Weltbekanntes Museum kommt nach Zug

In drei Wochen eröffnet das «Modi lab» auf dem Stadtzuger LG-Areal. Wegen fehlender Geldgeber musste das Projekt kräftig abspecken.

Laura Sibold
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Unternehmer Andreas Heinecke realisiert in der Gartenstadt 2A seine erste Schweizer Ausstellung.

Unternehmer Andreas Heinecke realisiert in der Gartenstadt 2A seine erste Schweizer Ausstellung.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 27. September 2018)

Bis jetzt stand das Haus Gartenstadt 2A auf dem ehemaligen Gelände der Landis&Gyr in der Stadt Zug leer. Während in der benachbarten Shedhalle mit dem «Freiruum» schnell Leben eingezogen ist, musste die ursprünglich für Sommer 2019 angedachte Eröffnung eines Museums im Haus Gartenstadt 2A immer wieder verschoben werden. Es fehlte die finanzielle Unterstützung von Stiftungen, weshalb das einst angedachte Gesamtvolumen von 2,8 Millionen auf einen sechsstelligen Betrag verkleinert wurde. Das Museum wird nun Ende Februar massiv verkleinert eröffnet. Geplant ist ein Pop-up-Museum mit einer befristeten Laufzeit von vier Monaten, auf einem statt wie ursprünglich vorgesehen auf drei Stockwerken.

Das sogenannte «Modi lab» – das Museum of Diversity and Inclusion – will für die Themen Ausgrenzung und Diskriminierung sensibilisieren und den Besuchern das Leben von blinden Menschen näherbringen. Das Konzept wurde vom deutschen Sozialunternehmer Andreas Heinecke entwickelt, der bekannt ist für seine weltweit stattfindenden Ausstellungen «Dialog im Dunkeln» und «Dialog im Stillen». Mit dem «Modi lab» in Zug bringt Heinecke seine Ausstellung in die Schweiz. Unterstützt wird er von vier Stiftungen, zudem steuern die Stadt und der Kanton Zug je einen Beitrag bei.

Was, wenn auf die Augen kein Verlass mehr ist?

Andreas Heinecke plant in Erdgeschoss des Hauses Gartenstadt 2A auf 450 Quadratmetern ein «Best of» seiner weltweiten Ausstellungen. Kernelement davon ist der «Dialog im Dunkeln» – ein Erlebnisraum in völliger Dunkelheit, in welchem blinde und sehbehinderte Moderatoren die Besucher durch ein interaktives Programm führen. «Ohne sich auf die Augen verlassen zu können, meistern die Besucher verschiedene Aufgaben. Dabei sind Koordination und Zusammenarbeit in der Gruppe wichtig», erklärt Heinecke. Zudem können Besucher im Museum via Onlinetool ihre Empathiefähigkeit testen und erfahren mehr zur Ursache von Vorurteilen. «Mit interaktiven Spielen und Alltagsbeispielen möchten wir ein Bewusstsein dafür schaffen, wie schnell eine Gruppe unabsichtlich jemanden ausgrenzt», so Heinecke. Darüber hinaus will das «Modi lab» auch zum Handeln anregen. Am Schluss der Ausstellung werden drei Zuger Organisationen porträtiert, in denen Besucher aktiv etwas bewirken können.

Viele gute Ideen auf massiv kleinerem Raum, als ursprünglich vorgesehen: Hat der deutsche Sozialunternehmer zu hoch gepokert? Andreas Heinecke verneint. Der Bedarf an einem solchen Projekt sei in der Schweiz vorhanden. Mit der Zuger Demoversion seiner Ausstellungen will Heinecke den gesellschaftlichen Nutzen des Projekts aufzeigen und so weitere Stiftungen ansprechen:

«Wir werden ‹Dialog im Dunkeln› als kleinen Prototyp starten – und es hoffentlich im Laufe der Zeit vergrössern können.»

Entsprechend besteht das Museum befristet bis Ende Mai, mit der Option für eine Verlängerung um weitere fünf Monate. Heineckes Ziele sind ambitioniert: 1500 Menschen will er mit dem Zuger Museum in vier Monaten erreichen, und das bei reduzierten Öffnungszeiten. Er strebt eine Zusammenarbeit mit Schulen und Unternehmen an. Gezielt werden Workshops angeboten und für Unternehmen das sogenannte Dialog Inclusion Studio eröffnet. Dieses bietet Firmen eine Weiterbildung zu Zusammenhalt, Vielfalt und Inklusion. «In Workshops lernen die Teilnehmer andere Leute aktiv einzubeziehen – auch wenn sie blind oder anderweitig eingeschränkt sind», erklärt der Sozialunternehmer. Bereits hätten erste Unternehmen, wie etwa die Zuger Wirtschaftskammer, Interesse bekundet.

Workshops und Touren ab dem 22. Februar

Am Wochenende vom 22. und 23. Februar wird das «Modi lab» offiziell eingeweiht. Stadtpräsident Karl Kobelt und Gründer Andreas Heinecke eröffnen das Museum am Samstag, 22. Februar, um 11 Uhr mit einer Ansprache. An beiden Besuchstagen finden 90-minütige Touren durch das Museum sowie vertiefte Workshops statt. Der Besuch des «Modi lab» sei grundsätzlich kostenlos, was nur dank grosszügiger Partner möglich sei, betont Andreas Heinecke. Für die Kostendeckung und die blinden Moderatoren schlage man allerdings einen freiwilligen Beitrag vor.

Und was entsteht auf den restlichen drei Stockwerken des Hauses Gartenstadt 2A? Das Zuger Immobilienunternehmen Advendis AG ist im Auftrag der Credit Suisse Funds AG für die Vermarktung der Zwischennutzungen auf dem LG-Areal zuständig. Im zweiten Stock des Hauses Gartenstadt 2A werde im Frühling 2020 die Futura-Montessori-Tagesschule Baar einziehen, gibt Karin Hugener, Immobilienvermarkterin bei der Advendis AG Auskunft. «Darüber hinaus stehen wir kurz vor Vertragsabschluss mit einem Grossmieter, der die restlichen beiden Stockwerke anmieten wird.» Die Zwischennutzungen dauern bis ins Jahr 2022, danach soll ein Trendquartier mit Wohnungen, Büros und Gewerbeflächen entstehen.

Weitere Informationen zum «Modi lab» und Anmeldung für Touren und Workshops unter: www.modifound.org.