Wie die Zuger Spitäler ihren Patienten trotz Besuchsverbot Kontakt nach aussen bieten

Das Spital Affoltern ermöglicht Patienten Videotelefonie mit Angehörigen über hauseigene Tablets. So weit will man im Zuger Kantonsspital und in der AndreasKlinik Cham Zug nicht gehen.

Laura Sibold
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Im Zuger Kantonsspital sind Besuche von Angehörigen derzeit nur noch in Ausnahmefällen möglich.

Im Zuger Kantonsspital sind Besuche von Angehörigen derzeit nur noch in Ausnahmefällen möglich.

Bild: Stefan Kaiser (Baar, 16. März 2020)

Im Zuger Kantonsspital und in der Andreas-Klinik Cham Zug gilt seit drei Wochen ein striktes Besuchsverbot. Damit sollen Ansteckungen stationärer Patienten mit dem Coronavirus vermieden werden. Denn die Mehrheit der stationären Patienten ist wegen chronischer Vorerkrankungen oder des hohen Alters besonders gefährdet. Mittels Zutrittskontrollen wird das Besuchsverbot sichergestellt.

Doch während eines Spitalaufenthaltes auf den Besuch seiner Angehörigen verzichten zu müssen, kann belastend sein – in der aktuell herausfordernden Situation mit dem Coronavirus ganz besonders. Aus diesem Grund hat das Spital Affoltern Ende März zu einer kreativen Massnahme gegriffen: Es ermöglicht all seinen Patienten Videotelefonie. «Dem Spital Affoltern ist es ein grosses Anliegen, allen Patienten wegen des Besuchsverbots die Möglichkeit zu geben, mit ihren Angehörigen in Kontakt zu treten. Denn auch die psychische Verfassung ist für eine rasche Genesung sehr wichtig», heisst es in einer Mitteilung des Spitals. Da nicht alle Patienten über die nötigen technischen Mittel verfügen, stellt das Spital jeder Abteilung ein Tablet für die Videotelefonie via Skype zur Verfügung. Freiwillige nehmen täglich Anrufe der Angehörigen entgegen und leiten sie an die gewünschten Patienten weiter.

Ausnahmen in Absprache mit dem Arzt möglich

Videotelefonie, um der Isolation im Spital zu entkommen: Kann dies auch eine Chance für die Zuger Spitäler sein? «Wir haben Verständnis dafür, dass in dieser Situation und der Rekonvaleszenz das Bedürfnis nach Austausch und Kontakt speziell gross ist», schreibt Marietta Werder, Mediensprecherin der Andreas-Klinik Cham Zug, auf Anfrage. Aus diesem Grund stehe allen Patienten neben dem Bett ein Telefon zur Verfügung. Zudem besässen die meisten Patienten selber ein Smartphone, Tablet oder einen Laptop und nutzten ihr eigenes Gerät zur Videotelefonie. Dazu stehe ein kostenloses WLAN zur Verfügung.

«Die Interaktion zwischen Patienten und deren Angehörigen verlagert sich aufs Telefon und die Videotelefonie.»

Werder sagt weiter: «Unsere Mitarbeiter haben zudem immer ein offenes Ohr für die Sorgen unserer Patienten und nehmen sich, wenn immer möglich, auch gerne Zeit für ein aufmunterndes Gespräch.»

Ähnlich klingt es im Zuger Kantonsspital. Auch dort bestimmten die Patienten die Art der Kommunikation selber, betont Mediensprecherin Sonja Metzger. Angehörige könnten unsere Patienten über das Festnetztelefon oder das eigene Mobiltelefon kontaktieren.

«Auf Wunsch unterstützt unser Pflegefachpersonal die Patienten bei der Kommunikation mit ihren Angehörigen, wenn sie dies altersbedingt oder aus medizinischen Gründen nicht selbstständig können.»

Ausnahmen vom strikten Besuchsverbot gewähren die beiden Spitäler nur bei besonderen Patientensituationen. Dazu gehören Partner von Gebärenden und Wöchnerinnen, Eltern von minderjährigen Kindern sowie nahe Angehörige von unterstützungsbedürftigen oder sterbenden Menschen. Voraussetzung für eine Ausnahme seien die Absprache mit dem Arzt oder der zuständigen Pflegefachperson und die Einhaltung der strikten Hygiene- und Verhaltensregeln, erklärt Metzger. Das Gleiche gelte für Begleitpersonen von ambulanten Patienten, die aus medizinischen oder sprachlichen Gründen ihren Termin nicht allein wahrnehmen können.

Spitalseelsorge rechnet mit steigender Nachfrage

Auch die Spitalseelsorge geht derzeit neue Wege. Statt persönlicher Besuche am Krankenbett führen die Spitalseelsorger nun primär Telefongespräche. Nur in Ausnahmefällen und auf speziellen Wunsch des Patienten, der Angehörigen oder von Mitarbeitenden gehen die Seelsorger persönlich im Spital vorbei.

Beide Zuger Spitäler betonen, dass die Seelsorge aktuell nicht mehr als sonst nachgefragt werde. Doch rechne er künftig mit einem Anstieg des Bedarfs, verrät Roland Wermuth, Leiter der Spitalseelsorge im Zuger Kantonsspital, in einer Mitteilung der katholischen Kirche. «Wir sind daran, einen ausserordentlichen Pikettdienst rund um die Uhr einzurichten, um auch dem Pflegepersonal und den Angehörigen eine Stütze zu sein», sagt Wermuth.