Leserbrief

Weitere Lesermeinungen zur Konzernverantwortungsinitiative

Zur eidgenössischen Abstimmung vom 29. November

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Auch die Covid-19-Situation zeigt auf, wie wichtig eine solidarische Gesellschaft und eine nachhaltige Welt sind.

Die UNO schreibt dazu im März 2020: «Wären wir bei der Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung und des Pariser Klimaabkommens weiter vorangeschritten, könnten wir dieser Herausforderung besser begegnen – mit leistungsfähigeren Gesundheitssystemen, weniger Menschen in extremer Armut, einer gesünderen natürlichen Umwelt und widerstandsfähigeren Gesellschaften. Wir müssen die Chance dieser Krise nutzen, um unser Engagement für die Umsetzung der Agenda 2030 und der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung zu verstärken.»

Die Annahme der Kovi wäre kein Alleingang der Schweiz. Diverse Länder gehen in ihren Vorschriften zur Konzernverantwortung heute schon deutlich weiter. FR und die NL haben Gesetze mit ähnlichen Zielen, in DE, DNK und auf EU-Ebene sind entsprechende Gesetze in Ausarbeitung. In GB und CAN können Konzerne schon heute vor Gericht zur Rechenschaft gezogen werden.

Damit die Konzernverantwortungsinitiative eine Chance hat, braucht es am 29. November jedes Ja.

Hildegard Kleeb, Zug


In der Finanzwelt ist dieser Begriff allgegenwärtig: nachhaltige Anlagen. Gemeint sind Anlagen in Aktien und Obligationen von Unternehmen, welche korrekt, weitsichtig und sorgfältig produzieren und Geschäfte betreiben. Das heisst auch, dass sie Standards zu Menschenrechten und Umwelt einhalten. Dadurch vermeiden diese Firmen teure Skandale und Boykotte und verdienen auf korrekte Weise ihr Geld – ja, sie erreichen sogar bessere Ergebnisse. Ich kann das aus eigener, beruflicher Erfahrung bestätigen. Hier liegt eben genau der springende Punkt: Verantwortungsvolle Unternehmen und Konzerne sind erfolgreicher unterwegs und sie stärken den Schweizer Werk- und Finanzplatz, stärken die Marke «Swiss Made» – und insbesondere dann, wenn internationale UNO- und OECD-Richtlinien verbindlich ernstgenommen werden. Darum braucht die Schweiz klare, griffige aber auch austarierte Spielregeln, so, wie sie die Initiative für verantwortungsvolle Unternehmen verlangt – griffig, vollumfänglich und nicht nur lauwarme, halbherzige Bestimmungen, so, wie sie der Gegenvorschlag vorsieht.

Gut geführte Firmen mit einer transparenten und fairen Geschäftspolitik haben an den Kapitalmärkten einen klaren Wettbewerbsvorteil – und das wissen Pensionskassen und investieren Ihre und meine Vorsorgegelder bevorzugt in genau solche Firmen. Konzerne mit einer fragwürdigen Schlupflochkultur, geführt von Managern mit konzentriertem Blick nur aufs rasche Geld, werden keine Zukunft mehr haben. Wir müssen Verantwortung übernehmen und auch einfordern. Damit tragen wir bei zu werthaltigen Unternehmen und zu einem guten Image – zur starken Marke «Swiss Made». Stehen wir ein für Verlässlichkeit, Qualität, Sorgfalt, Verantwortung.

Als Berufsmann und Politiker unterstütze ich die Initiative für verantwortungsvolle Unternehmen und stimme überzeugt Ja.

Heinz Achermann, Kantonsrat CVP, Hünenberg


«Ein offener, ehrlicher und selbstkritischer Dialog bringt den Menschenrechten mehr als Paragrafen.» Diese Aussage kommt vom Präsidenten der Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zug. Wo? Auf dem Flyer der Gegner der Konzernverantwortungsinitiative. Welcher in jeden Haushalt der Zuger Einwohnergemeinden geflattert ist. Auf diesem wird auf der Frontseite noch gegen das Gebaren der Kirchen, welche sich für die Konzernverantwortungsinitiative starkmachen, gewettert, und auf der Rückseite sagt der Präsident der Katholischen Kirchgemeinden, dass sich die Befürworterinnen und Befürworter der Initiative unethisch verhalten. Als Mitglied der Kirchgemeinde Cham Hünenberg sage ich aus voller christlichen Überzeugung am 29. November Ja zum Schutz der Menschenrechte, Ja zum Schutz der Umwelt und deshalb ein Ja zur Konzerninitiative und Nein zum heuchlerischen Gegenvorschlag, welcher aus meiner Sicht diesen Tanz um das goldene Kalb widerspiegelt.

Christine Blättler-Müller, Cham