Einer, der das Abenteuer sucht: Dario Schwendener trainiert für eine extreme Segel-Reise

Elf Monate wird Dario Schwendener aus Edlibach rund um den Globus segeln. Dies im Rahmen eines Rennens, das seinesgleichen sucht. Aufmerksam geworden darauf ist er durch ein Online-Game.

Carmen Rogenmoser
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Dario Schwendener beim Training für das Rennen. (Bild: PD)

Dario Schwendener beim Training für das Rennen. (Bild: PD)

Es ist ein extremes Abenteuer, das Dario Schwendener in Angriff nimmt: in Kürze wird er zu einem elfmonatigen Trip rund um die Welt aufbrechen – über 70000 Kilometer per Seeweg. Der 26-Jährige wird zusammen mit einem Team auf einer rund 20 Meter langen Rennyacht den ganzen Globus umsegeln und dabei London, Uruguay, Kapstadt, Australien, China, Seattle, Panama und die Ostküste Amerikas anpeilen, um schliesslich wieder in London zu landen. Er tut das im Rahmen des «Clipper Round the World Yacht Race».

Das Rennen gehört zu den anspruchsvollsten seiner Art und ist das einzige, bei dem auch Amateure teilnehmen können. Gegründet wurde es 1996 von Sir Robin Knox-Johnston. Er wollte damit etwas Vergleichbares wie den Aufstieg auf den Mount Everest, einfach für die Seefahrt machen. Am 1. September nun startet die 12. Ausgabe und mit dabei ist eben auch Dario Schwenender aus Edlibach.

Über das Rennen sei er «gestolpert», sagt der Edlibacher. Er habe oft online Segel-Games gespielt. Dabei tritt man bei real herrschenden Wetterbedingungen gegen Segler, die tatsächlich unterwegs sind, an. Da sei das «Clipper Round the World Yacht Race» aufgetaucht. Der Student hat sich über das Rennen schlau gemacht und gesehen, dass auch Amateur-Segler teilnehmen können. Das war vor rund zwei Jahren. Seither hat der 26-Jährige vier Wochen Off-Shore-Training sowie weitere Trainingseinheiten absolviert. Bald starten die letzten Trainingseinheiten.

20 Meter hohe Wellen, Stürme und Eis

Nun geht es nicht mehr nur um die Segel-Fertigkeiten, sondern um den Wettstreit. Denn tatsächlich spielt es nicht nur eine Rolle, die Welt erfolgreich zu umsegeln, sondern im besten Fall als erstes Team ins Ziel zu kommen. Elf Schiffe nehmen teil. «Es wird am Limit gesegelt», sagt Schwendener, der von sich selber sagt, dass er kompetitiv ist. Sicherheit für seine Teamkameraden, das Material, die Rennyacht und ein einzigartiger Teamspirit gehen aber immer vor. «Die Schiffe sind nicht extrem schnell im Vergleich zu anderen Rennyachten – die Höchstgeschwindigkeit beträgt rund 60 Stundenkilometer – sie müssen vor allem belastungsfähig sein.»

Die Karte zeigt die diesjährige Route des «Clipper Round The World Yacht Race». (Bild: PD)

Die Karte zeigt die diesjährige Route des «Clipper Round The World Yacht Race». (Bild: PD)

Kein Wunder, drohen doch rund 20 Meter hohe Wellen, eisiges Wasser und auch Stürme sind keine Seltenheit. «Beim Training haben wir viel über Notfälle gelernt, etwa Feuerbekämpfung, Mann über Bord oder Leckeindämmung.» Auch sei es Vorschrift, dass mindestens ein Medical-Aid im Team ist, so Schwendener. Vor den extremen Bedingungen habe er Respekt. «Seekrank bin ich bis jetzt noch nie geworden, das wird aber eventuell noch kommen», meint er. Gefahr gehe zudem von den vielen Fischerbooten im Chinesischen Meer oder Containern, die unter der Wasseroberfläche schweben und nicht geortet werden können, aus.

Enge Verhältnisse unter Deck

Ebenso wird auch das Leben an Bord kein Zuckerschlecken. Zum Teil werden die Segler wochenlang kein Land sehen. Die Etappe 6 von Zhuhai in China bis an die Westküste der USA dauert rund 37 Tage. Die Verhältnisse unter Deck sind eng, Duschen gibt es keine und das Schiff befindet sich oft in enormer Schräglage. «Nur schon ins Bett zu klettern wird anstrengend», weiss der Edlibacher. Bloss 18 Kilo Gepäck sind pro Teilnehmer zugelassen. Hinzu kommt das Klima: Ist es heiss, wird es unter Deck beinahe unerträglich. Wird es kalt und nass, etwa im Nordpazifik, den die Segler im Winter durchqueren, bleibt es auch unter Deck feucht und die Kleider trocknen kaum. Segeln ist zudem physisch anstrengend. Mindestens sechs Personen braucht es, um das Schiff zu kontrollieren. Also wird in Schichten gearbeitet. Zudem muss gekocht und geputzt werden. Schwendener sagt: 

«Es wird eine extreme körperliche und mentale Herausforderung.»

Dafür trainiert Dario Schwendener regelmässig. «Man muss kein Spitzensportler sein, aber fit sollte man schon sein.» Doch Kraft ist nicht der entscheidende Faktor. «Wir müssen auch strategisch geschickt segeln und als Team gut harmonieren.» Nur so könne man sich einen guten Platz erarbeiten. Jeweils rund 18 Personen, zwei davon professionelle Segler, gehören zum Team von Dario Schwendener. Dieses wurde ausgelost. Nicht alle machen die ganze Tour mit, sondern bleiben nur für Etappen.

So hat es sich ergeben, dass ein Kollege Dario Schwendener über den Pazifik begleitet und sie somit eine kleine Schweizer Delegation in seinem Team bilden. Darauf freue er sich jetzt schon. Auch werden ihn an den verschiedenen Stopps Freunde und Familie besuchen. Als besondere Highlights nennt er die Einfahrten in Kapstadt, Australien und Seattle. «Genauso wie die Natur, wenn das Schiff etwa von Delfinen begleitet wird. Und es wäre schön, einen Wal zu sehen.»

Auch finanziell ein Kraftakt

Segeln ist für den 26-Jährigen nichts Neues. Seit der Kindheit hat er seine Eltern und Freunde auf unzählige Segel-Turns begleitet. «Ich habe mir als Ziel gesetzt, einmal die Welt zu umsegeln», erzählt er. Das passiert nun früher als erwartet, aber zu einem guten Zeitpunkt: Eben hat er den Bachelor in Erdwissenschaften an der ETH abgeschlossen. Nach dem Jahr auf See könne er gleich den Master anhängen.

Finanziell sei das Projekt ein Kraftakt. Rund 50000 Britische Pfund kostet die Teilnahme, inklusive Schiff, Essen, Trainings und Material. Das meiste habe er selber bezahlt und dafür täglich, parallel zum ETH-Studium, als Nachhilfelehrer gejobbt, so Schwendener. Zudem konnte er sein Umfeld und Sponsoren für das Projekt gewinnen. Bereits diese Woche reist Dario Schwendener wieder nach England. «Wir trainieren und machen das Schiff im August weltumseglungstauglich.» Persönlich werde er weiter an seiner körperlichen Fitness arbeiten – und lesen. «Ich muss die Seefahrtskonventionen wieder auffrischen, ebenso jene zum Funk.» Auch steht Lektüre über Teamspirit und Meteorologie auf dem Programm. «Ich möchte mich am 1. September richtig bereit fühlen.»

Die Reise kann man online unter www.darrito.com verfolgen. Zusätzliche Infos gibt es unter: www.clipperroundtheworld.com