Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Zuger Spiillüüt: Was für ein Drama!

Das Stück «De Schwarz Schuhmacher» überzeugte: Die Zuger Spiillüüt verstanden es an der Premiere, die Zuschauer einen Abend lang ins Zug des 18. Jahrhunderts mitzunehmen.
Haymo Empl
Die Gesandten amüsieren sich: Szene im Stück «De Schwarz Schuemacher». (Bild: Stefan Kaiser (16. Januar 2019))

Die Gesandten amüsieren sich: Szene im Stück «De Schwarz Schuemacher». (Bild: Stefan Kaiser (16. Januar 2019))

Vor lauter Dramatik wusste man gar nicht mehr, welches Schicksal denn nun am Schlimmsten ist: dasjenige des Salzhändlers? Oder sind es die Töchter desselben? Oder die gebeutelte, übergangene und tapfere Ehefrau? An der gelungenen Premiere am Freitag im Burgbachkeller folgten die Theaterbesucher gebannt der rasanten Inszenierung «De schwarz Schuhmacher» von Yves Raeber: ein Stück Zuger Geschichte rund um den Zuger Ammann Joseph Anton Schumacher. Ergo widmeten sich die Zuger Spiillüüt in ihrer neuen Aufführung den politischen Wirren zwischen 1728 und 1736 in der Stadt Zug.

In die Geschichtsbücher ist der Salzhändler mit seinem düsteren Aussehen (daher auch «schwarz») als einer der «Harten» eingegangen ... heisst, dass der Zuger Ammann sich aktiv gegen die immer grösser werdenden materiellen und gesellschaftlichen Abhängigkeiten der Schweizer Kantone von Frankreich wehrte. Schuhmacher – besagter Ammann respektive Salzhändler – legte sich mit der damaligen Grossmacht Frankreich und damit auch mit dem mächtigen französischen König an.

Lebendige Figuren, brillante Inszenierung

Grosses Theater auf kleiner Bühne: Dazu gehörten auch die der damaligen Zeit entsprechenden Kostüme. Gerade bei diesem Punkt hätte das Stück genügend Möglichkeiten für einen hohen «Fremdschäm-Faktor» geboten, die Inszenierung drohte aber zu keinem Zeitpunkt in die Peinlichkeit abzurutschen. Zu versiert die Schauspieler, welche die ganze Zeit volle Leistung (inklusive Gesang!) brachten, zu brillant die Inszenierung, zu hinreissend die Kostüme, zu spannend das Geschehen auf der Bühne. Entsprechend zufrieden zeigte sich auch Regisseur Yves Raeber: «Es war wirklich eine tolle Premiere! Ich bin froh, dass mein Ziel, mit dem Ensemble der Zuger Spiillüüt dem Publikum ein Stück Zuger Geschichte lebendig und sinnlich darzubieten, aus meiner Sicht gelungen ist.»

Das als klassisches Drama angelegte Stück transportiert die Handlung vorwiegend über den Text. Dennoch war das Theaterstück nicht eine Sekunde anstrengend. Ein Fakt, der unter anderem dem Können der Zuger Spiillüüt zu verdanken ist. Denn so viel Text in einer dichten Story zu bewerkstelligen ist eine Sache. Dass diese Handlung aber beim Rezipienten – in diesem Fall dem Publikum – auch ankommt, eine andere. «Es galt, den Text zu bewältigen, inhaltlich und spielerisch. Und die Figuren lebendig zu gestalten, was bei einem handlungsreicheren Stück vor allem für Laien einfacher wäre. Die Spiillüüt haben sich sehr engagiert und bewältigen diese Aufgabe hervorragend», so Regisseur Yves Raeber am Premierenabend.

Aufstieg und Fall – das Grundmotiv der Geschichte

«De Schwarz Schumacher» spielt im 18. Jahrhundert. «Jemand, der geschichtlich nicht ganz so sattelfest ist, hat eher keine konkrete Vorstellung davon, wie die Menschen damals tickten und in welchen Kontext die Geschehnisse auf der Bühne zu stellen sind», erklärt Yves Raeber. Kommt erschwerend hinzu, dass mehrere Szenen rund um die französische Gesandtschaft in Solothurn spielen. Im Stück wird dies auf Hochdeutsch dargestellt; dieser elegante Kunstgriff (des Autors) erkläre sich einerseits aus der Schwierigkeit, Schweizerdeutsch sprechende Schauspieler französisch spielen zu lassen, ergäbe sich aber aus dem historischen Kontext, erklärt Yves Raeber. «Das Stück entstand ja 1939 und zeigt auch den damaligen Geist der Landesverteidigung. Das muss das Publikum erstmal akzeptieren. Die Premiere und die Vorpremiere haben gezeigt, dass es das tut.»

Das historische Lexikon der Schweiz widmet sich dem Aufstieg und Fall des Joseph Schuhmacher kurz und bündig. Trocken wird dort vermerkt: «S. wurde 1735 u.a. wegen Landesverrats auf ewig verbannt und zur Galeere verurteilt. Er starb auf dem Weg zum Strafvollzug.» Ob und wie dieses Ende von den Zuger Spiillüüt dargestellt wird, sei an dieser Stelle nicht verraten. Aber das Grundmotiv «Aufstieg und Fall» sind heute genau so aktuell wie damals. «Populismus lebt von Versprechungen. Anton Schumacher scheitert nicht zuerst an der Realität, sondern am eigenen Ehrgeiz, der ihn ins populistische Fahrwasser treibt. ‹De Schwarz Schuhmacher› der Zuger Spiillüüt versucht, das zu zeigen», meint Regisseur Yves Raeber. Und das ist dem Ensemble mehr als gelungen – die Premierengäste zeigten sich im Schlussapplaus begeistert.

Alles zum Stück, zum Vorverkauf und zu den Spieldaten online unter www.zuspi.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.