Leserbrief

Weitere Lesermeinungen zum Zuger Denkmalschutzgesetz

Zur kantonalen Abstimmung über das Gesetz über Denkmalpflege, Archäologie und Kulturgüterschutz vom 24. November

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Der Oberägerer Gemeinderat unterstützt das Pro-Komitee «Denkmalschutz JA». Wir haben in der Gemeinde Oberägeri und im ganzen Kanton Zug viele Objekte, die auf eine Erneuerung warten. Ich hoffe, dass in Zukunft eigentümerfreundlichere und kompromissbereitere Lösungen folgen. Denn nur so können die Gebäude langfristig erhalten und zeitgemäss genutzt werden. Persönlich schätze ich die vielen schönen alten Gebäude. Als Projektleiter und Zimmermeister durfte ich bereits viele schützenswerte und denkmalgeschützte Häuser umbauen und sanieren.

Meines Erachtens sind die heutigen Vorgaben der Denkmalpflege oft viel zu einseitig. Man verfällt in kleine «Detail-Herausforderungen» an einem Haus und sieht dadurch oft keine Lösung für das grosse Ganze. Eine ausgewogene Lösung ist momentan nicht im Interesse der Denkmalpflege, da diese weiss, dass sie am längeren «Hebel» ist und die Eigentümer den Rechtsweg scheuen. Sie sollten die verschiedenen Details an einem Haus abwägen können und vermehrt Kompromisse suchen, damit es gute Gesamtlösungen für alle Parteien gibt.

Um ein Bauernhaus umzubauen, benötigt es sehr viel gemeinsame Gespräche, Verständnis für die andere Seite und schlussendlich eine gute Lösungsfindung zu Gunsten des Eigentümers, denn wenn so viel Geld in die Hand genommen wird, dann muss ein Umbau für die nächsten 100 Jahre halten. Dies wiederum bedeutet, dass neben denkmalpflegerischen Aspekten Themen zur zeitgemässen Nutzung wie: energiesparende Massnahmen, Brandschutz, Schallschutz, Wohnqualität, und der Einbau von mehreren Wohnungen, zur finanziellen Tragbarkeit, berücksichtigt werden müssen.

Unsere Vorfahren haben ihre Häuser ebenfalls immer wieder den neusten Errungenschaften angepasst. Dies sollte auch in der heutigen Zeit noch möglich sein.

Aus meiner Erfahrung erhalten die Eigentümer fast nie mehr als 10 Prozent der gesamten Baukosten von der Denkmalpflege zurückerstattet. Die Umtriebe und Kompromisse sind damit schlecht entschädigt. Daher ist die Anpassung von 30 Prozent auf 50 Prozent für die erhaltenden Massnahmen zwingend nötig.

Denkmalpfleger und Gebäudeeigentümer müssen in Zukunft auf der gleichen Augenhöhe die besten Lösungen zu Gunsten einer zeitgemässen Nutzung finden.

Aus diesen Gründen stimmen Sie Ja zum neuen Denkmalschutzgesetz – für belebte Dörfer und für die zeitgemässe Nutzung von schützenswerten Bauten.

Beat Wyss-Iten, Zimmermeister, Oberägeri


Oft werden Ortsbildschutz und Denkmalschutz miteinander verwechselt bzw. wird versucht, mit dem Argument des Ortsbildschutzes Gebäude als schutzwürdig zu deklarieren.

Der identitätsbildende Ortsbildschutz liegt in der Hoheit der Gemeinden und ist nicht im kantonalen Denkmalschutzgesetz geregelt. Die Gemeinden haben bewiesen, dass sie mit der Pflege des Ortsbildes sehr verantwortungsvoll umgehen. Den Gemeinden ist sehr wohl bewusst, dass für ein gefälliges und identitätsstiftendes Ortsbild Gebäudeformen, Gebäudeabmessungen, Freiräume und die Fassadengestaltung von zentraler Bedeutung sind. Dass über die Denkmalpflege zusätzlich Ortsbildschutz betrieben wird, ist nicht zielführend bzw. für die vernünftige Entwicklung eines Ortsbildes unnötig einschränkend. Daher ein Ja zum neuen Denkmalschutzgesetz.

Andreas Hotz, alt Gemeindepräsident und ehemaliger Präsident HEV Zugerland, Baar


Im Kanton Zug gibt es viele wertvolle Denkmäler. Dies soll auch so bleiben. Die Vorlage will den Denkmalschutz nicht abschaffen. Die Gesetzesanpassung beabsichtigt einen wirkungsvollen Schutz von Objekten, die wirklich schützenswert sind. Geschützte Gebäude sollen langfristig genutzt werden können, denn nur so bleiben sie auch erhalten. Das neue Gesetz ermöglicht, an geschützten Gebäuden Anpassungen an die heutige Wohn- und Lebensform sowie die aktuellen Baunormen vorzunehmen. Ein Vertrag zwischen Amt und Eigentümerschaft ermöglicht es, betroffenen Eigentümerinnen und Eigentümern ihre Anliegen, Bedürfnisse und Interessen von Anfang an einzubringen und zusammen mit den Behörden und Baufachleuten im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen eine optimale Lösung zu realisieren.

Durch die Auflösung der Denkmalkommission werden Prozesse wesentlich vereinfacht. Die Mitarbeitenden des Amts für Denkmalpflege verhandeln neu direkt und abschliessend mit der Eigentümerschaft. Finden Amt und Eigentümer keine Lösung, so entscheidet der Gesamtregierungsrat über die Unterschutzstellung. Dieser beurteilt nicht nur den denkmalpflegerischen Aspekt, sondern auch weitere Punkte des öffentlichen Interesses wie Verdichtung, Tragbarkeit, Belebung eines Dorfkerns oder preisgünstiger Wohnraum. Die erhöhten Anforderungen hinsichtlich Unterschutzstellung von Gebäuden wirken sich zudem positiv auf die Nachbarschaft aus. Mit der Vorlage werden weniger zusätzliche Gebäude unter Schutz gestellt, wodurch weniger Nachbarn mit denkmalschutzrechtlichen Anforderungen belastet werden.

Die Beitragspflicht des Staates an die werterhaltenden Massnahmen von geschützten Objekten wird von 30 auf 50 Prozent erhöht. Der Kanton übernimmt neu 75 der Kosten, die Gemeinden 25 Prozent. So beteiligt sich der Kanton stärker an den Massnahmen, die er aushandelt. Die Gemeinden werden entlastet.

Helfen Sie mit, unseren Nachkommen mit diesem neuen Gesetz für die Zukunft einen nachhaltigen Denkmalschutz garantieren zu können. Stimmen Sie Ja zum neuen Denkmalschutzgesetz.

Peter Rust, Kantonsrat CVP, Walchwil