WASSERQUALITÄT: Ein Experte geht dem Zugersee auf den Grund

Michael Feld prüft das Seewasser und gibt ihm keine guten Noten. Aber er würde trotzdem einen Zuger Rötel essen.

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Michael Feld bei der Entnahme von Wasserproben. (Bild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Michael Feld bei der Entnahme von Wasserproben. (Bild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Eine schwere Nebelbank liegt um 8 Uhr früh über dem Zugersee, Michael Feld legt in Walchwil ab. Er steuert quer über den See und stoppt an einer Stelle, merkt sich als Fixpunkt den zweiten Gupf der Rischer Landzunge. Hier ist der Zugersee fast 200 Meter tief.

Nun beginnt eine Fleissarbeit, die mit der eines Doktors vergleichbar ist: Statt Blutdruck und Herzschlag werden allerdings unter anderem die Phosphorbelastung und der Sauerstoffgehalt des Zugerseewassers in unterschiedlichen Tiefen gemessen. Das wiederkehrende Ergebnis: Dem Patient Zugersee geht es seit Jahren stetig besser.

Tiefe ändert die Werte nicht
Die erste Messung des Tages findet auf 197 Meter Tiefe statt, der Probebehälter gleitet langsam hinunter und taucht nach einiger Zeit als schwarze, sinkende Linie auf dem seismografisch mitschreibenden Echolot wieder auf. Bis der Pfropfen, der an der Leine runtersausend diesen Behälter verschliessen soll, mit einem Ruck am Grund unten ankommt, vergehen ganze zwei Minuten. In der Zwischenzeit nimmt Feld eine zweite Probe in 50 Zentimetern Tiefe. Insgesamt nimmt er 19 Proben zwischen Oberfläche und Grund. Die meisten der später im Labor geprüften Werte verändern sich nur geringfügig in Abhängigkeit zur Tiefe, nur der Sauerstoffgehalt in minimalen Mengen.

Ägerisee zu sauber für Schwäne
Diese Wasserproben werden einmal pro Monat durchgeführt und danach im Labor untersucht auf Vorkommen von Nitrit und Nitrat, Mangan, Eisen und Phosphor. Feld erklärt die deutlichen Resultate: «Der Zugersee ist noch immer ein stark belasteter See.» Der Phosphorgehalt beispielsweise ist aufgrund der bis in die Sechzigerjahre eingelassenen Abwässer relativ hoch und sinkt wegen der trägen Zirkulation im unteren Zugerseeteil nur langsam, aber dafür stetig ab.

Auf die Frage, ob er sich trotzdem traut, einen Zuger Rötel zu essen, lacht Feld, «jaja, bedenkenlos». So schlimm sei es nicht. Sauberkeit kann überdies auch seine Nachteile haben: Die Schwäne, die man seit Jahren auf dem Ägerisee ansiedeln möchte, kommen immer wieder zurück, weil das allzu klare Gewässer ihnen zu wenig Nahrung bietet.

Julia Häcki

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Samstag in der Neuen Zuger Zeitung.