Whistleblower Meili auf Zuger Leinwand

AmMittwoch zeigt das Kino Gotthard den Dokumentarfilm zum Whistleblower Christoph Meili. Dabei wird die Geschichte des ehemaligen Wachmanns neu aufgerollt.

Vanessa Varisco
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Die Hünenbergerin Patricia Diermeier mit ihrem Buch zur Affäre Meili. (Bild: Werner Schelbert (20. August 2018))

Die Hünenbergerin Patricia Diermeier mit ihrem Buch zur Affäre Meili. (Bild: Werner Schelbert (20. August 2018))

Vor mehr als 20 Jahren machte Christoph Meili 1997 die Vernichtung alter Bankbelege über nachrichtenlose Vermögen von Holocaustopfern publik. Damals arbeitete der inzwischen 50-jährige Meili als Wachmann bei der Schweizerischen Bankgesellschaft. Auf seiner abendlichen Runde im Hauptsitz der UBS – damals SBG – entdeckte er bei Schreddern Konto-Auszüge mit Geschäftsvorgängen. Er wusste, dass es seit einigen Wochen ein Verbot gab, Dokumente aus den 30er und 40er Jahren wegzuwerfen. Er packte einige Bände und lose Seiten ein – die er schliesslich an eine Journalistin weiterreichte. Durch die Veröffentlichung der Dokumente geriet er in einen Konflikt.

Mit dem Dokumentarfilm «Die Affäre Meili – ein Whistleblower zwischen Moral und Milliarden» wird die Geschichte Meilis erneut aufgegriffen. In Interviews kommen die beteiligten Akteure noch einmal zu Wort und schildern ihre Sicht. Darunter Whistleblower Meili selbst, Ex-Botschafter Thomas Borer und der ehemalige US-Senator Alfonse D’Amato. Thomas Borer leitete damals die Task-Force zur Untersuchung der nachrichtenlosen Vermögen; mit ihm hat Meili sich kürzlich versöhnt. «Die Besucher erwartet ein spannender Einblick in das eines der grössten Kommunikationsdesaster der Schweiz», verrät Patricia Diermeier, deren Buch die Vorlage für den Film liefert. «Der Film zeigt, wie die Schweiz von einem Fettnäpfchen ins nächste getreten ist und im Ausland versucht hat, sich zu rehabilitieren.»

Unterschiedliche Wahrnehmmungen

Bereits vor zehn Jahren stand die Idee im Raum, einen Film zur Affäre Meili zu drehen – wurde damals allerdings auf Eis gelegt. «Die Filmgesellschaft hat das Projekt allerdings nicht losgelassen. Deshalb wurde vor zwei Jahren der Entschluss gefällt, den Film zu drehen», sagt Patricia Diermeier. So entstand gemeinsam mit Filmemacher Daniel von Aarburg die Dokumentation. Diermeiers Buch – 2003 erstmals erschienen – diente als Vorlage, da ausführliche Aufzeichnungen über den Fall Meili fehlten. Aktiv mitgearbeitet am Filmprojekt hat die Autorin nicht; aber Fotos und ihr Archiv hat sie zur Verfügung gestellt. «Erstaunt hat mich beim Recherchieren und Schreiben, wie Meili von der Bevölkerung unterschiedlich wahrgenommen wurde und einen Wandel vom Helden zum Verräter durchlaufen hat», berichtet Diermeier. Während um die Jahrtausendwende seine Tat in der Schweiz kritisiert wurde, feierte man sie in den USA, wohin Meili ausgewandert ist und politisches Asyl erhielt, mit der Unterstützung des damaligen US-Senators D’Amato. Seit 2009 ist Meili zurück in der Schweiz.

Im Hinblick auf den Filmdreh hat Patricia Diermeier ihr Buch aktualisiert, wobei sie die Rückkehr Meilis in ihrem Buch aufgenommen hat. Weiter hat sie recherchiert, was mit den damaligen Protagonisten passiert ist und wie die nachrichtenlosen Gelder verteilt wurden. «Die Schwierigkeit liegt noch immer im Beschaffen der Informationen, denn die Banken mauern bis heute», erklärt die Hünenbergerin. Die Ereignisse nach der Rückkehr des Whistleblowers werden im Übrigen auch im Film entsprechend thematisiert.

Ruf korrigiert

Gezeigt wurde der Film bereits in Altdorf. Im Dialog mit den Besuchern erntete Meili dort Anerkennung und hat sich von seinem Ruf als Nestbeschmutzer rehabilitiert. (Zentralschweiz am Sonntag berichtete). Doch hat er seit seiner Rückkehr vor neun Jahren in die Schweiz noch immer keine richtige Arbeit gefunden, lediglich eine 15-Prozent-Anstellung. Nach zwanzig Jahren erhält seine Stimme mit Hilfe des Films aber Gehör.

Hinweis

Der Dokumentarfilm «Die Affäre Meili – ein Whistleblower zwischen Moral und Milliarden» wird am Mittwoch, 22. August um 20.15 Uhr im Kino Gotthard gezeigt. Anschliessend beantworten Christoph Meili und Patricia Diermeier Fragen und laden zur Diskussion.