Whatsapp-Gottesdienste und Streaming: Die Zuger Kirchen gehen an Ostern kreative Wege

Die Coronapandemie zwingt Katholiken und Reformierte im Kanton Zug zum Umdenken. Wegen des Versammlungsverbotes entsteht eine Vielzahl neuer Angebote.

Laura Sibold
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Der katholische Pfarrer Anthony Chukwu und Katechetin Alida Takács führen am Ostersamstag einen WhatsApp-Gottesdienst durch.

Der katholische Pfarrer Anthony Chukwu und Katechetin Alida Takács führen am Ostersamstag einen WhatsApp-Gottesdienst durch.

Bild: Maria Schmid (Baar, 7.4.2020)

Die grundlegenden Formen des kirchlichen Lebens fehlen derzeit. Alle öffentlichen Gottesdienste und religiösen Versammlungen sind bis mindestens 26. April untersagt. Doch gerade in dieser herausfordernden Zeit suchen viele Menschen im Glauben Halt. So bestätigen Seelsorger im Kanton Zug, dass der Bedarf nach Gesprächen seit Beginn der Pandemie deutlich zugenommen habe. Viele Pfarrerinnen und Pfarrer kümmern sich nun telefonisch um ihre Gemeindemitglieder, sind per Skype oder Whatsapp verfügbar und schreiben Briefe.

«Viele Menschen sind sehr dankbar,
wenn sie merken, dass jemand sie wahrnimmt und sie sich bei Sorgen melden können.»

Das sagt Sarah Bally, reformierte Sozialdiakonin in Steinhausen. Sie ruft derzeit mit Pfarrkollegen alle Gemeindemitglieder an, die über 70 Jahre alt sind. So proaktiv gehen viele Seelsorger vor, darunter auch Ralf Binder, katholischer Pfarrer in Walchwil. Er verbringt den Tag damit, den Mitgliedern seiner Gemeinschaft seine Unterstützung anzubieten.

Die Solidarität der Kirchen ist gross: Diverse Pfarreien und Bezirke haben sich mit der zentralen Koordinationsstelle Nachbarschaftshilfe vernetzt und bieten Einkaufsdienst, Medikament-Lieferung oder Kinderbetreuung an. Da persönliche Begegnungen über Ostern nicht stattfinden können, werden die Kirchen mit kleinen Aufmerksamkeiten kreativ und bieten über digitale Kanäle Möglichkeiten für Spiritualität und Zuwendung.

Online-Videos, Podcasts und ein origineller Bibelkreis

Im Internet sind die Kirchen präsent wie nie. Die Reformierte Kirche Kanton Zug schaltet auf ihrer Website jeden Sonntag eine gottesdienstähnliche Feier als Video auf, die von Pfarrpersonen aus dem Kanton gestaltet wird. Bernhard Lenfers, Gemeindeleiter der katholischen Pfarrei St.Johannes Zug, stellt jeden Tag ein vierminütiges Video als spirituellen Impuls auf die Plattform Youtube. Mit seiner Idee stiess er beim gesamten Pastoralraum Zug Walchwil auf offene Ohren: Seit Palmsonntag veröffentlichen verschiedene Pfarreileitende kürzere Videos auf Youtube, über Ostern sollen weitere folgen. Das seien geistliche Impulse, die man allen suchenden Menschen in dieser anspruchsvollen Zeit mitgeben wolle, betont Reto Kaufmann, Pastoralraumleiter Zug Walchwil. «Predigten ohne Gemeinschaft zu halten und ohne die Menschen spüren zu können, ist eine grosse Herausforderung.»

Die Pfarrei Baar versucht diese Herausforderung auf besonders kreative Art und Weise zu meistern. Vor zwei Wochen haben Pfarrer Anthony Chukwu und Katechetin Alida Takács erstmals einen Gottesdienst per Whatsapp durchgeführt, ein weiterer findet am Ostersamstag statt. Die Teilnehmer werden in eine Whatsapp-Gruppe eingeladen und erhalten während des Gottesdienstes Bibeltexte und Predigten, die jeder selbstständig zu Hause liest. Über einen Youtubelink schickt die Katechetin den Teilnehmern Lieder, die gemeinsam gehört und gesungen werden. Anschliessend können alle Gläubigen eine Fürbitte in den Chat schicken und auch die Beiträge der anderen lesen.

«Jeder und jede der rund 20 Teilnehmer kann an diesem Gottesdienst mitwirken. Das ist ein spannendes Gruppenerlebnis», ist Chukwu überzeugt.

Einen ähnlichen Weg geht die Pfarrei Hünenberg. Über die Videoplattform Zoom lädt Diakon Christian Kelter Interessierte über Ostern zweimal zum Bibelkreis ein. Die reformierte Kirche Bezirk Baar Neuheim schaltet derweil jede Woche einen Podcast auf ihrer Website auf. Unter dem Titel «igworfä» wollen die fünf- bis zehnminütigen Sprachaufnahmen aktuelle Erfahrungen von Gläubigen mit biblischen Einwürfen aufhellen und zum Nachdenken anregen.

Kerzen und Osterfeuer als Zeichen der Hoffnung

Darüber hinaus werden in vielen Kirchen Gottesdienste still, also ohne Publikum gefeiert. Christof Arnold, katholischer Gemeindeleiter in Menzingen und Neuheim, erklärt: «Wir beten auch für die Anliegen der Pfarreiangehörigen. Sie können ihre Wünsche per E-Mail oder telefonisch mitteilen.» Das bestätigt auch Andreas Haas, reformierter Pfarrer in der City Kirche Zug. Die Wünsche der Menschen, nach Gebet und Meditationen am Telefon zu spüren, sei berührend. «Wir zünden für die Anliegen der Gläubigen in der Kirche Kerzen an. Das Angebot kommt gut an.» Für das persönliche Gebet bleiben die Kirchen und Kapellen im Kanton Zug weiterhin offen. Gläubige können in den Gotteshäusern Kerzen anzünden, Fürbitten schreiben und finden auf vielen Altären Trostworte, Gebete oder liturgische Texte zum Mitnehmen.

Auch die Kirchen im Kanton Zug beteiligen sich an der schweizweiten Aktion «Lichtblick Ostern». Am Gründonnerstag rufen die Kirchen dazu auf, um 20 Uhr auf den Fenstersimsen Kerzen anzuzünden und für alle Menschen zu beten. Schweizweit läuten heute um 20Uhr sowie am Ostersonntag um 10Uhr die Kirchenglocken. Am Karsamstag, um 20Uhr, entfachen viele Kirchen Osterlichter im Freien und Menschen zu Hause sollen wiederum mit Kerzen einen Lichtblick bilden. So soll in dieser anspruchsvollen Zeit ein Zeichen der Hoffnung gesetzt werden.