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Zuger Sagen: «Wenige Wochen später war die Tochter eine Leiche»

Vorsicht vor Eiertätsch und geheimnisvollen Jungfern, die ein Auge auf einen Mann geworfen haben. Das kommt selten gut, wie ein Strumpfweber am eigenen Leib erfahren musste.
Harry Ziegler

Ein gar böses Hexlein soll in Risch vor gut zweihundert Jahren ihr Unwesen getrieben haben. Mindestens wusste das damals der Rischer Strumpfweber Josef Franz Meier zu erzählen. Er selber war der Macht dieser Hexe verfallen.

«Als ich noch jung und ledig war, befand sich hier ein Mädchen, das mich ausserordentlich lieb hatte», erzählte der Strumpfweber gerne an heimeligen Winterabenden am warmen Stubenofen. «Wo immer es mich antraf, sprach es mit mir und lud mich mit den herzlichsten Worten ein, zu ihm doch des Abends ‹z Stubeten› zu kommen. Ich mochte das Mädchen nie recht leiden.» Es sei ein rechter «Holdrio» gewesen und habe keinen guten Ruf gehabt. Nur: Das Mädchen soll etwas «eigenartig Geheimnisvolles» an sich gehabt haben.

Verhängnisvoller goldgelber Eiertätsch

Eines Abends gingen Strumpfweber Meier – er lustlos, wie er erzählte – in das Haus des Mädchen. «Dorfen» nannte man das damals. Das Mädchen hätte nur Augen für ihn gehabt und seine Kameraden links liegen lassen. Diese hätten sich denn auch alsbald ins Nachbarhaus zu zugänglicheren weiblichen Wesen zurückgezogen.

Nach einer «recht gemütlichen Plauderstunde setzte die Jungfer mir einen frischen goldgelben Eiertäsch vor.» Den hätte Josef Franz Meier gerne mit dem Mädchen geteilt. Dieses allerdings schützte Unwohlsein vor und verzichtete. Während Meier ass, habe ihn ein eigenartiges Gefühl beschlichen. Nachdem er aufgegessen hatte, schlich er sich aus dem Haus des Mädchens.

Nach zwei Wochen allerdings ging etwas Seltsames mit Meier – vielmehr in ihm – vor. «Trotz meines inneren Widerstrebens musste ich zu dem geheimnisvollen Mädchen gehen. Als ich zum Heimwesen der Tochter kam, stand sie unter der Türe, froh bereit zu meinem Empfang», erzählte der Rischer Strumpfweber die Geschichte. «Das Gebaren der Jungfer, ihre Redeweise, ja sogar die Wohnstube erfüllte mein Inneres mit einem grausigen Ekel, und doch, ich konnte nicht heim, ich musste bis zur Mitternacht bleiben.»

Zuhause dann habe er sich geschworen, das Haus nie mehr zu betreten und dem Mädchen auf ewig aus dem Weg zu gehen. Nur blieb der Drang, alle drei Wochen das Mädchen aufzusuchen.

Drastischer Versuch, den Zwang loszuwerden

Um dem Zwang, das Mädchen immer wieder aufsuchen zu müssen zu entrinnen, trat Meier in französische Dienste ein. Das Soldatenleben gefiel ihm sehr gut und alle Vorgesetzten seien mit seinen Leistungen zufrieden gewesen. Allerdings, den Zwang wurde er auch als Söldner nicht los. Genau ein Jahr, nachdem er in die französischen Dienste eingetreten war, «zog es mich mit aller Gewalt zu dem Rischer Mädchen heim nach dem Zugerlande.»

Er verliess heimlich die Truppe und marschierte Tag und Nacht in Richtung Heimat. Vorbei an seinem Vaterhaus, von dem ihn eine geheimnisvolle Kraft fernhielt – schnurstracks zum Haus des Mädchens. Sie begrüsste ihn mit dem Vorwurf, weshalb er sie ohne Abschied verlassen habe. Bleiben musste er in der Stube des Mädchens bis Mitternacht. Als er seinen Eltern von dem Zwang erzählte, waren diese überzeugt, dass Hexenwerk bei ihrem Sohn wirke.

Der Luzerner Wunderdoktor Kandi Mattmann

Damals soll es im Luzernerland einen Wunderdoktor namens Kandi Mattmann gegeben haben. Diesem Mattmann erzählte der leidgeplagte Strumpfweber von seinem Problem. «Als er von mir erfuhr, dass ich von dem Mädchen bei meinem ersten Besuch Speise und Trank angenommen hatte, glaubte er die Ursache meines Leidens gefunden zu haben.»

Zusammen mit einem Pulver erhielt der Rischer von Mattmann die Weisung, wenn er einmal alleine zu Hause sei, solle er die Haustüre abschliessen, die Fenster verriegeln und im Herd ein Feuer anzünden und das Pulver einnehmen. «Ich werde daraufhin ein Schlänglein erbrechen müssen, das soll ich ungeachtet seines Windens und Züngelns ins Herdfeuer schieben und so elendiglich verbrennen», schildert Meier weiter.

Am darauffolgenden Sonntag schickte der Strumpfweber seine Eltern zum Gottesdienst. Er verriegelte das Haus, genauso wie der Luzerner es ihm gesagt hatte. Kaum aber hatte er das Pulver eingenommen, klopfte es an die Türe und seine Mutter bat um Einlass, sie habe den Rosenkranz vergessen. Da hatte das Pulver aber bereits seine Wirkung getan. «Ich musste mich erbrechen und es kam tatsächlich ein kleines Schlänglein zum Vorschein.» Rasch habe er das Schlänglein gepackt und wollte es ins Feuer werfen, da begann es an den Läden zu rütteln, in den Schlafkammern über Meier rumorte es furchtbar und er hörte auch seinen Vater, der ihm drohte. Rasch warf er die sich windende Schlange ins Feuer, wo sie knisterte, schwarz wurde und zu Asche zerfiel.

Da hörte auch das Klopfen und Rumoren auf. Und als seine Eltern etwas später vom Gottesdienst nach Hause kamen, sah er, dass die Muter ihren Rosenkranz in der Hand hielt. Er fragte sie nach dem Grund des Klopfens und Rufens. Die Eltern verneinten, so etwas getan zu haben. Daraufhin erzählte er bleich und zitternd von seinem furchtbaren Erlebnis. Aber der Zwang war weg.

Nicht aufs Flehen der Jungfer reagiert

Etwa ein halbes Jahr nach dem Ereignis musste Josef Franz Meier zufällig am Haus des Mädchens vorbeigehen. Blass und abgezehrt stand sie am Gartenzaun und flehte ihn an, bei ihr einzutreten. Er aber achtete nicht auf dieses Flehen und ging seines Wegs. «Wenige Wochen nach diesem letzten Zusammentreffen war die Tochter eine Leiche», schliesst Meiers Erzählung.

In der Serie «Zuger Sagen» stellen wir verschiedene Legenden aus dem Kanton vor. Quellen: Zuger Sagen. Sage, Legände und Gschichte usem Kanton Zug, Maria Greco und Brigitt Andermatt. Victor Hotz Verlag Steinhausen, 2009/Zuger Sagen und Legenden, nacherzählt von Hans Koch, H. R. Balmer Verlag Zug, 1974.

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