WETTBEWERB: Zug hat weiter die Nase vorn

Trotz der Frankenstärke haben sich im Jahr 2015 rund 1900 neue Firmen im Kanton Zug niedergelassen. Das hat gute Gründe.

Bernard Marks
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Dichtes Gedränge herrschte gestern bei der Begrüssung der Neuunternehmer in den Räumen der Amag AG in Cham. (Bild Werner Schelbert)

Dichtes Gedränge herrschte gestern bei der Begrüssung der Neuunternehmer in den Räumen der Amag AG in Cham. (Bild Werner Schelbert)

Bernard Marks

Ortstermin Cham, gestern Abend. Der Zuger Vorsteher der Volkswirtschaftsdirektion, Matthias Michel, spricht vor geladenen Firmenchefs in den Räumen der Amag Automobil- und Motoren AG. Über 250 Unternehmer waren der Einladung des Kantons zur Begrüssung der Neuunternehmer gefolgt, der Schulungsraum der Amag platze aus allen Nähten. Keine Selbstverständlichkeit. Immerhin stand das Jahr 2015 für die Schweizer Wirtschaft unter keinem guten Stern. Die Auflösung des Euro-Mindestkurses bedeutete Anfang des Jahres 2015 für viele Firmen einen schwierigen Start in ein neues Geschäftsjahr.

Doch in Zug herrscht nach wie vor Aufbruchstimmung. 1856 Firmen haben sich im vergangenen Jahr entschieden, ihren Hauptsitz in Zug zu eröffnen. Dieser Wert kann zwar nicht an das Vorjahr anknüpfen, doch immerhin liegt Zug in der Zentralschweiz an zweiter Stelle nur knapp hinter dem Kanton Luzern mit 1870 Neugründungen. Der kleinste Vollkanton der Schweiz mischt in Sachen Firmengründungen aber mittlerweile Jahr für Jahr auf nationaler Ebene vorne mit (siehe Kasten).

Die Erfolgsfaktoren

Die Schweiz gilt als innovativstes Land der Welt mit einer starken Gründungskultur. Das bestätigen verschiedene Studien – und Fakten. In den vergangenen zehn Jahren legte die hiesige Wirtschaft pro Jahr um durchschnittlich 2,1 Prozent zu, was unter den westlichen Industrienationen mit Ausnahme einiger rohstoffgetriebener Volkswirtschaften unerreicht blieb. Die helvetische Erfolgsgeschichte beruht dabei stark auf drei Säulen: Erstens können Investoren und Firmen auf stabile Rahmenbedingungen und eine rechtliche Planungssicherheit vertrauen. Zweitens bietet die Schweiz eine im internationalen Vergleich tiefe Steuerbelastung für Unternehmen und Privatpersonen. Und drittens besticht sie mit einer hohen Innovationsfähigkeit, guten Bildungsinstituten und der Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften.

Gute Werte für Zug

Die Wettbewerbsfähigkeit eines Kantons wird durch sein Potenzial zur nachhaltigen Steigerung seiner Wirtschaftsleistung bestimmt. Der Kanton Zug kann sich in diesem Punkt sehen lassen, führt er doch in einem Ranking der Grossbank UBS in Sachen Wettbewerbsfähigkeit die Liste aller Schweizer Kantone deutlich an. Die Kantone Zug und Zürich verfügen gemäss dem Kantonalen Wettbewerbsindikator (KWI) 2014 über das «höchste langfristige Wachstumspotenzial aller Schweizer Kantone». Eine überdurchschnittliche Wettbewerbsfähigkeit attestieren die Autoren der UBS, auch den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft, Aargau sowie den Zentralschweizer Kantonen Luzern, Nidwalden und Schwyz. Dahinter folgt ein breites Mittelfeld von Kantonen mit solider Wettbewerbsfähigkeit, angeführt von den Westschweizer Kantonen Waadt und Genf. Graubünden, Wallis, Uri und Jura fallen in die Gruppe mit geringer relativer Wettbewerbsfähigkeit (siehe Grafik).

Steuern nicht entscheidend

«Längst sind aber nicht mehr die Steuern allein das entscheidende Kriterium für die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Zug», sagte Michel gestern. Der Kanton wurde vor 50 Jahren gross durch die Steuerpolitik, heute sind die Steuern nur ein Faktor von vielen anderen. Die Struktur der Wirtschaft ist in Zug heute breit diversifiziert. Die Zuger Wirtschaft zeichnet sich heute durch einen gesunden Branchenmix aus. «Das bietet Unternehmen grosse Vorteile», sagt Michel. Auch das Bildungsniveau der Bevölkerung und die damit verbundene Möglichkeit, gute Mitarbeiter einzustellen, spielt eine entscheidende Rolle für die Attraktivität eines Wirtschaftsstandortes. «Zudem muss ein guter Wirtschaftsstandort heute schnell erreichbar sein», sagt Michel. Rund 100 000 Arbeitsplätze bietet der Kanton Zug heute. 34 000 Personen pendeln heute nach Zug, um zu arbeiten. «Unternehmen finden also ausreichend Fachkräfte, um bei uns wirtschaften zu können», sagt Michel. «Wir bilden zudem Fachkräfte an unseren Fachhochschulen aus», sagt Michel. Erwähnenswert ist hierbei das Institut für Finanzdienstleistungen, das Bildungszentrum Zug sowie die geplante Hochschule für Informatik in Rotkreuz. «Wir haben dafür gekämpft, dass der Bereich IT den nötigen Campus in der Region erhält», sagte Michel, unter anderem, «weil die Region einen überdurchschnittlichen Bedarf an IT-Fachkräften hat.»

Zug prosperiert und wächst überdurchschnittlich. Doch der Platz ist begrenzt. «Wir müssen daher in Zukunft in die Höhe wachsen», sagte Michel. In Zug ist man daher gezwungen, in die Höhe zu bauen. Einige Hochhäuser sind bereits entstanden. Auch der Verkehr ist ein Dauerbrenner. Zahlreiche Umgehungsstrassen wie zum Beispiel die Tangente Zug-Baar werden in den nächsten Jahren anstehen.