Leserbrief
Wenn Gier den Verstand ausschaltet

«Bitcoin Suisse verzichtet vorerst auf Banklizenz», «Zuger Zeitung» vom 18. März

Merken
Drucken
Teilen

Einem Artikel dieser Zeitung entnehme ich, dass die Zuger Firma Bitcoin Suisse sich um eine Banklizenz beworben, das Gesuch jedoch wieder zurückgezogen habe. Tatsächlich hat der Wert der Bitcoins in letzter Zeit atemberaubend zugelegt. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht sagt dazu, man könne der Firma keine Banklizenz erteilen, weil sie Auflagen über das Geldwäscherei-Gesetz nicht erfülle.

Es ist kein Geheimnis, dass Kriminelle ihre betrügerisch erworbenen Gelder meist in Bitcoin tauschen. Sind die ertrogenen Gelder einmal digital, ist niemand mehr in der Lage, das betrügerisch erworbene Geld ihren rechtmässigen Besitzern zurückzubringen. Der Bitcoin-Hype erinnert stark an die Geschichte des European Kings Club. Dieses Schneeballsystem wurde 1991 gegründet und brach 1994 zusammen. Es hat 20000 Schweizer Anleger, um ihre Ersparnisse gebracht. Die Anleger konnten sogenannte Letters zu einem Stückpreis von 1400 Franken kaufen. Beim Letter wurde eine jährliche Ausschüttung von 2400 Franken versprochen. Zu Beginn konnte sich jedermann an solchen Ausschüttungen erfreuen. Das war vergleichbar mit Stand heute beim Bitcoin. Doch plötzlich war Schluss mit lustig. Die Anleger verloren damals 1,6 Milliarden Franken.

Das System war deshalb so erfolgreich, weil die Verantwortlichen – wie die heutigen Bitcoin-Schürfer – viel Geld in ihre IT-Infrastruktur gesteckt hatten. Das erschwerte es den staatlichen Ermittlern, Beweismaterial zu sichern und das System stillzulegen. Heute benötigt die IT-Infrastruktur der Bitcoins so viel Strom, wie die ganze Niederlande verbraucht. Die Bitcoin-Server befinden sich in China, Russland und im Iran. Nicht wegen der Landschaft, sondern angeblich wegen der tiefen Strompreise.

Auch beim European Kings Club stellte man sich die Frage, ob die Menschheit eine Parallelwährung zu den vielen bereits vorhandenen Geldwährungen brauche. Die Antwort war die gleiche wie heute: Die Banken würden den kleinen Mann lediglich «ausbeuten», darum brauche es solche Parallelwährungen. Heute kann man im Zugerland seine Steuern mit Bitcoin bezahlen. Einige ältere Bürger würden sie jedoch lieber in «Letter» bezahlen.

Die Fäden der Bitcoins laufen heute in der Kleinstadt Zug zusammen, beim Kings Club war es die hessische Kleinstadt Gelnhausen. Gut möglich, dass diese Städte einmal in Entenhausen umbenannt werden. Als Partnerstädte könnten sie heute schon zusammenfinden.

Franz Felder, Neuheim