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Legionärskrankheit: Im Kanton Zug gibt es drei bis vier Fälle pro Jahr

In der Schweiz hat sich die Anzahl Fälle von Legionärskrankheit seit 2008 verdoppelt. Das kantonale Amt für Verbraucherschutz führt regelmässig Kontrollen in öffentlichen Bädern durch. Kantonschemiker Mattias Fricker erklärt, was jeder selbst tun kann.
Cornelia Bisch

Wo es warmes, stehendes Wasser gibt, tummeln sich Legionellen mit Vorliebe. Diese mikrobiologischen Erreger verursachen neben einer leichteren Form der Erkrankung mit grippeartigen Symptomen die gefährliche Krankheit Legionellose oder Legionärskrankheit. Interessanterweise sind zwei- bis dreimal mehr Männer und Personen über 50 Jahren von der Krankheit betroffen. «Man weiss nicht, woran das liegt», stellt Kantonsarzt Rudolf Hauri fest. «Ein möglicher Zusammenhang mit der Häufigkeit von Rauchern in diesen Gruppen wird diskutiert.»

Gemäss Bulletin des Bundesamts für Gesundheit (BAG) hat sich die Fallzahl seit 2008 in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein mehr als verdoppelt von 219 registrierten Fällen im Jahr 2008 auf 464 im Jahr 2017. Nicht nur in der Schweiz ist die Krankheit auf dem Vormarsch, sondern auch im übrigen Europa, in Kanada und den Vereinigten Staaten.

Die Fallzahlen sind konstant

Im Kanton Zug jedoch blieben die Zahlen in dieser Zeit konstant bei drei bis vier Fällen pro Jahr. «Ich halte das eher für einen Zufall», erklärt Kantonschemiker Mattias Fricker. Fakt ist jedoch, dass er und sein Team seit 2013 regelmässig und risikobasiert Kontrollen in öffentlichen Bädern, Altersheimen und anderen öffentlichen Gebäuden durchführen. Dies aufgrund einer Gesetzesänderung des Bundes, laut der das Dusch- und Badewasser als Gebrauchsgegenstand definiert wurde. «Dem Amt für Verbraucherschutz obliegt die Kontrolle sämtlicher Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände», erläutert Fricker. Er und sein Team prüfen also neben Lebensmitteln auch alles, was mit der menschlichen Haut in Berührung kommt. «Dazu gehören Kosmetika und Schmuck sowie nun auch das Dusch- und Badewasser.»

Kantonschemiker Mattias Fricker (links) und Mikrobiologielaborant Michel Schneider bei der Arbeit im modernen Labor des Amts für Verbraucherschutz in Steinhausen. (Bild: Maria Schmid, 21. Februar 2019)

Kantonschemiker Mattias Fricker (links) und Mikrobiologielaborant Michel Schneider bei der Arbeit im modernen Labor des Amts für Verbraucherschutz in Steinhausen. (Bild: Maria Schmid, 21. Februar 2019)

Wasseranalysen werden nicht empfohlen

«Private beraten wir telefonisch», informiert Fricker. «Wir nehmen auf Wunsch auch kostenpflichtige Wasseranalysen vor, empfehlen es aber eigentlich nicht.» Dies, weil es grundsätzlich nicht alarmierend sei, wenn Legionellen in Konzentrationen unterhalb des Höchstwertes in den Wasserleitungen festgestellt würden. Wer dennoch eine Analyse seines Wassers wünscht, kann dies beim Amt für Verbraucherschutz in Steinhausen telefonisch anmelden, dort einen sterilen Behälter beziehen, diesen mit einer Wasserprobe füllen und ihn beim Amt abgeben. «Die mikrobiologische Untersuchung dauert mindestens vier Tage und kostet 132 Franken zuzüglich Administrationsgebühren», so Fricker. Das Amt bietet auch Probenahmen vor Ort an, welche jedoch zusätzlich verrechnet werden.

Im Labor werden die Proben untersucht. (Bild: Maria Schmid, Steinhausen, 21. Februar 2019)

Im Labor werden die Proben untersucht. (Bild: Maria Schmid, Steinhausen, 21. Februar 2019)

Man kann sich mit einer Reihe von Massnahmen aber auch selbst gut gegen Legionellen schützen: Wasserleitungen sollten kein über längere Zeit stehendes, warmes Wasser enthalten. Andernfalls müssen sie vor Gebrauch heiss durchgespült, Duschschläuche eventuell sogar ersetzt werden. «Wir empfehlen die Legionellenschaltung bei der Warmwasseraufbereitung. Diese kann der Sanitärfachmann einstellen», führt Fricker aus. Dabei wird das Warmwasser während einer Stunde täglich auf 65 Grad Celsius aufgeheizt. «Dadurch sterben die Bakterien ab.» Anders verhält es sich bei Kälte. «Der Winter mit seinen Minustemperaturen ist für viele Bakterien nicht tödlich», erklärt Fricker. «Sie können sich zwar in kalter Umgebung nicht vermehren, fahren jedoch damit fort, sobald wärmere Temperaturen dies wieder zulassen.» Neben der Warmwasseraufbereitung müssen auch Kühlsysteme regelmässig gewartet werden.

Mattias Fricker begrüsst die schweizweite Koordination von Massnahmen:

«Momentan prüft man, ob von Kühltürmen auf Gebäuden ein Kataster erstellt werden sollte, damit auch diese regelmässig inspiziert werden können.»

Denn Fachleute vermuten, dass solche Anlagen Aerosole an die Umgebung abgeben und Passanten infizieren könnten. «Auch weitere, bisher unbeobachtete mögliche Verbreitungsquellen für Legionellen werden untersucht», so Fricker.

Ferner weiss man, dass mehrere verschiedene Gruppen von Erregern existieren, von denen nicht alle krankmachend sind. Über neueste DNA-Sequenzierungen lässt sich heute per «bakteriellem Fingerprint» auch die Identifizierung von Infektionsquellen und die Ausbruchsbekämpfung deutlich verbessern. Es gebe zwar keinen hundertprozentigen Schutz, räumt Fricker ein. «Aber als Privatperson muss man keine Angst vor Legionellen haben. Die öffentlichen Orte sind gut überwacht.»

Was ist die Legionärskrankheit?

Bei der Legionärskrankheit handelt es sich um eine atypische Lungenentzündung, bei der hohes Fieber, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Unterleibsschmerzen und neurologische Auffälligkeiten auftreten können. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 2 bis 14 Tage. Die Infektion mit Legionellen erfolgt beim Einatmen von Aerosolen (zerstäubte Wassertröpfchen), beispielsweise beim Duschen, in Whirlpools oder über Kühlsysteme. Beim Verschlucken besteht weniger Gefahr. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bisher nicht beobachtet. Der Erreger wurde im Jahr 1976 bei einem Veteranentreffen der «American Legion» in Philadelphia entdeckt. Daher auch der Name. 200 Veteranen hatten sich durch die Klimaanlage infiziert, 29 davon starben. (cb)
Hinweis Weitere Infos und Merkblätter unter: www.zg.ch/avs, www.bag.admin.ch

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