finanzierung des AHV-Fonds.

Wenn wir jedoch keine strukturellen Anpassungen mittels Erhöhung der Erwerbsdauer vornehmen, geht die Finanzierung einseitig zu Lasten der Jungen. Einerseits zahlen Letztere höhere Beiträge, andererseits wird der demografische Wandel das Wirtschaftswachstum in den nächsten Jahrzehnten – ceteris paribus – deutlich dämpfen, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in einer Studie klar macht. In dieser Studie vom November 2019 untersuchte das Seco mögliche Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Produktivität und das Wirtschaftswachstum. Es zieht den Schluss, dass «Anpassungsmassnahmen der Politik im Arbeitsmarkt- oder Sozialversicherungsbereich daher insbesondere in den kommenden Jahren sinnvoll [sind]». Es ist an der Zeit, das zu tun, was viele europäische Länder schon erkannt haben, und auch die OECD kürzlich für die Schweiz vorschlug. Wir können uns nicht länger einer ernsthaften Diskussion um eine Rentenalter-Erhöhung entziehen.

Livio Gerber, Hünenberg See