Weihnachten

Ob Andachten unter freiem Himmel oder Livestream – die Zuger Kirchenvertreter lassen sich für die Weihnachtstage einiges einfallen

Ein Zusammenrücken im wörtlichen Sinn ist in diesen Tagen nicht möglich. In den Kirchen dürfen nicht mehr als 50 Personen zusammenkommen. Eine besinnliche Stimmung kann trotzdem aufkommen.

Carmen Rogenmoser
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Ob Familiengottesdienst oder Mitternachtsmesse, selten sind die Kirchen so gut besetzt wie über die Weihnachtstage. Doch in diesem Jahr ist bekanntlich alles anders. Ein Zusammenrücken ist – zumindest physisch – nicht möglich. Nicht mehr als 50 Personen dürfen in den Kirchen zusammen kommen. Singen ist ebenfalls untersagt. Die Messen und Andachten ersatzlos ausfallen zu lassen, kommt für die Kirchenvertreter nicht in Frage. Und es ist auf katholischer Seite auch nicht im Sinne des zuständigen Bistums. So hat Bischof Felix Gmür erst kürzlich ein Machtwort gesprochen und für die Stadt Luzern Weihnachtsgottesdienste, die eigentlich abgesagt waren, wieder angeordnet.

Weihnachtswege, Andachten in Quartieren, Live-Übertragungen der Messen: Im Kanton Zug sind die Pfarreien kreativ geworden – es handelt sich dabei aber auch um Pilotversuche. Deshalb ist ein Austausch untereinander angesagt. Dieser findet laut Bernadette Thalmann, Kommunikationsbeauftragte der Katholischen Kirche Zug, in regelmässigen Abständen in der Konferenz der Leitungspersonen der Pastoralräume statt. «Da fliessen auch Ideen des Bistums ein. Innerhalb der Pastoralräume gibt es zwischen den Pfarreien einen laufenden Austausch und Abgleich von Ideen. Und selbstverständlich findet auch ein informeller Austausch zwischen den Pfarreileitenden statt.»

Fast überall kann man sich für die Gottesdienste im Vorfeld anmelden, um einen Platz zu reservieren. «Es werden zusätzliche Gottesdienste angeboten und vielerorts – beispielsweise in Baar, Zug und Steinhausen – Übertragungen von Messen ins jeweilige Pfarreiheim oder eine andere Kirche angeboten», so Thalmann. Informationen findet man auf den Homepages der Pfarreien oder dem aktuellen Pfarreiblatt.

Der Segen der modernen Technik

Wer zu Hause bleiben will oder muss, dem hilft die moderne Technik. So wird man etwa auf der Website der Reformierten Kirche Kanton Zug auf dem Laufenden gehalten, in welcher Form man digital mitfeiern kann. Die katholische Pfarrei Rotkreuz bietet über einen QR-Code oder die Website die Möglichkeit, drei Gottesdienste live per Zoom zu verfolgen. Auch in der Pfarrei St.Michael Zug werden verschiedene Livestreams angeboten. «Natürlich gibt es Livestreams auch von Gottesdiensten des Bistums», ergänzt Bernadette Thalmann. Verschiedene Pfarreien sind darüber hinaus kreativ geworden: In der Neuheimer und Menzinger Kirche steht ab dem 24. Dezember bis Neujahr ein Weihnachtsweg zur Verfügung. «Mit dem Weg kann man quasi einen eigenen Gottesdienst gestalten. An mehreren Stationen bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten, etwa um den Segen zu bitten, sich die Krippe genau anzusehen, die Weihnachtsgeschichte zu hören oder sich das Friedenslicht zu holen», erklärt die Kommunikationsverantwortliche. Diese Idee wird auch in Oberägeri umgesetzt.

Dort werden an Heiligabend von 16 bis 18 Uhr ausserdem ökumenische Kurzweihnachtsfeiern beim Seeplatz abgehalten. «Wir feiern mehrmals eine kurze Weihnachtsfeier bei der lebensgrossen Krippe. Immer wenn eine Gruppe zusammen ist, beginnen wir mit der Feier», heisst es in der entsprechenden Broschüre.

Beim Seeplatz in Oberägeri wurde eine lebensgrosse Krippe des Davoser Künstlers Andreas Hofer aufgebaut.

Beim Seeplatz in Oberägeri wurde eine lebensgrosse Krippe des Davoser Künstlers Andreas Hofer aufgebaut.

Bild: Maria Schmid (21. Dezember 2020)

Verantwortlich für die Organisation sind die katholische Pfarrei Oberägeri und die Reformierte Kirche Bezirk Ägeri. Geschaffen hat die Krippe, die noch bis am 30. Dezember zu bewundern ist, der Davoser Künstler Andreas Hofer. «Wir wollen ein Zeichen setzen, dass die Kirche da ist», sagt Urs Stierli, Gemeindeleiter in Oberägeri. Die Verunsicherung sei gross. Was darf man, was nicht? «Ich kenne einige Menschen, die am 24. Dezember alleine sein werden», sagt Stierli. «Die Gefahr der Vereinsamung besteht.» Die kurzen Weihnachtsfeiern sollen auch ein Ansporn oder eine Möglichkeit sein, das Haus kurz zu verlassen und doch irgendwie gemeinsam zu feiern.

Wenn der Pfarrer seine Komfortzone verlässt

Mitorganisator Pfarrer Jürg Rother hat bereits Erfahrung mit der Umsetzung neuer Ideen. Mitte Dezember waren er und ein Team der Bezirkskirche Ägerital in den Quartieren unterwegs, um sogenannte «Vorbei-Komm-Andachten» zu feiern. Eine kurze Andacht inklusive einer Geschichte wurden via Lautsprecher und Mikrofon verbreitet. «Wir wollten damit gezielt die Beschränkungen von sozialen Kontakten etwas abfedern», so Rother. Die Freude war gross. «Wir haben viele herzerwärmende Geschichten gehört.» Es sei wichtig, ein Zeichen zu setzen, um zu zeigen, dass man die Leute nicht vergessen hat. Die Realisierung solcher Ideen ist nicht immer ganz einfach. «Auch wir müssen dafür unsere Komfortzone verlassen.»

Draussen gefeiert wird an Heiligabend auch in Cham, wo der Familiengottesdienst im Hirsgarten geplant ist. Oder in Hünenberg. Dort gehen Gemeindeleiter Christian Kelter und sein Team ebenfalls in die Quartiere. Statt in der schön geschmückten und wohlig warmen Kirche wird der Gottesdienst an ungewohnten Orten gefeiert, in einem Schopf beispielsweise, auf einem kleinen Platz oder am Ende einer Sackgasse. Interessierte konnten sich bereits beim Pfarreisekretariat melden.

In Baar wurde das «Chrippespiel» als Hörspielfassung von Jörg Heeb aufgenommen. Die reformierte Kirche Baar habe mit der Frage nach speziellen Anlässen und innovativen Projekten sehr gerungen, sagt Maria Oppermann, Leiterin Kommunikation der Reformierten Kirche Kanton Zug. Gefragt seien in dieser angespannten Situation eher Stille, Verzicht und ein Stück Demut. Sie führt aus:

«Die Kirchenpflege hat einstimmig beschlossen, ab 20. Dezember bis am 22. Januar 2021 auf Gottesdienste zu verzichten und so dem Aufruf des Bundesrates, möglichst keine Kontakte zu haben, zu folgen.»

Den Bezirksmitgliedern wurde eine Weihnachtskarte mit einer kleinen Weihnachtsbotschaft und den Informationen geschickt, dass etwa ein Säcklein mit allem Wichtigen für eine kleine Abendmahlsandacht bestellt werden kann. Auch ist an Heiligabend und am Weihnachtsmorgen eine Pfarrperson auf dem Areal der Kirche präsent. Und in Baar werden, wie überall in der Schweiz am 24. Dezember, um 20 Uhr, die Kirchenglocken läuten.