Leserbrief

Weitere Lesermeinungen zum Zuger Denkmalschutzgesetz

Zur kantonalen Abstimmung vom 24. November

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Nach Paragraf 2 des geltenden Denkmalschutzgesetzes wird von den schützenswerten Denkmälern erwartet, dass sie einen sehr hohen wissenschaftlichen, kulturellen oder heimatkundlichen Wert aufweisen. Mit der Teilrevision vom 31. Januar dieses Jahres wurde das «sehr hoch» mit «äusserst hoch» ersetzt. Es darf wohl angenommen werden, dass diese markante Steigerung des Anspruchs an zu bewahrendes Kulturgut das Resultat zäher Debatten war, mit dem Ziel, die Rechtsprechung wesentlich zu erleichtern. Inskünftig wird es einfacher sein, die Spreu vom Weizen zu trennen, allerdings wird wohl kaum mehr Weizen übrig bleiben. Da, wo andere Kantone mit «erheblichem Wert» oder «besonderer Bedeutung» argumentieren, geht Zug aufs Ganze! Ein äusserst klares Nein sollte die Antwort sein.

Max Renggli, Zug


Selbstverständlich muss man akzeptieren, dass Begriffe wie kulturelles Erbe und Demokratieverständnis von Menschen unterschiedlich interpretiert werden. Und selbstverständlich darf man jedes Gesetz nach einer gewissen Zeit überarbeiten und den Bedürfnissen anpassen. Wenn aber die Gesetzesüberarbeitung auf solch krassen Fehlinformationen basiert, wie im Leserbrief von einer Politikerin beschrieben, darf dies nicht einfach hingenommen und muss umgehend richtiggestellt werden. Karen Umbach schreibt, «... das neue Denkmalschutzgesetz ist nicht durch einen Schnellschuss entstanden, ... es wurde sehr gründlich erarbeitet. Und ... die oft willkürlich entscheidende Denkmalkommission ...» verhindere günstigen Wohnraum. Der Beinahe-Nationalrätin ist offenbar in ihrer «gründlichen Überarbeitung» entgangen, dass die Denkmal- kommission (DK), welche aus Vertretern des Hauseigentümerverbandes, des Bauernverbandes, dem Heimatschutz, dem Archäologischen Verein und Vertretern der Tal- und Berggemeinden zusammengesetzt ist und vom Regierungsrat gewählt wird, gar keine Entscheidungskompetenz hat! Die DK berät mit dem Amt für Denkmalpflege die von ihm erarbeiteten Unterlagen und stellt demokratisch Antrag an die Direktion des Innern, zuhanden des Regierungsrates.

Wäre das aktuelle Denkmalschutzgesetz «parteiübergreifend gründlich» studiert worden, bevor es zur Abstimmung vorgelegt wurde, müsste man nicht solche Falschinformationen lesen. Aussagen wie diese lassen befürchten, dass das alte Denkmalschutzgesetz von vielen Politikerinnen und Politikern «parteiübergreifend» gar nicht studiert oder verstanden wurde.

Deshalb: Nein zum missratenen Denkmalschutzgesetz!

Felix Koch, Cham


Das aktuelle Denkmalschutzgesetz gibt vielen Handwerken Gelegenheit, altes Handwerk zu pflegen. Sei es eine Keilverzinkung in Massivholz, das Verlegen von handgemachten Ziegeln oder Verputzarbeiten in Kalk und Anstricharbeiten in mineralischen Farben. Das fördert und stärkt die Berufsstände und lässt altes Fachwissen mit persönlichen Erfahrungen praxisnah aneignen.

Mit der Annahme des revidierten Denkmalpflegegesetzes werden die Handwerker nur noch wenige Möglichkeiten zur Ausübung des traditionellen Handwerks erhalten. Die wenigen Sanierungsaufträge werden mehrheitlich an hoch spezialisierte ausserkantonale Betriebe vergeben. Deshalb soll im Interesse des einheimischen Gewerbes ein überzeugtes Nein in die Urne gelegt werden!

Patrick Röösli, dipl. Architekt FH SIA, Zug


Das Zuger Denkmalschutzgesetz musste überarbeitet werden, da der Unmut bei der Zuger Bevölkerung und betroffenen Eigentümern gross war. Mit dem neuen Gesetz wird das geschützt, was auch wirklich schützenswert ist. Auch werden die Eigentümer miteinbezogen und deshalb ist das neue Gesetz eigentümerfreundlicher, da ein Direktbetroffener ein Mitspracherecht hat. Mit dem neuen Gesetz können nun Anpassungen bei einem geschützten Objekt an die heutige Wohn- und Lebensqualität erfüllt werden. Wie z. B. für behindertengerechtes Wohnen oder in der Zeit, wo alle Energie sparen wollen, dass man die neuesten Energiestandards auch bei einem geschützten Objekt ausführen kann. Aus all diesen Gründen stimmen Sie wie ich Ja für das neue Denkmalschutzgesetz, damit das geschützt wird, was auch wirklich schützenswert ist.

Karl Nussbaumer, Kantonsrat SVP, Menzingen


In einem Inserat wird suggeriert, dass sich unsere Dorfbilder nach Annahme des neuen Denkmalschutzgesetzes analog der Baarer Marktgasse entwickeln werden. Folgende Fakten werden dabei verschwiegen.

Erstens: Die Überbauung Marktgasse Baar wurde unter dem alten und aktuell noch gültigen Denkmalschutzgesetz realisiert.

Zweitens: Die alten Gebäude waren teils derart schlecht unterhalten, dass sie nach einer Sanierung finanziell nicht mehr tragbar gewesen wären. Von einer sinnvollen Nutzung der Erdgeschosse, an der stark befahrenen Marktgasse, ganz zu schweigen.

Drittens: Durch das Denkmalschutzgesetz werden Objekte geschützt und nicht ganze Dorfbilder. Dazu dient der Ortsbildschutz, welcher in der Hoheit der Gemeinden liegt und von der bevorstehenden Abstimmung nicht betroffen ist. Mit einem Dialog zwischen Denkmalpflege und Eigentümerschaft auf Augenhöhe, stehen die Chancen wesentlich besser, Objekte weiterhin sinnvoll nutzen und erhalten zu können.

Darum Ja zum neuen Denkmalschutzgesetz.

Daniel Abt, Baar


Nach mehreren parlamentarischen Vorstössen, Workshops mit sämtlichen betroffenen Interessengruppen über einen längeren Zeitraum und nach einem intensiven parlamentarischen Prozess hat der Kantonsrat eine gesamthaft ausgegorene neue zeitgemässe Lösung mit grosser Mehrheit verabschiedet, welche konsequenterweise auch die Unterstützung des Zuger Souveräns verdient. Ich habe im Kantonsrat und auch bereits an der Urne das neue Gesetz unterstützt und empfehle Ihnen, das Gleiche zu tun.

Kurt Balmer, Kantonsrat CVP, Risch