WEITERBILDUNG: Zuger Verein steigt zum Marktführer auf

Die Bildungsgänge für Sachbear­beiter haben den Zuger Verein Edupool.ch schweizweit bekannt gemacht. Die Erfolge sind kein Zufall.

Hans-Peter Hoeren
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Peter Binkert unterrichtet eine Klasse der Handelsschule des Bildungsanbieters Edupool.ch im Fach Betriebskunde im Luzerner Schulhaus Landenberg.

Peter Binkert unterrichtet eine Klasse der Handelsschule des Bildungsanbieters Edupool.ch im Fach Betriebskunde im Luzerner Schulhaus Landenberg.

Wer sich nach der kaufmännischen Lehre weiterbilden will, der sammelt meist erst ein paar Jahre Berufserfahrung. Dann führt der Weg in die höhere Berufsbildung. Das Ziel ist oft ein staatlich anerkannter Abschluss höherer Fachschulen, ein eidgenössischer Fachausweis oder ein Diplom. Eine Alternative dazu hat der in Zug ansässige Bildungsanbieter Edupool.ch entwickelt. Die Zielgruppe: Menschen, die ins Berufsleben zurückkehren möchten oder ihre beruflichen Kompetenzen stärken wollen.

Mehr Kompetenz für den Beruf

Daraus hat sich eine Erfolgsgeschichte entwickelt: Absolvierten 2006 noch 65 Kandidaten und Kandidatinnen die Edupool.ch-Prüfungen, waren es im laufenden Jahr 4700. Neben verschiedenen Sachbearbeiter/innen-Abschlüssen kann man über Edupool.ch auch ein Handelsdiplom oder ein höheres Wirtschaftsdiplom erwerben. Edupool.ch umfasst mittlerweile rund 50 kaufmännische Weiterbildungszentren in der Schweiz, darunter auch die KV Luzern Berufsakademie und das Kaufmännische Bildungszentrum (KBZ) in Zug.

«Wir haben gemerkt, dass die bestehenden Weiterbildungen bestimmte Zielgruppen zu wenig abdecken. Deshalb wollten wir eine neue Stufe im Schweizer Bildungssystem etablieren, welche die Lücke zwischen Grundbildung und höherer Berufsbildung schliesst», sagt Rosemarie Rossi (58), Geschäftsführerin von Edupool.ch. Ein Viertel der Teilnehmer will mit der Weiterbildung den Grundstein für den Wechsel in einen anderen Beruf legen, ein weiterer Viertel nutzt den Kurs zum Wiedereinstieg in den Beruf nach der Familienphase. Rund 45 Prozent der Teilnehmer wollen durch den Bildungsgang vor allem eine höhere berufliche Kompetenz in ihrem angestammten Beruf erwerben.

Mehr Verantwortung übernehmen

Das war auch die Motivation von Martina Truttmann. Die 29-Jährige aus Hagendorn arbeitet als Leiterin Backoffice bei einem Versicherungsbroker in Rotkreuz. Seit dem Abschluss der Lehre als Kauffrau mit Berufsmatura arbeitet sie in der Versicherungsbranche. In ihrem Beruf ist sie vor allem im Bereich Privatversicherungen tätig und hat unter anderem viel mit Fragen rund um Vermögens-, Sach- oder Personenversicherungen zu tun. «Gerade aber wenn es um Personenschäden geht, bin ich immer wieder mit vielfältigen Fragen rund um die Sozialversicherungen konfrontiert», sagt Truttmann. Deshalb hat sie am Kaufmännischen Bildungszentrum in Zug, einen neunmonatigen Bildungsgang zur Sachbearbeiterin Sozialversicherungen absolviert und das Diplom Sachbearbeiterin Sozialversi- cherungen Edupool.ch/KV Schweiz erworben. «Ich wollte berufsbegleitend einen gesamtheitlichen Überblick über das Sozialversicherungsrecht bekommen», sagt Truttmann. ­Einen Abend pro Woche hat sie an der Weiterbildung teilgenommen, die sie mit einer dreistündigen Prüfung abgeschlossen hat. «Die Weiterbildung ermöglicht mir ein kompetenteres Arbeiten. Dadurch kann ich mehr Verantwortung übernehmen und meine Aufgabe besser ausfüllen», resümiert Truttmann.

Jobwechsel dank Weiterbildung

Ähnlich tönt es bei Adrian Barmettler aus Kerns. Der 26-Jährige hat vor einigen Jahren eine KV-Lehre in der öffentlichen Verwaltung gemacht. An der KV Luzern Berufsakademie hat er die Bildungsgänge Sachbearbeiter Rechnungswesen und Treuhand Edupool.ch/veb.ch/KV Schweiz absolviert. «Ich wollte mehr Hintergrundwissen erhalten, auch um die Kostenrechnung und die Unternehmensabschlüsse von privaten Unternehmen besser zu verstehen. Das hilft mir, meinen Beruf besser auszufüllen», sagt Adrian Barmettler. Der Kernser hat die Weiterbildung auch genutzt, um sich beruflich weiterzuorientieren. Nach dem Abschluss des Sachbearbeiters Rechnungswesen hat er den Arbeitgeber gewechselt. Heute ist Adrian Barmettler im Rechnungswesen eines Handelsunternehmens in Kriens tätig.

Angefangen hat die Geschichte von Edupool.ch im Jahr 2001. Bei der Gründung umfasste der Verein eine hauptamtliche Mitarbeiterin, die heutige Geschäftsführerin Rosemarie Rossi. Die ehemalige Zuger SP-Parteipräsidentin und Kantonsrätin hat das Unternehmen aufgebaut. Heute arbeiten auf der Geschäftsstelle zwölf Personen, bei den Sachbearbeiterausbildungen ist der Verein mittlerweile Marktführer in der Schweiz. Für die zentralen Prüfungen in Zug müssen längst grosse Hallen angemietet werden.