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WERBUNG: Zug wird immer appetitlicher

Auch in Zug gestaltet sich Food-Reklame zunehmend plastischer. Was nicht allen gefällt, will Kunden auf eine sehr direkte Art und Weise anlocken.
Wolfgang Holz
Essen und Trinken ganz gross: Riesen-«Zugerli» im Metalli-Einkaufszentrum. Bilder: Stefan Kaiser (14. November 2016)

Essen und Trinken ganz gross: Riesen-«Zugerli» im Metalli-Einkaufszentrum. Bilder: Stefan Kaiser (14. November 2016)

Würde es Gulliver, jenen legendären Riesen, heutzutage nach Zug verschlagen, wüsste er sofort, wo es etwas zu essen gibt: eine Riesen-Kirschtorte vor der Confiserie hier. Ein Riesen-Sandwich vor einer Bäckerei da. Verspürte er Durst, würde er wohl irgendwann an der Baarerstrasse die Riesen-Flasche entdecken, die dort neuerdings darauf aufmerksam macht, dass sich hier eine Weinhandlung befindet.

Doch die Rede ist hier nicht vom Schlaraffenland für Riesen, sondern von jenen dreidimensionalen Food-Werbungen, liebevoll gefertigten und bemalten Kunststoffteilen, die den original viel kleineren Gipfeli, Sandwiches, Butterzöpfen appetitlich ähnlich sehen. Diese Art von Reklame wird auch in Zug beliebter. Und das nicht erst, seitdem vor vier Jahren ein Dieb jene lecker anmutende XXL-Polyester-Bratwurst vor einer Hünenberger Metzgerei stahl und in den Wald warf.

«Auswüchse sind nicht so schön»

«Diese Riesenattrappen appellieren an unsere Emotionalität und wecken unseren Appetit», erklärt Werbedesigner Daniel Christen aus Zug, auf welche Weise solche 3-D-Werbeträger wirken können. «Gerade die überdimensionale Körperlichkeit solcher Objekte überrascht und kreiert im Gegensatz zu Werbeplakaten und Schildern die Illusion des Greifbaren – etwas, was man sofort haben kann und will», so Christen.

Ob dieses «Amuse Gueule» auch im Fall jener klotziger Kirschtorten oder jener «Zugerli» im Metalli-Einkaufszentrum, die wie Wagenräder daherkommen, funktioniert, ist wohl echt Geschmackssache. Unbestritten bleibt, dass diese Art von XXL-Werbung nicht allen gefällt.

«Auswüchse solcher Werbeformen sind nicht so schön und begrüssen wir nicht», sagt Alphons Wiederkehr, Architekt und Präsident der Stadtzuger Stadtbildkommission. Weisen solche Werbungen aber nur einen temporären Charakter auf, könne er damit durchaus leben.

Dabei ist man in der Stadt Zug schon restriktiv gegenüber diesen Spielarten plastischen Marketings. Sie sind auf öffentlichem Boden nämlich verboten. «Nicht gestattet sind Reklamen in Form von Figuren, Gegenständen oder dergleichen», heisst es in den Richtlinien zur Benützung des öffentlichen Grundes von 2007. Daher musste auf dem Landsgemeindeplatz schon eine Kirschtortenattrappe weichen. Andererseits präzisiert das Baudepartement: XXL-Food-Symbole im heutigen Rahmen brauchen keine Baubewilligung, wenn diese während der Betriebszeiten vor den Geschäften aufgestellt und danach regelmässig weggeräumt werden. Hingegen sei eine Baubewilligung erforderlich, wenn es um – auch zeitlich befristete – Festinstallationen geht.

«Solche Food-Werbung folgt einem Trend aus Amerika», meint Patrik Frei, Geschäftsführer der Werbeagentur A4, in Rotkreuz. «Alles, was gross ist, hat etwas Faszinierendes und fällt auf – sei es ein Elefant oder eine überdimensionale Pizza.» Apropos. Gemäss «Platzmühle»-Wirt Felix Kuhn signalisiert der (4000 Franken teure) Riesenteigfladen aus Kunststoff vor dem Restaurant «Passanten ohne viel Worte, dass es hier Holzofenpizza gibt. Viele Leute machen sogar gerne Fotos vor der Pizza.»

Wolfgang Holz

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