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WETTER: Düstere Woche für Landwirte

Der Wintereinbruch der letzten Woche macht den Obstbauern zu schaffen. Und auch in den nächsten Tagen können sie noch wohl nicht aufatmen.
Samantha Taylor
Schnee und Frost haben vor allem für die Äpfel-, Birnen- und Kirschbäume Folgen. (Bild: Stefan Kaiser/ZZ)

Schnee und Frost haben vor allem für die Äpfel-, Birnen- und Kirschbäume Folgen. (Bild: Stefan Kaiser/ZZ)

Samantha Taylor

Regen, eisige Temperaturen, Schnee und Frost: Die letzte Woche bot so ziemlich alles ausser frühlingshaftes Wetter. Nach kurzen Aufhellungen Ende der Woche konnte dann auch der Sonntag wieder unter dem Titel nasskalt abgeschrieben werden. Für die nächsten Tage sieht es kaum besser aus.

Was vielen einfach «nur» aufs Gemüt schlägt, war für die Bauern eine regelrechte Herausforderung und hat für manche einschneidende Folgen. Denn vor allem den Obstbäumen, namentlich den Äpfeln, Birnen und Kirschen, haben die winterlichen Bedingungen zugesetzt. «Die Auswirkungen sind sehr unterschiedlich. Aber es hat für einige wirklich schwere Konsequenzen», sagt Louis Suter, Leiter der kantonalen Fachstelle für Obstbau.

Alles hängt von der Lage ab

Wie schlimm es die Obstbäume getroffen habe, hänge von ihrer Lage ab. «Einerseits kommt es darauf an, wie weit die Bäume in ihrer Blüte schon sind, andererseits war es entscheidend, wie tief die Temperaturen gefallen sind», erklärt der Obstfachmann. In gewissen Regionen hätten etwa die Äpfel schon zu blühen begonnen, und die Birnen stünden gar in voller Blüte. «Wenn es dort Temperaturen bis zu minus 5 Grad gab, dann müssen sehr grosse Schäden in Kauf genommen werden. Teilweise muss die Ernte sogar abgeschrieben werden», so Suter weiter. Besonders hart getroffen hat es laut dem Obstfachmann unter anderem das Gebiet Deinikon in Baar sowie den Reussboden.

Jede Nacht unterwegs

Eine harte Woche hinter sich hat beispielsweise die Familie Hotz, die ihren Betrieb in einem dieser Gebiete, in Deinikon, hat. «Mein Vater und ich haben die ganze Woche während der Nacht Frostwache gehalten. Wir gingen alle zwei Stunden raus, um zu überprüfen, ob es Frost gab oder nicht», berichtet Philipp Hotz, der für den Obstbau im Betrieb verantwortlich ist. Anfang der Woche habe es nur leichte Frostnächte gegeben. «Von Mittwoch auf Donnerstag sowie von Donnerstag auf Freitag gab es dann aber starken Frost – also Temperaturen um die minus 3 bis minus 4 Grad», erklärt Hotz.

Paraffinkerzen aufgestellt

In diesen beiden Nächten wurde die Familie aktiv. «In unseren Tafelkirschenkulturen haben wir rund 320 Paraffinkerzen angezündet», sagt Philipp Hotz. Damit sei es gelungen, die Temperatur leicht über dem Gefrierpunkt zu halten. Allerdings habe man sich aus Kostengründen auf diese Kultur beschränken müssen. «Ausserdem sind die Chriesiblüten sehr empfindlich. Bei Temperaturen unter minus 0,5 Grad sterben sie ab. Mit den Kerzen konnten wir das Schlimmste verhindern», erklärt der Baarer. Trotzdem müssten wohl leichte Schäden vor allem in den untersten Baumbereichen in Kauf genommen werden. Und: «Bei den anderen Kulturen rechnen wir mit grossen Schäden.»

Weniger Honig

Es sind allerdings nicht nur die Landwirte, die die Konsequenzen aus dem Wintereinbruch der vergangenen Woche zu spüren bekommen. Auch den Imkern bereitet das Wetter derzeit keine grosse Freude. Zwar seien die Bienen grundsätzlich ziemlich robust und auf solche Kälteeinbrüche sowie wechselhaftes Wetter gut eingestellt, sagt Friedrich Arnet, Präsident des Zuger kantonalen Imkervereins. Die Bienen versorgen sich in solchen Zeiten im Kasten einfach selber. «Da sie dann nicht fliegen, hat das für uns aber natürlich zur Folge, dass der Ertrag gemindert wird», erklärt Arnet weiter. Ginge es nach den Imkern, dann hätte der Kälteeinbruch besser früher kommen sollen. «Der Winter war zu mild», sagt der Vereinspräsident und ergänzt: «Die Behandlung gegen die Varroamilbe, die den Bienen schadet, hat deshalb wohl nicht ausreichend gewirkt. Die Belastung durch die Milbe ist teilweise sehr hoch.» Welche Folgen das habe, werden man aber erst im Sommer sehen.

Noch nicht vorbei

Auch Philipp Hotz sowie die anderen Landwirte im Kanton können heute noch nicht genau sagen, wie gross die Schäden beim Ertrag sein werden. «Das wird sich in den nächsten Wochen herausstellen», sagt Louis Suter. Der Obstfachmann betont ausserdem: «Es ist noch nicht vorbei. Auch die nächsten Tage ist das Wetter unbeständig, und es erwarten uns kühle Temperaturen. Das kann noch mal Folgen haben.» Philipp Hotz hofft zwar, dass das Gröbste überstanden ist, will sich aber noch nicht zurücklehnen. «Wir müssen die Entwicklung im Auge behalten», sagt er. Was für viele eine weiterhin anstrengende Zeit mit einigen schlaflosen Nächten bedeute. Hotz: «Man ist auch psychisch angespannt. Denn eine Nacht kann einen Grossteil der Erträge zerstören. Das ist happig.»

Gut schützen und geduldig sein

Neben Obstbäumen und Bienen haben auch die klassischen Garten- und Terrasse–pflanzen Mühe mit dem unerwarteten Wintereinbruch und den zu kühlen Temperaturen. Grundsätzlich würden zwar auch Garten- und Balkonpflanzen ein bisschen was vertragen. «Man muss diese Minustemperaturen nicht überbewerten. Dennoch sollte man vor allem mit mediterranen Pflanzen derzeit noch vorsichtig sein», sagt dazu Maurus Schönenberger, Geschäftsführer von Schönenberger Gartenbau. Wer die Pflanzen über den Winter im Haus gehabt und sie während der warmen Periode nun schon in den Garten oder auf den Balkon gestellt habe, sei gut beraten, diese derzeit wieder etwas zu schützen. «Idealerweise packt man sie abends mit einem Flies ein oder stellt sie an einen geschützten Ort», erklärt Schönenberger. Denn der Frost könne die Blütenbildung stören. Das Flies sollte tagsüber wieder entfernt werden.

Wer zu Haus schon den Sommerflor habe, der solle sich mit dem Einpflanzen unbedingt noch etwas gedulden, rät der Experte. «Am besten wartet man die Eisheiligen ab», sagt Schönenberger. Die Kalte Sophie – die letzte der Eisheiligen – ist dieses Jahr am 15. Mai.

Auf dem Hotzenhof in Deinikon brannten zum Wärmen der Chriesibäume in zwei Nächten rund 320 Paraffinkerzen. (Bild: Stefan Kaiser/PD)

Auf dem Hotzenhof in Deinikon brannten zum Wärmen der Chriesibäume in zwei Nächten rund 320 Paraffinkerzen. (Bild: Stefan Kaiser/PD)

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