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Wie der Schmid in Cham früher Schuhnägel herstellte

Das Zuger Gewerbe war lebhaft in der Vergangenheit: Auch Hammer- und Nagelschmitten gehörten dazu.
Vanessa Varisco

Ambossklang und Hammergesang, ein Zischen und Gischen des Wassers am laufenden Wasserrad – so klang es typischerweise in einer Hammerschmiede. Auch in jener, die im 17. Jahrhundert am Ufer der Lorze in Cham entstand. Ein gut geeigneter Standort, speist das Wasser der Lorze doch seit langer Zeit zahlreiche Mühlengewerbe.

Ein heisser Beruf: Schmiede verbrachten viel Zeit in der Nähe ihres Ofens.

Ein heisser Beruf: Schmiede verbrachten viel Zeit in der Nähe ihres Ofens.

Doch gegen die Hammerschmiede ballte sich bald Widerstand aus Zug und Cham zusammen, wie Ratserkenntnisse von 1636 bezeugen. Was Folgen hatte: 1657 entschied der Rat, dass der Schmied jährlich sechs Hellebarten für den Bodenzins abliefern musste und ausserdem sollte er sich in seiner Arbeit «bescheidentlich» halten. 1820 war schliesslich der Ratsherr und Papierer Josef Bär Besitzer, verkaufte die Schmiede allerdings noch im selben Jahr. Als sie Konkurs geht, kauft er sie wieder zurück, bevor sie dann 1825 in das Eigentum von Johann Jakob Vogel übergeht. Dessen Sohn, Heinrich Ulrich Vogel, handelte vorausschauend: Denn da um jene Zeit der Roheisenhandel zurückging und die Papierfabrikation im Aufschwung war, kaufte er die benachbarte Papierfabrik und liess den Eisenhandel hinter sich.

Das Haus im Hammer wurde vergrössert zu einem Herrenhaus. Ganz nach englischem Stil wurden Parkanlagen wie etwa der Hirschgarten geschaffen. Dort steht auch der «Hirzenchäller», ein origineller Rundbau mit einem Durchmesser von fünf Metern. Oben auf dem Rundbau steht ein romantisch wirkender Pavillon.

Schmieden in Zug, Cham, Baar und Oberägeri

Dem Raum der Hammerschmiede wurde eine neue Aufgabe zuteil: Sie wurde zur Wagner- und Schlosserwerkstatt der Papieri. Einrichtungsgegenstände aus der ehemaligen Chamer Hammerschmiede wurden allerdings noch eine Weile in einer anderen Schmiede verwendet. Namentlich in jener der Gebrüder Meier, die in Alosen eine Hammerschmiede am Dorfbach aufgebaut wurde. Aber nicht nur in Cham und Oberägeri gab es Hammerschmitten: Auch in Baar am Mülibach stand eine. Und in Zug sorgte eine Hammerschmiede bei der ehemaligen Chollermüli für Unmut, da sie 1645 unerlaubterweise um eine Öltrotte und Stampfe erweitert wurde. 1652 musste sie abgebrochen werden, da ihre Schwelle die Brücke über die Lorze gefährdete, wie im Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug «Zuger Ortsnamen» nachzulesen ist.

Doch wie darf man sich eine solche Schmiede eigentlich vorstellen? Essentiell waren drei mächtige Schmiedhämmer. Der Schmied erhitzte ein flaches Eisen, welches von diesen Hämmern zu einem Vierkant geschlagen werden sollte in der sogenannten Esse, einer offenen Feuerstelle mit Anblasung und Abzug.

Die Halterung von einem der Hämmer wird gelöst, sodass das vordere Ende des Hebels emporschnellt, fällt und wieder emporgehoben wird. Angetrieben wurde das ganze von einem Wasserrad und zu hören war nichts mehr ausser dem lauten Stakkato der grossen Hämmer.

2000 Schuhnägel am Tag

Die vierkantigen Eisenstäbe, welche in den Hammerschmieden entstanden, benötigte der Nagelschmied. Schuhnägel, Hufnägel, Nägel für das Aufziehen eiserner Radreifen, Schiffsnägel – die Vielfalt an Varianten ist gross. Die Herstellung verläuft bei allen aber ziemlich ähnlich. Ein Eisenstab von rund zwei bis zweieinhalb Metern Länge wird halbiert. Dann wurde der Stab erhitzt bis er rot glühte, woraufhin der Schmied ihn schnell aus dem Feuer zog und mit wenigen Schlägen auf dem Amboss vierkantig formte.

Unter ständigem Drehen des Stabes wurde er dann an der Kante des Ambosses abgetrennt. Anschliessend wurde das Eisen in eines der Löcher vom Amboss geführt und dessen Ende in die gewünschte Kopfform geschlagen. Je nach Art waren dabei 15 bis 60 Schläge notwendig. Der Schmied vollbrachte dabei Bemerkenswertes: An einem Tag schaffte er bis zu 2000 Schuhnägel. Doch bis einer so geschickt mit dem Hammer umgehen konnte, hatte er in der Regel drei Jahre Lehrzeit und zwei bis vier Jahre Gesellenzeit hinter sich.


Die Serie «Zuger Gewerbe-Geschichte(n)» setzt sich mit Themen aus der wirtschaftlichen Vergangenheit auseinander. Hier lesen Sie von den Schmieden (8/12). Quellen: Seltene Berufe und Menschen im Zugerland, Hermann Steiner (1984) und weitere.

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