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Stier Wichtel braucht viel Zuwendung

Erwin Niederberger aus Unterägeri zeigt seinen Stier am Stierenmarkt Zug vom 4. und 5. September. Zuvor braucht das Tier reichlich Pflege.
Cornelia Bisch
Landwirt Erwin Niederberger und sein Stier Wichtel sind ein gutes Team. (Bild: Maria Schmid, Unterägeri, 29. August 2019)

Landwirt Erwin Niederberger und sein Stier Wichtel sind ein gutes Team. (Bild: Maria Schmid, Unterägeri, 29. August 2019)

Er sei ein ganz Lieber, sagt Bauer Erwin Niederberger aus Unterägeri und tätschelt Stier Wichtel liebevoll den kapitalen Schädel. Dieser brummelt ein wenig und leckt dem Landwirt die Hand. Sie sind ein gutes Team, die beiden. Eine wichtige Voraussetzung für die Zucht und Haltung von Stieren, erklärt Niederberger. «Ein Stier vergisst nichts», betont er. Man dürfe schon resolut auftreten, aber wenn ein Stier Schläge erhalte oder grob behandelt werde, sei die Beziehung zum Züchter nachhaltig getrübt. «Der Umgang mit einem Stier erfordert viel Geduld und Einfühlungsvermögen. Stiere brauchen bedeutend mehr Zuwendung als Kühe.» Als Besitzer des elterlichen Hofs, den er gemeinsam mit seinem Bruder führt, ist Niederberger mit der Stierzucht aufgewachsen. «Das ist ein grosser Vorteil. Man wächst in diese Aufgabe hinein.» Auch seine vier Kinder helfen oft mit, Wichtel zu betreuen.

Am Stierenmarkt wird er den Experten vorgeführt, aber nicht verkauft. «Die Einschätzung der Fachleute zeigt mir die Qualitäten des Tiers auf», erklärt der 49-jährige Landwirt. «Selbst wird man oft etwas betriebsblind.» Er nutzt die Zeit am Stierenmarkt auch, um andere Tiere zu sichten und Kontakte zu knüpfen. «Alle zwei bis drei Jahre wechseln wir den Stier aus, damit wieder eine andere Blutlinie auf den Hof kommt.» Wichtel hat er von einem Landwirt aus dem Muotathal gemietet. Auf die Wintermonate hin sucht er einen neuen Platz für das Tier. Auch diesbezüglich kann er am Stierenmarkt seine Fühler ausstrecken. Als Züchter kennt man sich. Auch die meisten Tiernamen sind bekannt. Im Ausstellungskatalog sind neben vielen anderen Informationen die Namen der Eltern und Grosseltern der gehandelten Stiere aufgeführt, sodass deren Blutlinie klar ersichtlich ist. «Im Internet können die Stammbäume sogar bis in die 1970er-Jahre zurückverfolgt werden.»

Gehandelt werden dieses Jahr 147 Original-Braunvieh-Stiere und 108 Brown-Swiss-Stiere. Im letzten Jahr lag der erzielte Durchschnittspreis laut Braunvieh Schweiz beim knapp 2800 Franken. «Ich erhielt für meinen vierjährigen Zuchtstier sogar den sehr guten Preis von 5000 Franken», erzählt Niederberger. Bei den 30000 Franken Siegerpreis, die der Schwingerkönig für Stier Kolin erhalten hat, handle es sich um einen Symbolpreis. «So viel Wert ist kein Stier.»

Geputzt und gestriegelt

Rund einen Monat vor dem Stierenmarkt beginnt man mit einer intensiveren Betreuung des Tieres. «Der Stier wird wöchentlich schamponiert und gestriegelt, damit das Fell schön glänzt», erzählt der Züchter. So oft wie möglich geht er mit Wichtel auf dem Hof spazieren, damit er sich ans Halfter gewöhnt und lernt, auf Befehl ruhig zu stehen. Kurz vor der Ausstellung bekommt der Prachtkerl eine Pediküre beziehungsweise Klauenpflege sowie eine Hornpolitur mit Melkfett. Am Tag der Ausstellung legt Niederberger dem Tier ein hübsch besticktes Halfter und einen frisch glänzenden Nasenriemen an. Dann ist die Vorbereitung abgeschlossen. «Während der Ausstellung werden die Tiere durch Angestellte des Braunviehverbands betreut und gefüttert.» Für den Transport ist ein spezielles Unternehmen zuständig. «Es werden Sammeltransporte in der Region durchgeführt, damit nicht jeder Bauer sein Tier extra führen muss.» Diese Transporte werden vom Verband finanziell unterstützt, was Erwin Niederberger sehr schätzt.

«Wir hatten immer weniger Tiere, sodass wir die Attraktivität des Anlasses steigern mussten», erklärt Jörg Haehni, Fachbereichsleiter Marketing/Verkauf von Braunvieh Schweiz. Neu kann man auch Patenschaften für den schwersten, den grössten und den nachwuchsreichsten Stier übernehmen oder für all jene, die am 4. oder 5. September Geburtstag haben. «Die Patenschaften kosten 500 Franken», erklärt Haehni. Dafür erhält man freien Eintritt mit Mittagessen für zwei Personen am Zuger Stierenmarkt sowie weitere Gefälligkeiten.

«Die Teilnahme an der Ausstellung ist zwar sehr aufwendig», betont Erwin Niederberger. «Aber der Anlass ist für die ganze Familie zu einer schönen Tradition geworden, die wir nicht missen möchten.»

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