Was unsere Region beschäftigt

Editorial

Livio Brandenberg
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«Was beschäftigt mich eigentlich?» Haben Sie sich dies in letzter Zeit auch einmal gefragt? In der Vorbereitungszeit für diese Beilage haben wir dies – im Namen der Region – getan: Was beschäftigt und bewegt die Zuger Wirtschaft? Welche Themen sorgen für regen Mailverkehr bei den Unternehmen? Wie so oft im (Geschäfts-)Leben stiessen wir nicht auf eine klare Antwort – und folglich auch nicht auf ein Thema. Stattdessen gelangten wir zu folgender Auswahl: Blockchain, Rohstoffe und der Zustand der Zuger KMU.

Das Thema Blockchain ist in Zug seit rund zwei Jahren omnipräsent. Seit dann akzeptiert die Stadt Bitcoin als Zahlungsmittel für kleinere Beträge. Dabei ging es nie um den sofortigen Nutzen, sondern um ein Signal. Dieses wurde empfangen, aus der ganzen Welt haben sich in der Zwischenzeit Kryptoprogrammierer, -unternehmer und -investoren am Zugersee niedergelassen. Der Ruf des Crypto Valley hallt international. Beleg dafür: Erst kürzlich besuchte eine hochrangige Delegation aus Südkorea, bestehend aus Managern und Politikern, die Zentralschweiz und speziell Zug, um sich in Sachen Blockchain weiterzubilden.

Doch es ziehen Wolken auf, wenn auch erst am Horizont. Die Regulierung der Kryptobranche ist der momentan drängendste Punkt auf der Agenda der Jungfirmen, Investoren – auch den ausländischen – und der Politiker. Sollte man meinen. Doch wie man hört, sollen sich die verschiedenen politischen Vertreter aus den Departementen sowie die Finanzmarktaufsicht in Bern eher die «heisse Kartoffel» zuschieben. Klar ist: Die Schweiz will nicht mit einem speziell entworfenen Gesetz eingreifen und den Blockchainfirmen, die ihr Geld grösstenteils über Finanzierungsrunden mit Kryptogeldern (ICOs) einnehmen, den nötigen Raum lassen. Vieles ist daher aber auch noch unklar. Und genau dies könnte nun zum Nachteil der Schweiz und damit von Zug werden. Denn andere Standorte machen vorwärts, so steht Liechtenstein kurz vor der Einführung eines Kryptogesetzes. Und es scheint, als würden die Jungunternehmer Rechtssicherheit mindestens gleich hoch gewichten wie traditionelle Unternehmer. Jedenfalls sind sich die von uns befragten Experten und Investoren einig: Die Schweiz muss bis Ende Jahr einen Schritt machen und einige Punkte regeln. Darunter das Problem, dass Schweizer Banken keine Firmen als Kunden aufnehmen, deren Kapital aus ICOs stammt. Die Banken machen Geldwäschereibestimmungen geltend.

Dass deshalb aber reihenweise Start-ups Zug verlassen werden, davon geht (noch) niemand aus. Momentan zieht es die Unternehmen – aller Art – eher hierhin. Dies zeigt auch die dieses Jahr erstellte Liste der grössten Arbeitgeber im Kanton Zug. So hat beispielsweise Mobility seinen Sitz von Luzern nach Rotkreuz verlegt. Und auch der Zementkonzern Lafarge-Holcim ist mit seinem Büro von Zürich nach Zug in die Grafenau umgezogen.

Ein Thema, das nicht nur die Zuger beschäftigt, ist der Umgang mit Rohstoffen. Auf der einen Seite wissen wir alle, dass diese Ressourcen endlich sind. Der andere Aspekt ist: Was passiert mit dem Land, das für den Abbau ausgeschöpft wird? Was passiert mit einer Mine, sobald sie geschlossen wird? Dies haben wir anlässlich dieser Beilage versucht aufzuzeigen. An dieser Stelle auch ein Tipp: Noch bis Ende Oktober ist die Rohstoff-Sonderausstellung «Boden Schätze Werte» im Museum für Urgeschichte(n) Zug zu Gast. Lassen Sie sich den interessanten Blick in eine uns bisweilen fremde Welt nicht entgehen.

Und nicht zuletzt beschäftigen wir uns in dieser Beilage mit dem «Rückgrat» jeder Wirtschaft: den KMU. Auch sie beginnen langsam, sich mit der Blockchain auseinanderzusetzen. Die Digitalisierung ist schon längst in den Betrieben angekommen. Dieser Schritt bringt seine Mühen mit sich – aber auch enorme Chancen.