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Zuger Sagen: Wenn einem vor Schreck die Haare zu Berge stehen

Im Dorf hat eine Hexe nach dem Eindunkeln die Bewohner in Angst und Schrecken versetzt. Wehe dem, der sich auch noch über die Hexe am Bach lustig gemacht hatte.
Andrea Muff

Die Hauptrolle dieser Geschichte hat eine Hexe inne. Und nicht etwa eine freundliche wie Bibi Blocksberg – nein, eine richtig gfürchige Hexe, die gerne Menschen erschreckt. Die Sage von der Hexe im Bach spielt in Walchwil und ist auch auf der Gemeindehomepage aufgeführt. Doch eigentlich kommt die Hexe vom anderen Seeufer her aus dem Rigigebiet: «Gwohnt hebi sie im Ghürschbach, imene Tobel ob em Zugersee, gäge Seebode ufe, im Pfaffechällerstieg.» Dort packte sie Wanderer, Pilgerer und Anwohner in dunklen Nächten an Armen oder Beinen und ein paar seien auch zu Tode erschreckt worden, erzählten sich die Leute.

In Walchwil machten Haltli Weibel Mathis und Utigli-Seeb die wohl berühmtesten Bekanntschaften mit der Hexe am Bach. Am meisten «tätig» war sie am Dorfbach und am Sagenbach. Die Bergwasser dienten ihr. Ihre Anwesenheit kündete sie «abends nach dem Betläuten» mit einem Mark und Bein durchdringendem Geschrei an, «das dem Geschrei einer grossen Schar junger Schweine gleich».

Der mutige Mathis

Die Hexe packte und erschreckte nicht nur harmlos daherziehende Leute: «Wehe dem, der ihrer spottete oder sie verhöhnte, der bekam ihre Rache zu fühlen.» Diese bekam besagter Mathis zu spüren, als er nach einem feuchtfröhlichen Abend im «Engel» den Nachhauseweg auf sich nehmen wollte. Bevor er sich auf den Weg machte, hänselten die anderen Gäste ihn: «Gasch hüt gschiider nid Hei, d Häx isch wider am Bach», sagten sie ihm. Er entgegnete: «Die sell nume cho, dere wettis scho zeige.» Er nahm kein Blatt vor den Mund und verspottete die Hexe. Nach der Sperrstunde begleitete die junge Wirtin Mathis mit der Öllampe noch vor die Tür. Danach verschwand er im Dunkeln. Denn sein Heimweg führte am Dorfbach entlang die Gasse hinauf, eine Strasse durch das Dorf gab es damals noch nicht.

Oberhalb des Dorfes musste Mathis den Bach überqueren. «Da just, wie er an der Brücke war, kam die Hexe durch den Bach gerasselt und liess ein Geschrei ertönen, dass der Weibel erschrak, dass ihm die Haare zu Berge stiegen.» Er wollte sich wehren, die Hexe war aber schneller und packte ihn, riss ihn über die Brücke, schleppte ihn eine Strecke weit den Bach hinunter und liess ihn in einem Bachbett liegen. Erst als die Betglocke am Morgen läutete, konnte er sich wieder bewegen und «heimwärts wanken». Seit dann hatte Mathis «grausigen» Respekt vor der Hexe.

Die Geschichte vom Utigli-Seeb ist noch schlimmer. So sei er gross und stark gewesen, erzählt man sich. Und er war ein geübter «Hööggler». «Bi dem Spiili tüend zwöi mi em Mittelfinger zäme hööggle, de Stärcher zieht de Ander zu sich übere und het denn gwunne.» Eines Abends sass Seeb im Wirtshaus und keiner wollte mit ihm spielen. Dies passte ihm nicht, er fluchte und polterte: «Hüt wird no ghöögglet und wenns d Häx isch, so will ichs au mit ihre mache.» Er trank aus und ging.

Als er am See entlang Richtung Sagenbach ging, rumorte und donnerte es. Er dachte noch, dass es sich dabei wohl um die Hexe handle, diese aber sicher nicht zu ihm kommen würde. Kaum zu Ende gedacht, kam «etwas» auf ihn zu, streckte ihm einen Finger entgegen, «als würd öpper welle hööggle». Seeb versuchte verzweifelt seine Arme an den Körper zu drücken, jedoch ohne Erfolg. «So isch er dur d Luft bis under dDürreburgflueh gfloge. Det het sie en denn la gheie.» Seeb hörte noch ein teuflisches Lachen und weg war die Hexe. «Der Seeb aber, von Angstschweiss überronnen und vor Schrecken halb gelähmt, schleppt sich nach Hause und bekommt einen gar furchtbar bösen Arm, der ihm nie mehr völlig heilte.» Das mit dem «hööggle» war danach für ihn vorbei.

In der Serie «Zuger Sagen» stellen wir verschiedene Geschichten aus dem Kanton vor. Quellen: Zuger Sagen. Sage, Legände und Schichte usem Kanton Zug, Maria Greco und Brigitt Andermatt. Zuger Sagen und Legenden, nacherzählt von Hans Koch. Homepage Gemeinde Walchwil.

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