WETTBEWERBSFÄHIGKEIT: Kanton Zug schlägt alle

Der Kanton Zug ist der wettbewerbsfähigste Kanton der Schweiz. Dies zeigt eine am Donnerstag veröffentlichte UBS-Studie. Insgesamt gehen die Zentralschweizer Kantone als Gewinner hervor.

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Der Kanton Zug schreibt in der Rechnung 2012 schwarze Zahlen. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Der Kanton Zug schreibt in der Rechnung 2012 schwarze Zahlen. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Aufs Podest schaffte es nach Zug auch Zürich und Basel-Stadt, wie die UBS mitteilte. Die Bank hatte 2012 zum ersten Mal den Kantonalen Wettbewerbsindikator (KWI) publiziert. In der jährlichen Analyse werden Faktoren wie Wirtschaftsstruktur, Finanzspielraum und Erreichbarkeit untersucht.

Ebenfalls eine hohe Wettbewerbsfähigkeit weisen demnach auch Aargau (4.), Luzern (5.), Baselland (6.) und Nidwalden (7.) auf. Schwyz (8.), Waadt und Genf schafften es ebenfalls unter die besten zehn. Obwalden schaffte es auf Rang 17. Auf den letzten Plätzen stehen weiterhin die Kantone Jura, Uri, Wallis und Graubünden.

Zug – Rang 1 (Vorjahr 3)

Der Kanton Zug ist der wettbewerbsfähigste Kanton der Schweiz und gilt zu Recht als Wirtschaftsraum mit sehr hoher Dynamik. Er punktet zudem mit sehr guten Werten beim Finanzspielraum, mit seiner hervorragend ausgebildeten Bevölkerung (Humankapital) und dem gut funktionierenden Arbeitsmarkt. Auf der Achse zwischen den zwei Zentren Zürich und Luzern verfügt Zug auch über eine überdurchschnittlich hohe Erreichbarkeit und ein grosses Einzugsgebiet. Schwachstellen sind die mangelnde Diversifikation der Wirtschaft und die unterdurchschnittliche Finanzeffizienz. Dabei schlagen der Verwaltungsaufwand und die relativ hohe Steuerbelastung der juristischen Personen gegenüber natürlichen Personen negativ zu Buche.

Luzern – 5 (6)

Luzern bietet schweizweit die tiefsten Steuersätze für Unternehmen und damit eines der attraktivsten Kostenumfelder. Die junge Bevölkerung führt zu einer guten Bewertung des Arbeitsmarkts und die Finanzeffizienz ist überdurchschnittlich hoch. Nur bei der Innovation liegt der Zentralschweizer Kanton klar unter dem Medianwert. Neben der geringen Zahl an Patentanmeldungen und der tiefen Zahl an Beschäftigten in den Bereichen Forschung und Entwicklung fehlt es dem Kanton vor allem an einem ausgeprägten Cluster.

Nidwalden – 7 (7)

Der Kanton Nidwalden liegt zwar wie im Vorjahr auf dem siebten Rang, hat punktemässig aber deutlich zugelegt. Er glänzt durch die wirtschaftsfreundlichste Finanzpolitik aller Kantone. Dies ist dem hohen Investitionsniveau und dem Bemühen um eine schlanke Verwaltung zu verdanken, unter anderem durch eine sehr strikte Schuldenbremse. Zudem punktet der Halbkanton beim Kostenumfeld mit tiefen Unternehmenssteuern und niedrigen übrigen Kosten. Eine noch höhere Wettbewerbsfähigkeit wird durch eine tiefe Diversifikation der Wirtschaft sowie mittlere Werte bei Dynamik, Innovation und Einzugsgebiet verhindert.

Schwyz – 8 (10)

Schwyz konnte sich um zwei Ränge verbessern und reiht sich knapp hinter den beiden anderen Zentralschweizer Kantonen Luzern und Nidwalden in die Kategorie mit hoher Wettbewerbsfähigkeit ein. Die Verbesserung ist vor allem auf die starke Dynamik bei den Unternehmensgründungen und den Zuzug vieler gut ausgebildeten Personen zurückzuführen. Letzteres spiegelt sich in einem im Vergleich zum Vorjahr höheren Wert beim Humankapital wider. Eine geringe Arbeitslosenquote mit einem relativ tiefen Anteil an Langzeit- und Jugendarbeitslosen und einer vergleichsweise jungen Bevölkerung verhelfen dem Kanton Schwyz weiterhin zu einer hohen Punktzahl beim Arbeitsmarkt. Die niedrigen Steuern tragen zu einem attraktiven Kostenumfeld für Unternehmen bei und der hohe Finanzspielraum des Staates dürfte dafür sorgen, dass dies auch längerfristig so bleiben wird. Achillesferse bleibt die Dynamik der ansässigen Branchen.

Obwalden – 17 (18)

Der Kanton Obwalden weist den besten Wert beim Arbeitsmarkt auf: kaum Arbeitslose, vor allem kaum Langzeitarbeitslose, und eine relativ junge Bevölkerung. Ebenfalls erhält der Kanton hohe Werte bei den Säulen Finanzeffizienz und Finanzspielraum. Bei letzterem wirkt sich positiv aus, dass Obwalden einer der wenigen Kantone mit einer Überdeckung in der öffentlich-rechtlichen Pensionskasse ist. Solide Finanzen ermöglichen es dem Kanton, die Steuern nachhaltig tief zu halten. Das daraus resultierende sehr attraktive Kostenumfeld dürfte auch ein wichtiger Grund für die starke Dynamik bei Unternehmensgründungen in den letzten Jahren sein. Dennoch fehlt es Obwaldens Wirtschaft im Vergleich zu den anderen Kantonen an Innovation, Dynamik und vor allem Diversifikation. Weiter beeinflussen unterdurchschnittliche Werte bei Erreichbarkeit, Einzugsgebiet und Humankapital die Wettbewerbsfähigkeit des Halbkantons negativ.

Uri – 26 (25)

Der Kanton Uri bietet dank tiefer Unternehmenssteuern ein attraktives Kostenumfeld und der Spielraum der Kantonsfinanzen ist intakt. Positiv ins Gewicht fällt der leicht überdurchschnittliche Wert beim Arbeitsmarkt, in
dem eine tiefe Arbeitslosigkeit einer negativen Entwicklung der Erwerbsbevölkerung gegenüber steht. Mit den wenigen Stärken vermag der Kanton aber seine Schwächen nicht zu kompensieren. In den Säulen Dynamik,
Diversifikation, Innovation, Erreichbarkeit und Einzugsgebiet steht Uri auf den hintersten Plätzen. Die leichte Verbesserung des KWI-Wertes gegenüber dem Vorjahr ist auf einen erhöhten Finanzspielraum und das Humankapital zurückzuführen; der Kanton vermochte vor allem den Anteil der Bevölkerung mit höherer Berufsausbildung klar zu steigern.

Zentralschweizer Kantone als Gewinner

Im Vergleich zum Vorjahr gehen die Zentralschweizer Kantone sowie die beiden Appenzell als Gewinner hervor. Sie konnten laut den UBS- Ökonomen die Steuern für Unternehmen stark reduzieren. Zudem weisen diese Kantone tiefe Verschuldungsquoten auf. Als Folge davon seien die Unternehmen gewachsen und neue hochqualifizierte Arbeitskräfte zugezogen.

An Wettbewerbsfähigkeit gegenüber 2012 eingebüsst haben hingegen die Kantone entlang des Juragebirges: Bern, Solothurn, Neuenburg und Jura. Die Steuerbelastung und die Staatsschulden sind hier verhältnismässig hoch. Zudem stehen diese Kantone vor der langfristigen Herausforderung einer überalterten Bevölkerung.

Auch die Zukunftsaussichten der Industrie haben sich in diesen vier Kantonen verschlechtert. Eine Ausnahme bildet der Boom in der Uhrenindustrie: Dies sei eine grosse Chance für die Jurakantone, ihre strukturellen Probleme anzugehen und wieder an Attraktivität zu gewinnen, schreibt die UBS.

Laut den Ökonomen können aus den Zahlen keine Aussagen über die Wohnattraktivität der Kantone gemacht werden. Der Wettbewerbsindikator konzentriere sich ausschliesslich auf das wirtschaftliche Wachstumspotenzial eines Kantons.

Auch Aussagen zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Kantone können nur mit Vorbehalt gemacht werden: Da die Schweiz zu den wettbewerbsfähigsten Ländern gehören würde, seien auch Kantone mit einem tiefen Index-Wert international gesehen durchaus wettbewerbsfähig, schreibt die UBS.

sda/rem