Seitenblick: Warum, ja warum nur?

Fragen über Fragen, das hat der kleine Sohn von Redaktorin Carmen Rogenmoser derzeit zur genüge.

Carmen Rogenmoser
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Carmen Rogenmoser.

Carmen Rogenmoser.

Bild: PD

«Warum? Aber warum?» Diese Frage höre ich momentan in Endlosschlaufe. Warum sind die Spaghetti noch heiss? Warum scheint die Sonne nicht? Warum bin ich müde? Der Wissensdurst meines Sohnes ist unstillbar. Alles möchte er wissen. Die als Beispiel aufgeführten Fragen lassen sich ja noch einfach beantworten. Doch mit einer einzigen Erklärung ist er meistens nicht zufrieden. Wenn die Sonne nicht scheint, weil es Wolken am Himmel hat, wo ist sie dann? Weshalb machen wir unser Essen überhaupt heiss, wenn es doch so unpraktisch ist, es in diesem Zustand zu essen?

Oft kommt es zu unerwartet komischen Situationen. Zum Beispiel als mein Mann und ich uns während eines Abendessens an ein früheres Ereignis erinnerten. «Wo war ich?», wollte der Kleine wissen. «Du warst damals noch nicht auf der Welt», antworteten wir. «Aber wo war ich?», hakte er nach. «Du warst hinter dem Mond am Sändelen», lautete unsere saloppe Antwort. Er war eine Weile ruhig, überlegte angestrengt und fragte: «Wer hat den Sandkasten für mich aufgemacht?»

Es sind bemerkenswerte Gedankengänge, die in dem kleinen Kopf vor sich gehen. Der bald 3-Jährige denkt in Richtungen, die mir so nicht in den Sinn kommen. Das gibt Raum für neue Ideen. Und so frage ich auch ihn: «Was glaubst du, weshalb ist das so, oder so?» Er erklärt mir die Welt. «Weisch», beginnt er seine Ausführungen jeweils ganz wichtig.

Klar, die Fragerei kann anstrengend sein. Ich entscheide dann: «Das ist einfach so, weil es so ist», oder «Das ist so, weil ich es sage.» Ganz befriedigend ist diese Reaktion aber weder für ihn noch für mich. Schwierig wird es auch, wenn er mir schwierige Fragen stellt. «Warum frisst die Kuh Gras?» Ja, warum eigentlich?

Eine besonders komplexe Frage stellt er mir kürzlich, am Ende eines anstrengenden Tages, der zur Folge hatte, dass ich ihm die Gute-Nacht-Geschichte strich. Gross belastet hat ihn diese Konsequenz nicht. Bis es tatsächlich Zeit wurde fürs Bett. Ihm wurde bewusst, dass er nun halt ohne seinen Cartoon schlafen geht. «Aber warum habe ich nicht gefolgt?», sagte er müde und traurig. Tja, eine gute Frage, die auch bei mir ab und an für Fragezeichen sorgt.