Weise Voraussicht und gefährliche Nähe: Wie Baustellen mit dem Corona-Virus umgehen

Ein Handwerker klagt, dass klare Corona-Hygienevorschriften auf seiner Baustelle fehlen – es gibt aber auch positive Beispiele.

Marco Morosoli
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Auf dieser Baustelle in Rotkreuz befolgen die Handwerker die Vorgaben des Bundes.

Auf dieser Baustelle in Rotkreuz befolgen die Handwerker die Vorgaben des Bundes.

Bilder: Matthias Jurt (Rotkreuz, 19. März 2020)

Auf den Strassen herrscht kaum noch Verkehr. Ein anderes Bild zeigt sich auf einer Grossbaustelle irgendwo im Kanton Zug. Wohnbauten stehen kurz vor ihrer Vollendung. In diesem Stadium sind jeweils sehr viele Handwerker vor Ort. Küchenbauer, Elektriker, Maler, Sanitärinstallateure und viele mehr gehen ihrer Arbeit nach. «Wir stehen uns richtiggehend auf den Füssen herum», sagt Aristoteles Corcega*.

Wie viele Handwerker derzeit auf der Baustelle arbeiten, kann er nicht sagen, 15 bis 20 Personen seien es sicher. Was ihm auffällt: Die vom Bundesrat erlassenen Vorsichtsmassnahmen zur Bekämpfung des Corona-Virus seien kein Thema. Das rote Blatt mit den Sicherheitsmassnahmen ist nirgends sichtbar aufgehängt.

Auf dem Bauplatz fehlen Corona-Hinweise

«Es macht scheinbar auch niemandem etwas aus, zu viert den Lift zu benützen», erzählt Corcega weiter und fügt an: «Auf dieser Baustelle geht es zu und her, als herrsche Normalzustand.» Er könne auch nicht verstehen, dass nicht einmal der Bauleiter auf die Corona-Problematik hingewiesen habe. Überall, so Corcega, würden die Menschen gebeten, ihre Hände regelmässig zu waschen. Auf seiner Baustelle habe es aber im aufgestellten ToiToi nicht einmal WC-Papier.

Wie ehedem funktioniere auch der Transport vom Betrieb zur Baustelle. «Wir sitzen eng beieinander im Frontbereich eines Transporters.» Aristoteles Corcega ist ein gewissenhafte Person. Desinfektionsmittel hat er auf Mann und braucht es auch regelmässig, und auch das «social distancing» ist ihm ein Begriff: «In der gegenwärtigen Situation schaue ich einfach auf mich.»

Ein anderes Regime auf einer Grossbaustelle im Westen des Kantons Zug. Die Fürsorgepflicht gegenüber den Handwerkern auf dem Bauplatz geniesst bei Bauleiter Benny Elsener und seinem Berufskollegen erste Priorität. Das Team führt in Rotkreuz einer der derzeit grössten Baustellen im Kanton. Auf dieser sind rund 100 Arbeiterinnen und Arbeiter tätig. Es handelt sich um die zweite Etappe einer grossen Wohnüberbauung. Als Einzugstermin nennt Elsener Ende Juni. Der Zuger Politiker hat, kurz nachdem der Bundesrat die ausserordentliche Lage am Montag erklärt hat, gehandelt: «In Rücksprache mit der Bauherrschaft haben wir Massnahmen eingeleitet, um alle auf dem Bauplatz zu schützen.» Dazugehören unter anderem Handwaschgelegenheiten auf der Baustelle. Benny Elsener hat auch alle angewiesen, «sich an die Regeln der Abstandspflicht zu halten». Alle Tür- und Fenstergriffe würden auf dem Bauplatz zweimal im Tag durch Putzfachleute gereinigt und desinfiziert.

Das gleiche Prozedere gilt auch für die WC-Anlagen. Eine weitere Weisung umschreibt Benny Elsener so: «Es dürfen sich nur noch zwei Handwerker in einem Raum aufhalten. Diese Regel gilt auch für den Lift.» Die Umsetzung der Anordnungen verstehen die Bauleiter aber keinesfalls nur als «wünschbar». Es werde regelmässig kontrolliert. Auch Elsener hält sich in seinem Betrieb daran: «Es gibt keine Sitzungen mehr. Wir kommunizieren übers Internet oder verständigen uns via Konferenztelefon.»

Verantwortliche gehen mit dem gutem Beispiel voran

Benny Elsener hat auch schon Rückmeldungen von Gewerbetreibenden erhalten: «Die neue Handhabung schätzen alle sehr.» Er glaubt auch, dass das neue Regime auf dem Bauplatz mitgeholfen hat, gewisse Unsicherheiten im Vornherein auszuräumen. Zupass kam dem Zuger Bauleiter auch, dass er einmal in der Feuerwehr war. Auch dort gälte es innert kurzer Zeit, Entscheidungen zu treffen. Er wolle seine Baustelle am Laufen halten, denn «mit Office from Home entsteht kein Haus».

Klare Ansage des Zuger Gesundheitsdirektors

Der Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister macht auf Anfrage klar: «Die Vorgaben des Bundes gelten auch für die Tätigkeit auf Baustellen.» Er nennt die Einhaltung des Mindestabstands wie auch die Hygieneregeln, welche das Bundesamt für Gesundheit aufgestellt hat. Als Beispiel für eine vorbildliche Umsetzung nennt Pfister die Baustelle in Rotkreuz. Sein Ziel versucht Pfister mit sanftem Druck zu erreichen: «Wir setzen auf Eigenverantwortung aller und vor allem auch der Verantwortlichen. Wenn wir von Verstössen Kenntnis erhalten, gehen wir dagegen vor.»

Der Zuger Gesundheitsdirektor sagt auch, wenn er Kenntnis von Transporten von Handwerkern wider die Bundesvorgaben habe, er mit den entsprechenden Unternehmen Kontakt aufnehme, um allfällige Massnahmen zu besprechen. Martin Pfister erwähnt zudem, dass «wir uns jedoch mit einzelnen Bauunternehmen abgesprochen haben». Ferner seien die Mitarbeiter der Baudirektion angehalten «an den Schnittstellen zu den Ingenieurbüros und Bauunternehmungen dafür zu schauen, dass bei Projekt- und Bausitzungen» den Bundesvorgaben nachgelebt wird. Stelle die Zuger Polizei Verstösse gegen die Verordnung des Bundesrats fest, kommt es zu einer Abmahnung oder einer Verzeigung.

Bundesvorgaben erfüllen und ruhig weiter arbeiten

Was dem Zuger Gesundheitsdirektor besonders am Herzen liegt: «Der Kanton hält sich eng an die Verordnungen des Bundesrats. Für das Vertrauen der Bevölkerung ist es wichtig, dass die Kantone keine zusätzlichen eigenen Regeln und Massnahmen anordnen.» Dies auch, «weil wir davon absehen, das Gewerbe über die bundesrechtlichen Regeln hinaus weiter einzuschränken». Diesen Level will der Kanton halten, da «wir in den normalen Verwaltungsstrukturen des Kantons ruhig, professionell und engagiert arbeiten». Eines betont Martin Pfister: «Das Erklären einer Notlage ist für den Kanton Zug im Moment nicht angezeigt.»

* Der Name ist der Redaktion bekannt.