Kolumne
Weshalb Sie fasten sollten – oder eben nicht

Im Folgemonat der Dezember-Völlerei ist traditionsgemäss Schmalhans Küchenchef. Redaktorin Cornelia Bisch und Redaktor Kilian Küttel haben dafür und dagegen einige Argumente.

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Nach den üppigen lukullischen Genüssen der Festtage einen mageren Januar einzuläuten, mag auf den ersten Blick ein deprimierendes Vorhaben zu sein. Ausgerechnet im düstersten, kältesten Monat soll man auf so herzerwärmende Dinge wie Schoggi, Kuchen oder Wein verzichten?

Cornelia Bisch.

Cornelia Bisch.

Fasten hat jedoch etwas durchaus Reinigendes, wie ich aus eigener Erfahrung weiss. Ausserdem ist man am Ende stolz darauf, sich überwunden zu haben, und schätzt das hierzulande so üppige und oft für allzu selbstverständlich genommene Lebensmittelangebot wieder umso mehr.

Ich habe jedoch gelernt, es nicht zu übertreiben. Wochenlange Fastenkuren mit nichts als Tee habe ich inzwischen aufgegeben. Auf die schlanke Linie haben diese kaum nachhaltige Wirkung. Allzu heftig suchten mich zudem nach Beendigung einer solchen Tortur die Gelüste heim, sodass ich mich manch akuter Schoggiattacke nicht erwehren konnte, was ziemlich kontraproduktiv wirkte und den Stolz durch ein schlechtes Gewissen ersetzte.


Aber für eine gewisse Zeit auf eine liebe Gewohnheit zu verzichten, um sie anschliessend wieder voller Lust zu zelebrieren, empfehle ich jedem. Wer weiss, vielleicht gelingt es uns dann sogar, den jährlich anfallenden Lebensmittelverlust von 2,6 Millionen Tonnen etwas zu reduzieren.

Er ist dagegen

Abstinenz Tag elf. Status: nüchtern. Verlangen: nicht der Rede wert. Zwischenfazit: Scheissidee.

Kilian Küttel.

Kilian Küttel.

Damit wir uns richtig verstehen – die Vorzüge eines trockenen Januars sind unbestritten: Ich darf immer Auto fahren, erspare mir Kopfschmerzen, Übelkeit und Peinlichkeiten jedweder Art. Kurz: Ich existiere in der seligen Illusion, mein Leben so etwas wie im Griff zu haben.

Trotzdem nervt die Abschwur an den Alkohol. Das liegt nicht am Wunsch nach dem Rausch. Nein, Schuld sind – nehmen Sie es mir nicht übel – Sie.

Also die Menschen, zu denen ich normalerweise auch gehöre. Menschen, die nach zwei Bier ab jedem Seich gigeln und lachen, als gäbe es etwas zu gigeln und zu lachen. Menschen, die das Gefühl für den eigenen Lärmpegel mit der letzten Stange gleich runtergespült haben wie die Fähigkeit, den Abstand zum Gesicht des Gesprächspartners einzuschätzen.

Schuld sind Leute, die dank eigener Euphorie anderen nicht mehr zuhören. Und die Geschichten in die Welt rülpsen, die man dank stringentem Vortrag so gut versteht, als würde einem ein Affe die Blockchain erklären.

Ganz ehrlich: 31 Tage. Länger hält es mit Ihnen kein Mensch nüchtern aus.

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