Wasser aus dem Zugersee wärmt jetzt auch den Bahnhof Zug

Durch den SBB-Fahrdraht fliesst Strom aus Wasserkraft. Die Staatsbahn setzt beim Heizen auf Wärmenetz Circulago.

Marco Morosoli
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Durch den Zuger Untergrund führen mittlerweile so viele Leitungen, dass der Überblick nur mit den dazugehörenden Plänen möglich ist. Das offenbart sich derzeit Fussgängern, welche entlang der Baarerstrasse in Richtung Bundesplatz unterwegs sind. Ihnen bietet sich ein Einblick in solche Adern, ohne die heutzutage nichts mehr geht. In den vergangenen Jahren haben die Wasserwerke Zug mit dem Aufbau des Energieverbunds Circulago begonnen.

Einer der Abnehmer für Wärme aus Zugerseewasser sind die SBB. Wie die Staatsbahn in einer Mitteilung schreibt, heizt sie den Bahnhof Zug seit Anfang Oktober mit Wärme aus dem Zugersee. Den Anstoss für die SBB, mit diesem Energieträger für Wärme zu sorgen, war die Heizung des Zuger Bahnhofs, der am 28. November 2003 eröffnet wurde. Die SBB als Eigentürmer der Baute standen vor dem Entscheid: Fossile Brennstoffe nutzen oder aber auf umweltschonendere Verfahren wechseln.

Der Bahnhof Zug aus der Vogelperspektive.

Der Bahnhof Zug aus der Vogelperspektive.

Bild: Stefan Kaiser

Dabei folgen die SBB einem Protokoll. Dieses besagt, dass bei Heizungssanierungen «in all ihren Liegenschaften konsequent auf fossilfreie Alternativen zu setzen». Die jetzt umgesetzte Lösung war naheliegend, führt doch einer der grossen Leitungsschächte Zugs entlang der Gubelstrasse von West nach Ost. Die SBB haben bis anhin jährlich rund 540 Megawattstunden Erdgas für die Beheizung des Zuger Bahnhofs gebraucht.

Wie die Staatsbahn in der Medienmitteilung vorrechnet, könne mit dem Wechsel zu Seewasser als Wärmeerzeuger pro Jahr so viel fossile Energie eingespart werden, wie 120 Haushalte in der gleichen Zeit verbrauchen würden.

Alles ist ein Teil eines grossen Ganzen

Wie viel Geld die SBB für ihr Engagement im Sinne des Klimas im Bahnhof Zug einsetzen, will das Unternehmen nicht sagen. Ottavia Masserini von der SBB-Kommunikation sagt nur: «Das Projekt ist keine Sparübung – im Gegenteil.» Vielmehr sei es Ziel des Transportunternehmens, in eine «nachhaltige Lösung mit Zukunft zu investieren». Masserini fügt dann noch an, dass die SBB zum Ziel gesetzt hätten, bis zum Jahr 2030 über 90'000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) einzusparen. Die SBB beziehen aber nicht nur Wärme aus dem Zugersee, sondern das Wasser hilft auch beim Kühlen.

Sich in Zukunft auf nicht-fossile Energieträger zu fokussieren, verstehen die SBB als Teil der Initiative «Vorbild Energie und Klima». Dieser Initiative haben sich die Bundesbahnen im Jahr 2016 angeschlossen. Seit dem Beitritt zu diesem Projekt hätten sie nach eigenen Angaben bei Neubauten wie auch bei Ersatz von Heizungsanlagen stets darauf verzichtet, Heizöl oder Erdgas einzusetzen.

Ein wichtiger Anfang ist mit der Heizstrategie gemacht

In vier Jahren hätten die SBB so bereits schweizweit über 140 Anlagen auf fossilfreie Alternativen umgerüstet, wodurch jährlich über 1,66 Millionen Liter Heizöl eingespart würden. Dies entspräche dem Volumen von rund 66 Tanklastwagen. Die so eingesparte Menge Kohlendioxid beziffern die SBB mit 4500 Tonnen. Um die vorerwähnte Zielgrösse zu erreichen, müssen sich die SBB in den kommenden Jahren aber sputen.

Das Engagement für den Ausstieg aus der fossilen Energie beschränkt sich beim grössten Transportunternehmen aber nicht auf den Mitteleinsatz. Vielmehr unternehmen die SBB auch grosse Anstrengungen, um die Energieeffizienz zu steigern.

Die SBB als Kunden gewonnen zu haben, dürfte für die WWZ als Betreiberin des Circulago-Verbundes sicher gute Werbung sein. Alles in allem investiert die WWZ für diesen Verbund, der seit diesem Jahr aktiv ist, rund 100 Millionen Franken.