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Kommentar

Wenn’s doch schmeckt

2013 flog der Pferdefleischskandal auf. Deklariert wurde in Fertiggerichten Pferde- als Rindfleisch. Geht gar nicht, meint Harry Ziegler, Chefredaktor der «Zuger Zeitung». Er plädiert aber für Gelassenheit im Umgang mit dem Essverhalten seiner Mitmenschen.
Harry Ziegler,
Harry Ziegler

Harry Ziegler

Erinnern Sie sich an den Aufschrei, der 2013 durch Europa ging, als bekannt wurde, dass in zahlreichen Fertig-Lasagna Pferde- statt des auf der Packung deklarierten Rindfleisches verarbeitet worden war? Eine kleine unscheinbare Meldung verkündete kürzlich das Ende, der rechtlich «Konsumententäuschung» genannten Untat. Die Drahtzieher, die mehr als 500 Tonnen Pferdefleisch als Rindfleisch ausgegeben und dieses in der Schweiz und anderen Ländern in Umlauf gebracht hatten, sind nun verurteilt worden. Zwei Jahre muss der Kopf hinter dem Betrug ins Gefängnis, der Gehilfe für sechs Monate.

Richtigerweise wurden sie verurteilt. Aber nicht etwa wegen eines allfälligen Igitt-Faktors von Pferdefleisch, sondern wegen Irreführung der Konsumenten. Den Igitt-Faktor gibt’s sowieso nur im Kopf, vermengt mit Erinnerungen oder Vorstellungen. So ein süsses Pferdchen, das kann man doch nicht essen. Das gilt für Hasen, Lämmer, Singvögel etc. und in spezieller Absolutheit für Haustiere.

Zugegeben, ich würde meinen Hund nie essen. Nicht, weil er nicht schmackhaft zubereitet werden könnte, sondern weil ich weiss, wo und in was er sich während seines Lebens bevorzugt gewälzt hat und ich ihn – ja – liebe. Der Igitt-Faktor eben. Ich geniesse jedoch, obwohl ein grosser Freund von Pferden, ab und an deren Fleisch. Es ist völlig in Ordnung, einen Igitt-Faktor zu pflegen. Es ist ebenso völlig in Ordnung, Pferdefleisch und anderes zu essen. Leben und leben lassen, wenn’s doch schmeckt. Es ist jedoch völlig daneben, durch Falschdeklaration den Konsumenten der Möglichkeit zu berauben, zu erkennen, ob allenfalls sein Igitt-Faktor verarbeitet wurde. Solche Machenschaften schmecken mir wiederum nicht.

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