Leserbrief
«Welch schäbiges Gejammer»

Zur Rubrik Bundesplatz und einem Inserat der SVP, Ausgabe vom 18.April

Barbara Müller Hoteit, Zug
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Beim Lesen der ersten Seiten der ««Schweiz am Wochenende»» kochte bei mir der Ärger über und ich holte den Laptop hervor, um meinem angestauten Unmut Luft zu machen. Herr B. erteilt dem Bundesrat die Note 2 und die «V»-Partei will die Massenarmut verhindern. Was für eine abgrundtiefe Verlogenheit, Überheblichkeit und Arroganz! Welch schäbiges Gejammer!

Gehen sie nach Jemen, nach Syrien oder in die Gettos von Amerika, dann wissen sie, dann spüren und erleben sie hautnah und real, was Massenarmut ist! Seit sechs Wochen müssen wir uns das Wirtschaftsgejammer auf höchstem Niveau anhören. Jeder Präsident bettelt mit offener Hand, stellt Forderungen und zeigt mit dem Finger auf den Bund. Frau M. war schon in den ersten Tagen ein Angsthase, rannte aus dem Parlament, wusste alles besser und verkroch sich bei ihresgleichen. Hinter ihren Burgmauern stellt sie zusammen mit ihrem Vater Forderungen und instrumentalisiert eine Partei und ihre Mitglieder.

Wo ist die berühmte und viel gepriesene Eigenverantwortung und Initiativkraft der Wirtschaft? Warum stellt sich die Wirtschaft seit Tagen und Wochen in einem unrühmlichen Licht dar? Die 300 reichsten Familien der Schweiz besitzen 675 Milliarden Franken! Innerhalb eines einzigen Jahres stieg ihr Vermögen um 27 Milliarden Franken! Herr B. und Frau M. gehören zu dieser Gruppe Menschen, welche ein enormes Privatvermögen horten. Warum vergeben sie keine zinslosen Darlehen oder Unterstützen die am schwersten Betroffenen gar mit Schenkungen? Das wäre eine wohltuende Nachricht!

In tiefer Demut verneige ich mich vor allen Direktbetroffenen, welche auf Grund der Coronamassnahmen in eine wirtschaftliche Notlage gerutscht sind. Ich wünschte mir, die Wirtschaftsvertreter und Verbandspräsidenten würden etwas weniger Jammern und täglich neue Forderungen stellen. Stattdessen wäre beherztes Mittragen angezeigt – mit Geld aus den eigenen Reihen. Im Mittelalter wurden die Zünfte gegründet, damit sich die Berufsleute gegenseitig in Notlagen beistehen. Dieses altbewährte System hat die Jahrhunderte überdauert. Leider ging Sinn und Zweck dieser Bruderschaften offenbar voll und ganz vergessen. Kleinkindlich und trotzend werden herrische und hochmütige Forderungen gestellt. Schade, stellen sich die Schweizer Wirtschaft und leider auch die Schweizer Parteien in dieser Krise dermassen schwach und unsolidarisch dar.

Ich wünschte mir, die Schweizer Wirtschaft würde mehr Zuversicht verbreiten und eine wertvollere, positivere, mittragende Rolle spielen. All mein Respekt gehört jenen, welche aus der Not eine Tugend machen und im Kampf um die Existenz und für das Leben zupacken! Ihnen wünsche ich viel Kraft und guten Mut!

Barbara Müller Hoteit, Zug