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Ein Neuheimer Metallbauer gründet ein besonderes Start-up

Geländer online bestellen zu können, lautet die Idee von Christian Frei. Seit kurzem betreibt er eine entsprechende Plattform. Er ist damit ein Beispiel für Handwerker, die ihren Kundenkreis durch moderne Mittel erweitern. Ein Zentralschweizer Programm hilft dabei.
Christopher Gilb
Christian Frei ist mit seiner Idee hierzulande wohl ein Pionier. (Bild: Maria Schmid (Neuheim, 24. Januar 2019))

Christian Frei ist mit seiner Idee hierzulande wohl ein Pionier. (Bild: Maria Schmid (Neuheim, 24. Januar 2019))

Der Begriff Start-up ist in aller Munde. Gerade im Kanton Zug schiessen etliche dieser besonders innovativen Unternehmen aus dem Boden. Meist sind es Firmen mit eher virtuellen Leistungen, etwa aus dem Bereich der Krypto-Währungen. Einen klassischen Handwerker bringt man mit diesem Konzept aber eher weniger in Verbindung. Seit kurzem ist nun aber die Homepage «geländerXpress.ch» online. Dahinter steht der Handwerker Christian Frei aus Neuheim.

Auf der Website können individualisierbare Geländer konfiguriert und inklusive Montage direkt bestellt werden. Sein Start-up sei die erste Plattform dieser Art, behauptet Frei, der hauptberuflich die Amboss Metallbau AG betreibt. Auf die Idee sei er gekommen, weil er immer wieder Offertenanfragen aus dem Bereich Geländer gehabt habe. «Es ging dabei jeweils um ähnliche Geländertypen aber je nur in kleinen Mengen, das bedeutet einen grossen Aufwand», erklärt er.

Dies, weil man jeweils kleine Mengen verschiedenen Materials einkaufen und dieses dann von Hand zusammenschweissen müsse. «Ich dachte mir, das könnte doch auch einfacher gehen. Etwa, indem die Geländer industriell, also mit Hilfe von Robotern geschweisst werden.» So etwas lohne sich aber erst ab einer gewissen Menge.

Im Lego-System zusammenstellbar

Frei entwickelte also das sogenannte Xpress-Geländer. Die Oberfläche von diesem ist feuerverzinkt, wodurch es sich für die Aussenanwendung eignet. Eine optionale Pulverbeschichtung gibt dem Geländer Farbe. Standardmässig ist die Montage von oben mit versenkten Schrauben in Beton vorgesehen. «Zudem benötigt es keine Pfosten, die Stabilität wird über die vertikalen Stäbe gewährleistet», so Frei. Ziel sei es gewesen, ein Geländer zu entwickeln, das sowohl optisch schön wie auch funktionell sei, da es in einer Art Lego-System zusammengestellt werden kann, sodass es für den Onlinevertrieb geeignet sei.

Die Geländer in beliebiger Länge hat Frei ab Lager, zusammengeschweisst werden sie zuvor in der Benzenschwil AG. «So kann schnell geliefert werden», führt Frei aus. Vom schweizweiten Onlinevertrieb verspricht sich der Zuger Handwerker unter anderem, ein grösseres Kundensegment zu erschliessen. «Die Idee hatte ich schon länger, dann ging ich damit zu ‹Zentralschweiz innovativ›, um sie von jemand Aussenstehendem überprüfen zu lassen.» Sie sei gut angekommen.

Handwerker weniger ortsgebunden

«Zentralschweiz innovativ», das ist ein Programm der sechs Zentralschweizer Kantone Luzern, Nidwalden, Obwalden, Schwyz, Uri und Zug zur Förderung von Innovation und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Diese werden kostenlos bei der Umsetzung von Innovationsprojekten unterstützt. Der Begriff Start-up sei nach klassischer Definition auf Handwerker eigentlich nur bedingt anwendbar, sagt der Geschäftsführer von Zentralschweiz innovativ, Bruno Imhof. «Denn nebst einer innovativen Idee setzt dieser auch ein überproportionales Wachstum voraus.» Und da meist etwas von Hand erstellt werden müsse, sei es für Handwerker nicht einfach, ein solches zu erreichen.

«Potenzielle Kunden wollen heutzutage auch um acht Uhr abends oder am Wochenende etwas planen können.»

Beim Handwerker aus Neuheim handle es sich aber um ein gutes Beispiel, wie Handwerker versuchen könnten, ihr Geschäftsfeld innovativ zu erweitern, indem sie die digitalen Möglichkeiten nutzen würden. «Potenzielle Kunden wollen heutzutage auch um acht Uhr abends oder am Wochenende etwas planen können und nicht warten, bis sie den Handwerker anrufen können. Deshalb kann so ein Angebot eine gute Einstiegspforte sein.»

Modernisierung ist gefragt

Auch die Handwerker selbst seien heute nicht mehr so örtlich gebunden wie früher, womit so ein digitales Verkaufsangebot zunehmend auch ihren Bedürfnissen entsprechen würde. «Das Bild vom Schreiner, der vor Ort arbeitet, wandelt sich. Früher hat er selbst die Maschine geführt, zukünftig wird er eher das Programmieren beherrschen müssen», so Imhof. Die Produktion werde eben rationaler. Hilfe bei Zentralschweiz innovativ würden gerade auch jüngere Leute, Handwerker, die etwa gerade den Betrieb der Eltern übernommen hätten, suchen. «Sie wollen etwas modernisieren, da geht es beispielsweise um die Integration digitaler Planhilfen im Küchenbereich.»

Insgesamt sei die Nachfrage im Handwerksbereich aber im Vergleich zu anderen Firmen noch eher verhalten. «Die Handwerker haben eine gute Auslastung und damit auch weniger Zeit, sich mit so etwas zu beschäftigen.» Falls sie aber mit Geschäftsideen kämen, hätten sie gezielte Fragen. «Dabei geht es weniger um die Technik als beispielsweise um das Thema Marketing, etwa die Frage, wie man einen Online-Shop aufbaut.»

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