Kommentar
Wenn nicht im Bundeshaus, wo denn dann?

Wo, wenn nicht im Zentrum der Bundespolitik können Jugendliche und junge Erwachsene Politikerinnen und Politiker auf Themen aufmerksam machen? Das muss sein und darf auch provokativ ablaufen, findet Harry Ziegler, Chefredaktor der «Zuger Zeitung».

Harry Ziegler
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Harry Ziegler.

Harry Ziegler.

Es ist das Privileg der Jugend, sich laut, unkonventionell und ja, manchmal unüberlegt zu Themen, die sie besonders betreffen, zu äussern. Meine Generation – die Babyboomer – sowie die vom Kalten Krieg und dem Vietnamkrieg geprägten Vorgängergenerationen haben mit der dezidierten öffentlichen Meinungsäusserung begonnen.

Am Donnerstag brandete deswegen allerdings Empörung auf. Klimabewegte Jugendliche und junge Erwachsene wagten an der Würde des Nationalrats zu kratzen. Sie haben alle Sicherheitskontrollen überwunden, auf der Nationalratstribüne ein Plakat entrollt und ihre Kritik am zögerlichen Handeln der Politik in Sachen Klima singend zur Melodie des italienischen Partisanenlieds «Bella ciao» vorgebracht.

Dieses Handeln hat verschiedene Parlamentarier zu geharnischten Reaktionen veranlasst. Einige forderten eine Anzeige der mittlerweile vom Sicherheitsdienst des Bundeshauses abgeführten Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dass sie angezeigt werden könnten, das gehörte wohl zum Kalkül der Klimademonstranten. Aber sie haben ihr Ziel erreicht: Sie (und vielleicht auch ihr Anliegen) sind Thema Nummer 1 unter den Nationalrätinnen und -räten. Denen sie primär ihr Anliegen vorbringen wollten. Und wenn nicht im Bundeshaus, ja wo denn dann?

Das soll kein Aufruf sein, sich dauernd im Bundeshaus einzuschleichen. Aber der Klimawandel ist Fakt. Die Sorge der Jugend um ihre Zukunft auch.