Werkklassen: Sind die bürokratischen Hürden zu hoch?

In Unterägeri werden voraussichtlich die Kleinklassen aufgelöst, dagegen wehrt sich die lokale SVP mit einer Motion. Nun folgte auf der kantonalen Ebene ein Postulat: Darin geht es grundsätzlich um die Einteilung der Schulkinder in Klein- und Werkklassen.

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Schüler auf dem Pausenplatz der Kanti Zug. (Themenbild: Stefan Kaiser)

Schüler auf dem Pausenplatz der Kanti Zug. (Themenbild: Stefan Kaiser)

Sollen verhaltensauffällige oder lernbehinderte Kinder in eine Regelklasse integriert werden oder in Klein- oder Werkklassen (Niveau C) die Oberstufe besuchen? Diese Frage stellt sich in Unterägeri. Die Gemeinde will die Kleinklassen per Ende Jahr auflösen. Bis heute sei die Auflösung noch nicht definitiv, heisst es in der Botschaft zur Gemeindeversammlung am 10. Dezember. Um die Schliessung zu verhindern, hat die lokale SVP eine Motion eingereicht. Gleichzeitig regt sich auf kantonaler Ebene etwas: Die Unterägerer Kantonsräte Ralph Ryser und Thomas Werner (beide SVP), die Baarer Zari Dzaferi (SP), Barbara Häseli (CVP), und Beni Riedi (SVP) sowie Monika Weber (FDP/Steinhausen) reichten das Postulat betreffend Integration verhaltensauffälliger Kinder in den Schulbetrieb ein. Ihnen geht es grundsätzlich um die Einteilung von Schulkindern in Klein- und Werkklassen.

Thomas Werner erklärt: «Wir haben uns bei verschiedenen Lehrpersonen erkundigt. Kleinklassen sind für sie eine grosse Hilfe.» Doch nicht nur für die Lehrer sei es ein Vorteil, auch für die Eltern und betroffenen Kindern, weiss Werner. «Während des Unterrichts ist es ruhiger, die Lehrer können sich besser um die betroffenen Schüler kümmern und der Schulbesuch läuft frustfreier ab», so Werner weiter. Es gebe Schüler, die in einer Regelklasse «zwischen Stuhl und Bank» fallen, sagt Werner. Doch die Hürden, Werkklassen zu führen, seien für die Gemeinden zu hoch. Eine Lernbeeinträchtigung oder Lernbehinderung muss durch den Schulpsychologischen Dienst diagnostiziert werden. «Unser Ziel ist es, dass die bürokratischen Hürden auf ein vernünftiges Mass herunter gesetzt werden», klärt er auf. Das Instrument der Werkklassen soll nicht nur als theoretische Möglichkeit im Gesetz stehen, finden die Postulanten.

Vorstoss soll grundsätzliche Diskussion auslösen

SP-Kantonsrat Zari Dzaferi, selber Oberstufenlehrer, bestätigt: «Die Hürden sind hoch, um ein Kind in eine Klein- oder Werkklasse einzuteilen.» Zudem gebe es Schüler, die keine effektive Lernbehinderung hätten, allerdings aufgrund ihrer Motivation und ihres Arbeitsverhaltens ungenügende Leistungen erbringen würden, sagt er. Entweder man führe drei Schularten und teile die Kinder konsequent in alle drei ein oder man hebe die Schularten auf und arbeite in mehreren Niveaufächern, so Dzaferi. «Auf dem Papier ist heute die Werkstufe die tiefste Stufe. Im gelebten Alltag allerdings die Realschule.» Deshalb erhofft er sich mit diesem Vorstoss eine grundsätzliche Diskussion über die Organisation der Oberstufe. Das Postulat hat der Kantonsrat am vergangenen Donnerstag dem Regierungsrat überwiesen. Auf Nachfrage bei der Bildungsdirektion heisst es, dass das Postulat beim Regierungsrat hängig sei und Stephan Schleiss dem politischen Entscheid nicht vorgreifen dürfe. Auch der Bildungsrat konnte sich noch nicht mit dem Postulat befassen. Schleiss verweist betreffend der kantonalen Ausrichtung auf die Antworten zur Interpellation von Daniel Stadlin (GLP/Zug) vom 27. Mai 2018. Daraus geht hervor, dass die besondere Förderung grundsätzlich in der Verantwortung der Gemeinde liege.