Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

WETTER: Kerzen und Heizungen für Früchte

Der neuerliche Wintereinbruch und vor allem die frostigen Temperaturen bescheren den Obstbauern schlaflose Nächte. Um ihre Kulturen zu schützen, lassen sie sich einiges einfallen.
Samantha Taylor
Philipp Hotz hat einen Teil seines Betriebs mit Paraffinkerzen ausgestattet (grosses Bild). In Rotkreuz werden die Erdbeeren mit einer Wärmeluftanlage vor der Kälte geschützt. (Bilder: Stefan Kaiser/PD)

Philipp Hotz hat einen Teil seines Betriebs mit Paraffinkerzen ausgestattet (grosses Bild). In Rotkreuz werden die Erdbeeren mit einer Wärmeluftanlage vor der Kälte geschützt. (Bilder: Stefan Kaiser/PD)

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

Die Landwirte sind besorgt. Der Wintereinbruch dieser Tage setzt ihren Kulturen zu und hält die Obst- und Gemüsebauern auf Trab. «Es sieht derzeit nicht gut aus. Das Wetter spielt vielen Kulturen übel mit», sagt Louis Suter, Obstbauverantwortlicher des Kantons Zug. So stehen die Erdbeeren in voller Blüte, genauso wie teilweise die Kirschbäume, wobei – je nach Lage und Sorte – einige schon verblüht sind und bereits die ersten kleinen Früchte tragen. Auch andere Steinobstkulturen wie etwa die Zwetschge und sogar die ersten Apfelbäume blühen bereits.

«Der Frühling hat mild begonnen. Darum sind die meisten Kulturen zwei bis drei Wochen voraus. Das ist jetzt bei dem Kälteeinbruch natürlich schlecht», sagt Philipp Hotz vom Hotzenhof in Deinikon in Baar. Vor allem um die Reben und die Äpfel macht er sich Sorgen. Dabei sind es die Nächte, die kritisch für die Kulturen sind. Aktuell sind Temperaturen um und unter dem Gefrierpunkt sowie Frost angesagt. «Da kann viel Arbeit und Kapital in kürzester Zeit zerstört werden», erklärt Jonas Boog, der auf dem Familienbetrieb in Hünenberg tätig ist. «Erdbeeren, Heidelbeeren, Johannisbeeren, Spargeln, Aprikosen – diese Kulturen sind bei uns derzeit gefährdet.»

Stündliche Kontrollen sind nötig

Um den Schaden in Grenzen zu halten, versuchen die Obstbauern mit diversen Mitteln, ihre Pflanzen zu schützen. So hat Philipp Hotz mit seinem Team gestern in den Reben rund 200 Paraffinkerzen aufgestellt, mit denen die Temperatur in diesem Bereich nachts über dem Gefrierpunkt gehalten werden soll. Je nach Prognose wird er heute weitere 400 Kerzen zwischen den Apfelbäumen aufstellen. Das klingt nach viel, geschützt wird damit aber nur ein kleiner Teil der Fläche. «Es braucht 250 bis 300 Kerzen für eine Hektare. Insgesamt können wir mit den Kerzen etwa 2 von unseren 10 Hektaren schützen», sagt Hotz. Dass nicht mehr Kerzen zum Einsatz kommen, hängt mit den Kosten zusammen. «Eine Kerze kostet 12 Franken. Es brennen hier also schnell mal ein paar tausend Franken», erklärt Hotz. Ob die Feuer entfacht werden, entscheidet sich kurzfristig. «In solchen Nächten müssen wir jede Stunde oder noch öfter raus, um die Temperatur zu messen. Bei 0 Grad Celsius müssen wir handeln», sagt Hotz. Dass er derzeit kaum zum Schlafen kommt, macht ihm nichts aus. «In solchen Situationen kann ich eh kein Auge zumachen.»

Schlaflose Nächte hat auch Jonas Boog. Obwohl man auf seinem Betrieb mit der Frostwäs­serung gegen die Kälte vorgeht. Dabei werden die Pflanzen mit feinen Wassertröpfchen besprüht. Wenn das Wasser gefriert, bildet es eine Schutzhülle um die Frucht oder Blüte. «Wir müssen die Wässerung im richtigen Moment starten. Darum ist es wichtig, dass wir die Temperatur während der Nacht im Auge behalten. Sobald sie unter 1 Grad sinkt, müssen wir handeln», sagt Boog.

Erdbeertunnel wird beheizt

Zu einem ganz anderen Mittel greift Reto Zimmermann, der seinen Betrieb in Rotkreuz hat. Seine Erdbeeren schützt er mit einem Tunnel und mit Vlies. Das mache er immer so. «Ich dachte mir aber, dieses Jahr muss ich mal was Neues ausprobieren, das noch besser wirkt», erzählt er. Und darum hat er beschlossen, die Tunnel zusätzlich mit einer Wärmeluftheizung zu wärmen. «Ich habe relativ kurzfristig einen Zeltvermieter angefragt und dann die entsprechende Anlage bekommen», sagt Zimmermann. In der Nacht auf gestern habe er die Anlage getestet. «Sollten die Temperaturen unter null fallen, werde ich die Anlage einsetzen. Ich habe sie vorläufig mal für eine Woche gemietet.»

Ob die Kälte bereits bleibende Schäden bei den Obstkulturen verursacht hat, kann man derzeit laut Louis Suter noch nicht sagen. «Es hängt alles von den nächsten Nächten ab.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.