Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Widerstand gegen die Fällung einer Chamer Birkenallee

Entlang der Knonauerstrasse sollen 21 Birken gefällt werden. Der Kanton begründet dies mit Sicherheitsbedenken. Gegen das Vorhaben wehrt sich nun eine nationale Stiftung.
Zoe Gwerder
Die Birkenallee an der Knonauerstrasse soll gefällt werden. (Bild: Werner Schelbert (Cham, 28. Mai 2018))

Die Birkenallee an der Knonauerstrasse soll gefällt werden. (Bild: Werner Schelbert (Cham, 28. Mai 2018))

Die Birkenallee entlang der Knonauerstrasse in Cham – zwischen Langacker und Oberwil – wirkt unscheinbar. Doch aus der Sicht von Raimund Rodewald, bildet die Allee eine optische Verbindung der Strasse zur Natur. Rodewald ist Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, die sich unter anderem für den Erhalt von Baumalleen einsetzt. «Die Alleen dämpfen den negativen Aspekt einer solchen Strasse, welche die Landschaft durchtrennt.»

Gegen die Pläne des Kantons, die Bäume zu fällen, hat die Stiftung Einsprache erhoben. Sie fordert einen runden Tisch, um eine Lösung zu finden. Die Gemeinde Cham hat bereits den Kontakt zum Kanton gesucht und würde gerne gemeinsam mit allen Beteiligten zusammensitzen, um eine Lösung zu finden, wie Marc Amgwerd, Leiter der Abteilung Verkehr und Sicherheit sagt.

Kanton stuft Bäume als Sicherheitsrisiko ein

Auch der kantonale Baudirektor, Urs Hürlimann, zeigt sich offen gegenüber einem runden Tisch. Wie er in einer schriftlichen Antwort festhält, müssen die 21 Birken, die alle rund 45 Jahre alt sind, gefällt werden, da sie sonst ein Sicherheitsrisiko darstellen. Holzabbauende Pilze hätten das Kernholz befallen. Der gesunde Teil der Baumsubstanz – das sogenannte Splintholz – sei nicht mehr stark genug, um die Stabilität des Baumes zu gewährleisten. Dies hätten die Baumpflegespezialisten, die die Bäume einmal im Jahr begutachten, festgestellt.

Rodewald vom Landschaftsschutz Schweiz ist hier anderer Meinung: Das Problem, dass das Kernholz der Bäume in den Baumkronen ausgefault ist, sei hausgemacht, erklärt Rodewald. Denn in der Schweiz sei es normal, dass die Bäume gekappt würden. «Ein schweizerisches Unding», wie er sagt. «Bei Birken ist das Kappen furchtbar. Der Baum stirbt zwar nicht ab, fault aber aus.» Die Substanz des Baumes bleibe gut. Und die Bäume an der Knonauerstrasse, die er auf Bildern gesehen habe, sähen gut aus. Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz fordert nicht nur ein Stehenlassen oder Ersetzten der Bäume, sondern auch eine Weiterführung der Allee bis ins Dorfzentrum der Gemeinde Cham.

Nicht kulturhistorisch wertvoll

Gemäss dem Baudirektor ist ein Ersatz aller Bäume an den derzeitigen Standorten aus Gründen der Sicherheit abzulehnen, da der gesetzliche Mindestabstand von 3 Metern zum Strassenrand nicht eingehalten werden könne. Es sei aber durchaus denkbar, einzelne Bäume zu ersetzen, wenn die Sicherheitsvorschriften eingehalten werden könnten. Hürlimann hält zudem fest, dass der Kanton die bestehende Birkenallee, beziehungsweise deren Restbestand, nicht als kulturhistorisch wertvoll und damit erhaltenswert einstufe. «Die Knonauerstrasse ist kein historischer Verkehrsweg, sondern entspricht eher einer störender Zäsur in der Landschaft», wie Hürlimann weiter schreibt.

Schweizer Alleen und ihre Geschichte

Die Geschichte der Alleen reicht bi in die Antike. Wie die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz in ihrem Papier «Bestand und Bedeutung von Alleen und Alleenlandschaften in der Schweiz» schreibt, gab es früher noch deutlich mehr Alleen in der Schweiz, als dies heute der Fall ist. «Die Allendichte stellt nur noch einen Bruchteil des Bestandes dar, den man noch anfangs des 20. Jahrhunderts erleben konnte.» Ursprünglich bezeichnet die Allee einen gestalteten Gartenweg. Später wurden auch in der freien Landschaft Ulmenreihen gepflanzt, um deren Holz zur Produktion von Kriegsfuhrwerken zu verarbeiten.

Stark verändert hat sich die Bedeutung der Alleen mit der Motorisierung und dem Ausbau der Strassen, wie Bericht steht. So seien unzählige Bäume der Verbreiterung der Strassen zum Opfer gefallen oder sie kamen nach dem Ausbau so nahe an die Strasse heran, dass sie zum Risiko für den Strassenverkehr wurden. So verschwanden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Schweiz «weit mehr als die Hälfte aller Alleen».

Es besteht zwar kein schweizweites Inventar schützenswerter Alleen. Einzelne Objekte werden aber im Inventar der schützenswerten Ortsbilder oder im Inventar der Verkehrswege von nationaler Bedeutung berücksichtigt. (zg)

Baumallee an der Knonauerstrasse

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.