Ausstellung: Funde und Bilder erzählen Geschichten

Das Museum für Urgeschichte(n) zeigt eine neue Sonderausstellung: Ein Albert-Anker-Gemälde spielt dabei eine Rolle.

Monika Wegmann
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wei Originalgemälde von Albert Anker gehören zu den Höhepunkten der Ausstellung. Museumsleiter Ulrich Eberli (links) und Restaurator Giacomo Pegurri hängen «Die Pfahlbauer».

wei Originalgemälde von Albert Anker gehören zu den Höhepunkten der Ausstellung. Museumsleiter Ulrich Eberli (links) und Restaurator Giacomo Pegurri hängen «Die Pfahlbauer».

Bild: Matthias Jurt (Zug, 20. November 2020)

Im multimedialen Zeitalter müssen sich Institutionen, die ihre «Schätze» vielen Menschen zeigen wollen, etwas einfallen lassen – auch das Zuger Museum für Urgeschichte: Es eröffnet am Sonntag die Sonderausstellung «Bildergeschichten». Dank vieler Leihgaben anderer Schweizer Museen werden hier künstlerische Darstellungen der letzten drei Jahrhunderte vom Leben in der Urzeit aktuellen wissenschaftlichen Illustrationen gegenübergestellt.

Museumsleiter Ulrich Eberli, der auf einem Rundgang die fünf Themenblöcke vorstellt, erklärt: «Alle Bilder wurden aufgrund der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse neu interpretiert.» Denn in jeder Epoche haben die Menschen versucht, sich vorzustellen, wie das Leben früher war. Die Gemälde zeigen meist zeittypische Ideale. Die wirkliche Lebenssituation der dargestellten Menschen war jedoch viel härter. Hier wird nun zwischen den historischen Kunstwerken und archäologischen Lebensbildern, die das Museumsteam und das Atelier bunterhund geschaffen haben, ein Zusammenhang hergestellt, der eine andere Sicht auf die Vergangenheit ermöglicht.

Das Urzeitleben war viel härter

Wie hat das Zugerland wohl zur Zeit der Pfahlbauer ausgesehen? Vielleicht so, wie auf der digitalen Illustration des Gebiets Riedmatt zu sehen ist – menschenleer, aber mit Wiesen, Wäldern und dem See. Ulrich Eberli sagt lachend: «Wir haben in einem kreativen Akt versucht, die hiesige Landschaft im Urzustand zu zeigen.» Besonders stolz ist Eberli auf die beiden Originalgemälde Albert Ankers «Die Pfahlbauerin» (1873) und «Der Pfahlbauer» (1886). Die idealistischen Motive seien nach der sensationellen Entdeckung der Pfahlbauten 1854 im Zürichsee entstanden. Darauf sind die Frau als fürsorgliche Mutter und der Vater als Jäger und Ernährer dargestellt, was für ein traditionelles Rollenverständnis stehe, das dem damaligen Zeitgeist entspreche, aber kaum der Realität der Urzeit. Ihnen ist nun eine zeichnerische Neuinterpretation gegenübergestellt, auf der die Frau draussen mitarbeitet. Denn Eberli ist überzeugt, dass es damals alle Kräfte brauchte, um das Überleben zu sichern. Ergänzend sind Funde von rudimentären Werkzeugen ausgestellt, welche die Pfahlbauer nutzten.

Weitere Ensembles befassen sich mit der Metallurgie, wie dem Bronzeguss, ein anderes widmet sich dem Mythos der Keltenkrieger, wo neben alten Schmuckstücken Charles Gleyres Bild «Römer unter dem Joch» von 1858 mit den siegreichen Helvetiern präsentiert wird. Bei « Steine für die Ewigkeit» stehen Monumente und Dolmen im Zentrum, die noch heute Rätsel aufgeben. Interessant ist hier die historische Steinkiste, die als Gemeinschaftsgrab verwendet wurde.

Archäologie bedingt viel Feinarbeit

Wer sich an «Indiana Jones» erinnert, der wird beim «Abenteuer Archäologie» fündig. Es geht aber nicht um den Film, sondern um die Arbeit der Fachleute, die mit dem Ausgraben beginnt und mit zeitintensiver Feinarbeit endet. In der Vitrine liegen die Funde aus den letzten Zuger Grabungen. Wie es danach den Archäologen gelingt, ein Bild der Vergangenheit aus heutiger Sicht zu schaffen, das ist im Kunstraum am Beispiel der Burg Hünenberg zu sehen, wo die Schritte einer Rekonstruktion nachvollziehbar werden. Hier ist auch Raum für Kreativität der Besucher.

Speziell angesprochen werden Familien: So führt ein interaktiver Rundgang für Kinder mit spannenden Stationen durch die Ausstellung. Neben der Entdeckung der Schätze können Kinder sich im Bronzehandwerk versuchen, wie die Kelten kleiden und Schmuck herstellen.

Die Idee für das neue Thema stammt vom Museumsleiter. «Es gibt universelle Themen wie Tod/Bestattung oder Ernährung. Der Einbezug der Bilder ermöglicht einen Vergleich mit den heutigen Erkenntnissen.» Ein Jahr dauerten die Vorbereitungen, rund ein Dutzend Museen oder Ämter haben Bilder oder Funde ausgeliehen. Laut Eberli wird das Museum jährlich von rund 200 Schulklassen besucht und von Familien geschätzt: «Vielleicht sprechen wir diesmal sogar Kunstinteressierte an, die nachher Ankers Bilder anders betrachten. Mit den neuen Medien können wir ein Thema auf unterhaltsame Art vermitteln.»

Wegen Corona wurde der offizielle Eröffnungsakt am Sonntag zwar abgesagt, aber die Kurzführungen und das Porträtmalen finden statt.

Hinweis
Bildergeschichten im Museum für Urgeschichte(n), Hofstrasse 15, Zug, bis 2. Mai 2021, jeweils Di–So, 14–17 Uhr. Details und Updates unter www.urgeschichte-zug.ch