Leserbrief

Was kann man am Klima denn leugnen?

«Klimaveränderungen gab es schon immer», Ausgabe vom 22. Dezember

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Wenn wir unsere CO2-Emissionen nicht in den Griff bekommen, wird sich das Klima in Zukunft noch stärker erwärmen, mit negativen Folgen für die Schweizer Landwirtschaft, Gletscher und Klimasicherheit. Kürzlich wollte uns Herr Balsiger mit seiner Multiplikation zum Klimawandel glaubhaft machen, dass das CO2-Problem gar keines sei. Seine Ausführungen entsprechen nicht der Wahrheit und bedürfen daher einer Klarstellung.

Balsiger sagt, dass der CO2-Anteil von der Temperatur bestimmt wird (nicht umgekehrt). Dies würde stimmen, wenn man über 800 000 Jahre zurückblickt in der Erdgeschichte – auf eine Zeitskala, in welcher der Mensch keine Rolle spielte. Betrachtet man die CO2-Variabilität über die letzten 200 Jahre, erkennt man, dass es sich eben umgekehrt verhält. Das zunehmend vom Menschen freigesetzte CO2, hauptsächlich durch die Verbrennung von fossilen Rohstoffen, ist Ursache für die Erwärmung.

Balsiger meint, dass der CO2-Anteil angeblich bloss zu 1,2 Prozent menschengemacht sei. Messungen auf Mauna Loa, Hawaii, belegen aber, nebst weiteren Messungen, dass der CO2-Anteil in der Atmosphäre seit 1850 (Industriezeitalter) von unter 290 ppm auf heute über 400 ppm gestiegen ist (NOAA). Die menschverursachte Zunahme beträgt somit ca. 40 Prozent, oder 30-mal mehr, als der von Balsiger genannte Wert.

Balsiger schreibt, dass die Welttemperatur seit 1997 konstant sei. Dem ist leider auch nicht so. Die Jahre 2015, 2016, 2017 waren die drei wärmsten je gemessenen Jahre weltweit (NOAA). Balsiger sagt schliesslich, dass Klimaspezialisten vom Staat angestellt werden, um die passenden Studien zu erstellen. Diese Aussage passt gut zu den vorhergehenden Falschaussagen. Ich wünsche mir, dass unsere Politiker endlich den Klimawandel verstehen werden, nicht nur die Grünen und die Linken. Aber das ist dann wieder ein Thema bei den nächsten Wahlen.

Urs Kunz, Cham


Gleich drei Leserbriefe provozierte Rudolf Balsiger mit seinem eigenen vom 22. Dezember. Unter anderem wird er als «Klimaleugner» verunglimpft. Wie absurd, was kann man am Klima leugnen? Ein anderer Kritiker differenzierte immerhin so weit, dass er ihm unterstellte, die Klimaveränderung zu leugnen. Grundsätzlich wird ihm unterstellt, die Fakten aussen vor zu lassen. Was aber hat Rudolf Balsiger geschrieben, dass er so geharnischte Reaktionen provozierte? Kurz gesagt hielt er fest, dass es Klimaveränderungen schon immer gegeben hat. Damit hat er die Klimaveränderung nicht geleugnet, sondern in einen geschichtlichen Kontext gesetzt. Ferner hat er mit Zahlen aufgezeigt, dass die Beeinflussung des CO2-Ausstosses durch die Schweiz selbst bei drastischen Massnahmen vernachlässigbar klein, ja bedeutungslos ist. Interessanterweise widerlegte keiner seiner Kritiker diese Zahlen. Man hieb einfach mal mit dem rhetorischen Zweihänder auf einen ein, der es wagte, seine Sicht der Dinge dem Mainstream entgegen zu halten. Glaubenssätze gegen Fakten. Damit wird Klimapolitik zur Ersatzreligion. Apropos Religion: Vor der Reformation war der Ablasshandel in der katholischen Kirche auf seinem Höhepunkt. Nach dem Motto «Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt» konnte man sich von seinen Sünden freikaufen. Und heute? Bezahlen wir doch 10 Rappen mehr für den Liter Benzin, dann dürfen wir ruhigen Gewissens in den Ferien nach Australien fliegen. Was vor 500 Jahren Gott kaum beeindruckt haben dürfte, ist wohl heute auch dem Klima egal.

Thomas Lötscher, Neuheim