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In Zug haben Bibliotheken nach wie vor eine Daseinsberechtigung

Die Angebote der Bibliotheken werden stetig ausgebaut. Neben dem klassischen Bücherverleih finden vermehrt Veranstaltungen wie Lesungen oder Kriminächte statt. Einerseits um Kundschaft anzulocken, andererseits aus Lust, Neues zu ausprobieren.
Vanessa Varisco
Die Bibliotheken müssen flexibel bezüglich ihres Angebots sein. (Bild: Jakob Ineichen (13. Oktober 2018))

Die Bibliotheken müssen flexibel bezüglich ihres Angebots sein. (Bild: Jakob Ineichen (13. Oktober 2018))

Ein Blick in die Agenden der Bibliotheken im Kanton Zug verrät: Inzwischen haben die Angestellten weitaus mehr zu tun, als ausschliesslich Bücher zu verleihen. Eine Reihe von Veranstaltungen ist in den meisten Bibliotheken geplant. Die Bibliothek Zug organisiert beispielsweise Lesungen mit Autoren, führt Anlässe für Eltern zur Förderung der Medienkompetenz durch oder bietet den Kunden die Möglichkeit, Tolino-E-Readers auszuleihen, um die Geräte auszuprobieren. Neu verleiht sie zudem Virtual-Reality-Brillen. «Damit bieten wir der Bevölkerung die Möglichkeit, sich über technische Errungenschaften im nicht kommerziellen Umfeld zu informieren», führt Barbara Kostezer, stellvertretende Leiterin der Bibliothek Zug, aus.

Der Umgang mit neuen Technologien sei für die Teilhabe am sozialen Leben wichtig. «Die Zahl der Besucher und Besucherinnen ist seit zwei Jahren wieder steigend, was auf den starken Ausbau des Veranstaltungsangebots zurückzuführen ist», ergänzt Barbara Kostezer. Und das, obwohl die Zahl der aktiven Kunden, die physische Bücher ausleihen, tendenziell rückläufig sei. «Allerdings nimmt die Ausleihe von digitalen Medien um rund 15 Prozent pro Jahr zu», weiss Kostezer.

DVDs und CDs sind out

Auch der Veranstaltungskalender der Bibliothek Baar ist voll: Neben Erzählnächten und Comic-Kursen für Kinder gehört das Buchcafé zum Programm. «Solche Angebotserweiterungen machen wir, weil sie uns unglaubliche Freude bereiten», erklärt Fabia Patocchi, Leiterin der Bibliothek Baar, und fügt an: «Unser Angebot wird unaufhörlich erweitert, obschon das natürlich zeitweise herausfordernd ist.»

Nach Erfahrung von Fabia Patocchi bleiben die Kundenzahlen konstant – lediglich die Ausleihe von Non-Books wie DVDs und CDs sei eingebrochen. «Was auf die zahlreichen Angebote im Internet zurückzuführen ist», berichtet Patocchi. Ebenso bleiben die Besucherzahlen in der Bibliothek Cham konstant. «Dazu zählen wir auch Kunden, die nichts ausleihen und für eine Zeitungslektüre bleiben», erklärt Walter Süess, Bereichsleiter der Gemeindebibliothek. Die Bibliothek Cham hat wie die anderen Bibliotheken verschiedene Anlässe geplant, so beispielsweise eine Veranstaltung in der Schweizer Erzählnacht mit dem Bilderbuchautor Lorenz Pauli und dem Fernsehmoderator Röbi Koller.

Generell stellen die Bibliotheken fest, dass sie zu einem dritten Ort ohne Konsumzwang werden, neben Arbeitsplatz und den eigenen vier Wänden. «Bei uns lösen die Jugendlichen auch gemeinsam Hausaufgaben», schildert Fabia Patocchi. Und Walter Süess berichtet: «Viel genutzt werden nach wie vor auch die Computerstationen, wo Internet, Word, Excel und Powerpoint zur Verfügung stehen.»

Besonders Lesungen füllen die Bibliotheken

Zielpublikum der Bibliotheken seien einerseits Kinder und andererseits Senioren. Für diese Personengruppen gäbe es verschiedene Angebote. Für Kinder biete man beispielsweise «Reime und Fingerspiele» an und digitale Sprechstunden für die Benutzung elektronischer Medien werden von älteren Menschen genutzt. In der Bibliothek Zug werden jährlich 60 Klassenführungen mit Primarschulen durchgeführt. «Damit alle Schülerinnen und Schüler unsere Angebote kennen und nutzen lernen», sagt Barbara Kostezer.

Besonders viele Besucher begrüssen alle Bibliotheken bei Lesungen. Regionale Autoren würden vor allem das lokale Publikum anziehen. «Bei der Buchvernissage von Max Huwyler im September nahmen über 100 Personen teil», schildert Kostezer. Ähnliches berichten auch die beiden anderen Verantwortlichen der Bibliotheken und betonen, dass nationale und internationale Autoren besonders viel Publikum anzögen. «Lesungen mit bekannten Autoren, die wir in der Rathus-Schüür veranstalten, sind jeweils rappelvoll», weiss Patocchi.

Orientierungshilfe im digitalen Überfluss

Eingestaubt werden können Bücher keinesfalls, wie die Leiter der Bibliotheken wissen. Zwar seien digitale Angebote vor allem im wissenschaftlichen Feld und bei Nachschlagewerken stark im Vormarsch und wegen der stetigen Aktualisierung sinnvoll. Im allgemeinen Bereich werden Bücher jedoch noch immer nachgefragt. «Die Leute lieben Bücher», führt Fabia Patocchi aus. Das bestätigt auch Barbara Kostezer. «Auch Kochbücher werden rege konsultiert, obwohl Rezepte und Kochtipps im Internet boomen», berichtet sie. Walter Süess ergänzt: «Bücher und digitale Angebote werden künftig nebeneinander bestehen und sich ergänzen. Eine gänzliche Digitalisierung wird kaum erreicht und ist auch nicht erstrebenswert.»

Natürlich verändere die Digitalisierung das Kundenverhalten. Die drei angefragten Bibliotheken erörtern, dass sie alle seit einiger Zeit digitale Medien anbieten. «Dadurch können wir Kunden ein breites, aktuelles und attraktives Angebot zur Verfügung stellen», beschreibt Kostezer. «Die Anpassung an die Digitalisierung ist ein laufender Prozess. Bibliotheken können einen wertvollen Beitrag leisten, indem sie zum Treffpunkt werden und das Angebot ergänzen», so Süess.

Beratungen und ein ausgesuchtes Angebot nehmen an Wichtigkeit zu. Nicht alles, was digital angeboten werde, sei besser. «Im uferlosen Bereich der digitalen Angebote bieten wir eine kuratierte Auswahl und geben so wichtige Orientierung», erläutert Kostezer. «Ausserdem hat das digitale Lesen nicht den gleichen Charme wie das Analoge», ist Patocchi der Ansicht und fügt an, dass das digital Gelesene längst nicht so gut im Gedächtnis hafte wie das analoge.

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