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Was Esaf-Sägemehl in einem Zuger Moor zu suchen hat

Die 300 Kubikmeter Sägemehl vom Eidgenössischen werden wiederverwendet. Ein Teil davon im Naturschutz nach Zuger Methode.
Laura Sibold
40 Kubikmeter Sägemehl aus der Schwingarena werden bald in einem Renaturierungsprojekt auf dem Zugerberg eingesetzt. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 28. August 2019)

40 Kubikmeter Sägemehl aus der Schwingarena werden bald in einem Renaturierungsprojekt auf dem Zugerberg eingesetzt. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 28. August 2019)

Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (Esaf) in Zug ist bereits Geschichte, seit Montag, 26. August, sind zig Arbeiter mit dem Abbau des Festgeländes beschäftigt. Die rund 300 Kubikmeter Sägemehl, was 400 bis 500 Bäumen entspricht, werden vollumfänglich wiederverwendet. Der grösste Teil davon kommt zu verschiedenen Zuger Landwirten, welche es zum Einstreuen nutzen werden. Aus dem Sägemehl eines Kampffeldes schafft der Berner Künstler Reto Bärtschi eine grosse Skulptur aus Kunstharz (Ausgabe vom 26. August).

40 Kubikmeter Sägemehl finden jedoch eine neue Verwendung auf dem Zugerberg: Sie werden zur Regeneration des Moors im Eigenried gebraucht. Am Mittwoch, 28. August, wurde das Sägemehl mit Lastwagen auf den Zugerberg transportiert und beim Werkhof der Korporation zwischengelagert. Dort bleibt das Sägemehl nun, bis es im Oktober nach der Zuger Methode wiederverwendet wird.

Sägemehl dient als Torfersatz

Die Zuger Methode hat Philipp Gieger, Projektleiter Naturschutz beim Amt für Raum und Verkehr, mit den Moorspezialisten Peter Staubli und Peter F.X. Hegglin entwickelt. «Unsere Vorgehensweise wird inzwischen auch international angewandt, sehr häufig in den grossen Mooren Deutschlands», freut sich Peter Staubli. Doch wie funktioniert die Regeneration der Moore nach Zuger Methode genau?

Durch den Torfabbau haben 17 der 23 Hochmoore im Kanton Zug insbesondere während der beiden Weltkriege stark gelitten. Denn Torf diente in Notzeiten als Brennstoff. Das Eigenried auf dem Zugerberg durchziehen bis zu zehn Kilometer Entwässerungsgräben, die das Moor austrocknen. Das wollten die drei Zuger rückgängig machen, indem sie die Gräben wieder auffüllten. «Idealerweise würde man dafür Torf verwenden. Aber aus einem Hochmoor Torf abbauen und es zerstören, um ein anderes Moor zu retten, macht keinen Sinn», erklärt Peter Staubli. Zudem ist der gezielte Torfabbau im Kanton Zug seit den 1990er-Jahren verboten. Der Biologe griff daher zu einem Trick: Er staute die alten Entwässerungsgräben mit Holzschaltafeln auf und füllte sie mit Sägemehl.

«Sägemehl ist nährstofffrei,
formstabil und einfach
einzubauen. Zudem ist die Methode kostengünstig und führt dazu, dass das Wasser in den regenerierten Flächen schnell wieder ansteigt, woraufhin auch das Wachstum der Torfmoose wieder einsetzt.»

Der Kanton Zug unternimmt seit über 25 Jahren grosse Anstrengungen, damit sich die Moore regenerieren können. 2010 wurden die Massnahmen verstärkt, weil die Moore schneller austrocknen als befürchtet. Für den Kanton Zug, der prozentual zu seiner Fläche landesweit am meisten Moorfläche aufweist, wäre der Verlust der einzigartigen Landschaften fatal.

Die direkteste Form der CO2-Kompensation

Erstmals wurde die Zuger Methode 1994 im Hochmoor Breitried angewendet. «Garette für Garette karrten wir das Sägemehl mit vereinter Manneskraft ins Moor», erinnert sich Peter Staubli. Heute wird die Arbeit etwas erleichtert: Bagger unterstützen das Auffüllen der Entwässerungsgräben. Im Hochmoor Eigenried wird seit Jahren nach der Zuger Methode regeneriert, die 40 Kubikmeter Sägemehl des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests sind ein Bruchteil der Menge, die man jährlich verwendet. Voraussichtlich Mitte Oktober werden die Arbeiten ausgeführt. Mitarbeiter des Amtes für Raum und Verkehr, des Forstdienstes der Korporation Zug sowie Zivildienstleistende füllen die Gräben im Eigenried gemeinsam auf. «Die Arbeit ist witterungsabhängig. Wir brauchen trockenes Wetter, um den sensiblen Moorboden nicht zu schädigen», so Moorexperte Staubli.

Der Rohstoff, der aus dem Wald stammt, wird so dereinst wieder zu Torf. Diese Massnahme ist laut Peter Staubli zudem die direkteste CO2-Kompensation des Eidgenössischen Schwingfests. Denn das Sägemehl als organische Substanz wird langfristig und nachhaltig im Moorboden gelagert. Und das Material, auf dem vor einer Woche in der Stadt Zug ein wahres Spektakel stattfand, trägt zu einem gesunden Naturschutzgebiet bei.

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