«Der Vorname» im Theater Baar: Wenn alles aus dem Ruder läuft

Mit der Komödie «Der Vorname» setzt das Theater Baar auf Humor – regt aber auch zum Nachdenken an.

Martin Mühlebach
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Das Theater Baar führt das Stück «Der Vorname» in der Schrinerhalle in Baar auf. (Bild: Maria Schmid, 24. Oktober 2019)

Das Theater Baar führt das Stück «Der Vorname» in der Schrinerhalle in Baar auf. (Bild: Maria Schmid, 24. Oktober 2019)

Nehmen wir es gleich vorweg: Das Theater Baar bietet dem Publikum mit der Aufführung der Boulevard-Komödie «Der Vorname» von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Pattelière allerbeste Unterhaltung. Die Schauspielerinnen und Schauspieler liefern sich mit Lust und Niveau witzige und zugleich nachdenklich stimmende, gepfefferte Wortgefechte, die man im Interesse eines gemütlichen Zusammenseins verschweigen sollte.

Was ein gemütlicher Abend in der Wohnung von Professor Serge Götz (Klaus Hengstler) und seiner Frau Sophie Götz-Bogner (Vreni Dossenbach), der charmanten und besonnenen Französischlehrerin, werden sollte, artet schon früh aus, als Sophies Bruder und Serges Jugendfreund Claude Bogner (Thomas Inglin) eintrifft. Der werdende Vater, der ein begnadeter Selbstdarsteller ist, bringt Serge Götz auf die Palme, als er nach langem Rätselraten erklärt: «Mein Kind wird ein Knabe sein, und er wird Adolf heissen.» Serge Götz ist ebenso empört, wie der empfindsame Musiker Jérôme Ruckstuhl (Oliver Staubli), der schon in jungen Jahren von der Familie Bogner aufgenommen und Claudes bester Jugendfreund wurde.

Wortwitz, Spott und Situationskomik

Götz und Ruckstuhl befinden unisono: «Es geht nicht an, seinen Sohn auf den Namen Adolf zu taufen – auf den Namen Hitlers, der so viel Unheil angerichtet hat.» Die hitzigen Diskussionen ebben auch nicht ab, als Claude Bogner erklärt: «Der Name meines zukünftigen Sohnes wird mit ph und nicht mit f geschrieben.» Als Claudes Lebensgefährtin und werdende Mutter Julie Gehrig (Jeannine Lütolf-Villiger) mit Verspätung zur inzwischen längst nicht mehr friedlich miteinander umgehenden Runde stösst, erscheint es ihr als Rätsel, warum der Name ihres noch ungeborenen Sohnes auf derart viel Unverständnis stösst.

Sie ahnt nicht, dass ihr Lebensgefährte einen falschen Namen in die Runde geworfen hat, um dem gemütlichen Zusammensein etwas Pep zu verleihen. Julie zieht sich schmollend zurück, während sich Claude, Serge und Jérôme weitere Wortgefechte liefern, die Sophie Götz-Bogner mit beruhigenden Worten zu unterbinden versucht. Ein schwieriges Unterfangen, zumal plötzlich Jugendsünden aufgetischt werden, was nicht zur Beruhigung der Lage beiträgt. Erst recht nicht, als Claudes Mutter Francois auf eine Art und Weise ins Spiel kommt, die sich niemand hätte träumen lassen.

Nun scheint endgültig alles aus dem Ruder zu laufen. Oder doch nicht? Es lohnt sich auf jeden Fall, hautnah mitzuerleben, wie das Zusammensein im Hause Götz-Bogner endet. Der unglaubliche Wortwitz, der bissige Spott und die gewaltige Situationskomik, mit dem die hervorragenden Schauspielerinnen und Schauspieler des Theaters Baar das Publikum unterhalten, fördern Lachsalven zu Tage und regen zum Nachdenken an.

Weitere Vorstellungen am 31. Oktober sowie am 2., 3., 7., 9., 14., 15. und 16. November. Weitere Infos: www.theaterbaar.ch