Wer schleicht in der Nacht durch Cham?

Die Gemeinde will gemeinsam mit Freiwilligen die Verbreitung der Igel untersuchen.

Vanessa Varisco
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Ein Spurentunnel für Igel.

Ein Spurentunnel für Igel.

Bild: igelzentrum.ch/PD

Wer nachts unterwegs ist, der wird wohl schon einem wilden Nachbarn begegnet sein. Gemeint sind damit natürlich nicht die feierlustigen Mieter von nebenan, sondern die Wildtiere, die in der Dunkelheit unterwegs sind. Doch wer schleicht auf welchen Wegen? Im Kanton Zug will man dem genauer auf den Grund gehen und nimmt am Projekt «Wilde Nachbarn» teil, bei dem beobachtete Wildtiere gemeldet werden können (siehe Box). In diesem Rahmen hat die Gemeinde Cham ein weiteres Projekt auf die Beine gestellt: «Igel gesucht». Gemeinsam mit Freiwilligen sollen so die Standorte ermittelt werden, an denen sich die kleinen Tiere mit dem stacheligen Kleid aufhalten und wie es ihnen geht. Denn wie Projektleiterin Umwelt Manuela Hotz weiss, gibt es Hinweise, dass sich deren Lebensraum in den letzten Jahrzehnten stark verändert hat und weniger Igel in den Städten leben. «Wir wollen wissen, wie es den Igeln in Cham geht», fasst es Manuela Hotz zusammen.

Wilde Nachbarn

(vv) Auf der Website https://zug.wildenachbarn.ch können Interessierte jederzeit ihre Beobachtungen erfassen oder herausfinden, welche Wildtiere in ihrer Region leben. Dank Internet und Handy ist es heute möglich, innert Kürze mit wenigen Klicks eine Tierbeobachtung zu melden. Dies sogar mit Foto. «Die Website ist mehr als nur eine Meldeplattform. Dort sind auch viele Informationen über die Wildtiere, die im Kanton Zug vorkommen, zu finden und Tipps, wie man die Wildtiere schützen kann», erklärt Manuela Hotz, Projektleiterin Umwelt der Einwohnergemeinde Cham. Sie hat das Projekt in der Region Zug initiiert und setzt es zusammen mit einer breiten Trägerschaft um.

22 Untersuchungsgebiete werden kontrolliert

Das soll in verschiedenen Schritten geschehen. Zuerst wird eine Igelverbreitungskarte erstellt. «Sollte es beispielsweise Gebiete geben, in denen keine Igel mehr vorkommen, wird nach Gründen gesucht», erläutert sie. Gesucht werden für das Projekt Freiwillige, welche in einer frei wählbaren Woche zwischen Juni und Ende August Spurentunnel kontrollieren. Aufgabe der Freiwilligen wird es sein, zehn Spurentunnel in einem definierten Perimeter aufzustellen und sie während fünf aufeinander folgenden Tagen täglich zu prüfen, Köder aufzufüllen, die Spurenblätter zu wechseln und anschliessend die Tunnel abzuräumen. Beanspruchen werden diese Arbeiten ungefähr zehn Stunden, drei bis vier für das Aufstellen und eine bis anderthalb für die täglichen Kontrollgänge sind einzurechnen.

Neben der unerwarteten Coronapandemie, stelle das Finden von genügend Freiwilligen eine Herausforderung dar. Einige haben sich dennoch bereits gemeldet: 19 Personen werden in 14 Teams je eines der 22 Untersuchungsgebieten bearbeiten. «Weitere Interessierte dürfen sich gerne melden. Vorkenntnisse sind keine nötig», so die Chamer Umweltprojektleiterin. Die zufälligen Beobachtungen könnten schliesslich mit systematischen Erhebungen ergänzt werden. «Wir erhoffen uns dadurch ein umfassendes Bild über den Igelbestand in der Gemeinde Cham zu erhalten», formuliert sie das Ziel und ergänzt, dass man sich auf das Projekt freue. Denn damit soll nicht zuletzt auch die Bevölkerung für den Igel und dessen Lebensräume sensibilisiert werden.

Video statt Versammlung

Die Zusammenarbeit mit Freiwilligen zur Wildtierbeobachtung ist für die Gemeinde Cham Neuland. Da aber in anderen Schweizer Städten schon solche Projekte durchgeführt wurden, kann auf deren Erfahrungsschatz zurückgegriffen werden. Um die Freiwilligen zu instruieren, hätte ein Informationsanlass stattfinden sollen. Aufgrund der aktuellen Lage fällt jener jedoch aus. Einmal mehr hilft hier aber die Digitalisierung. «Wir erstellen nun ein Instruktionsvideo und Anleitungen für die Wildtierbeobachter», erklärt Hotz. Ausserdem stehe die Wildtierbiologin von der Forschungs- und Beratungsgemeinschaft Swild bei Fragen zur Verfügung. Sie wird jene Gebiete bearbeiten, welche die Freiwilligen nicht abdecken können, und ihre Arbeit bereits im Mai aufnehmen. Die Freiwilligen werden im Juni beginnen – vorausgesetzt die Coronamassnahmen erlauben dies. «Nach dem Projekt ist im Herbst ein Treffen vorgesehen, bei dem sich Freiwillige und Organisatoren über das Projekt und die Ergebnisse austauschen können», blickt Manuela Hotz in die Zukunft.