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Wie finanziert man ein Eidgenössisches?

Fast zur Hälfte wird das Budget des Schwingfests in Zug durch Sponsoring finanziert. Wieso das Sponsoring einen so hohen Stellenwert besitzt, erklärt der Geschäftsführer des vorletzten Esaf im Interview.
Laura Sibold
Patrick Sommer ist für das Sponsoring am Esaf in Zug verantwortlich. Nun hängen in der Arena die Sponsorenblachen. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 12. August 2019)

Patrick Sommer ist für das Sponsoring am Esaf in Zug verantwortlich. Nun hängen in der Arena die Sponsorenblachen. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 12. August 2019)

Bis zu 350000 Besucherinnen und Besucher, 120 OK-Mitglieder, über 70 Hektaren Festgelände und dazu ein Gesamtbudget von mittlerweile rund 37 Millionen Franken: Es sind eindrückliche Zahlen, die der grösste wiederkehrende Sportanlass der Schweiz auf sich vereint. Doch wie finanziert sich das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (Esaf) vom 23. bis 25. August in Zug eigentlich?

Antworten liefert ein Gespräch mit Esaf-Projektleiter Patrick Sommer. Der Berner amtete am Eidgenössischen Schwingfest in Burgdorf 2013 als Geschäftsführer und kennt den hohen Stellenwert des Sponsorings.

Zurzeit pendeln Sie dauernd zwischen Ihrem Wohnort Burgdorf und Zug hin und her. Wie kam es dazu, dass Sie sich im Zuger Schwingfest-OK engagieren?

Patrick Sommer: Das Schwingfest-OK in Zug holte mich vor fünf Jahren ins Boot. Der Gedanke dahinter war, dass man bereits vorhandenes Know-how nutzen will. Als ehemaliger Geschäftsführer des Eidgenössischen in Burgdorf konnte ich viele Erfahrungen miteinfliessen lassen. Es ist aber das erste Mal, dass ein ehemaliger Geschäftsführer erneut in einem Schwingfest-OK mitwirkt.

Das Schwingfest in Burgdorf war das bisher grösste Eidgenössische. Man hört immer wieder, dass der Anlass in Zug noch grösser wird. Stimmt das?

Das wird wohl so sein. In Burgdorf hatten wir etwa 300000 Besucher, in Zug rechnet man mit bis zu 350000. Die Zuger Schwingarena ist von der Fläche her aber gleich gross wie jene in Burgdorf. Die vorhandene Fläche wurde optimiert, sodass etwas mehr Schwingfans darin Platz finden als in Burgdorf. Dieses Vorgehen – also aus bisherigen Erfahrungen lernen und gewisse Dinge anpassen – hat sich auch beim Sponsoring bewährt.

Wie wichtig ist das Sponsoring beim Eidgenössischen Schwingfest?

Ohne zuverlässige Partner, welche das Eidgenössische unterstützen, könnte ein Anlass dieser Grössenordnung nie realisiert werden. Wir haben inzwischen ein Gesamtbudget von 37 Millionen Franken. 17 Millionen davon werden durch Sponsoring-Engagements reingeholt. Das Schwingfest wird also zu 46 Prozent durch Sponsoring-Gelder finanziert. Darin sind Geld- und Sachwerte enthalten.

17 Millionen Franken durch Sponsoring, ein enormer Betrag. War es in Burgdorf auch so viel?

Der Vergleich ist mit Vorsicht zu geniessen. In Burgdorf lag das Budget netto bei 26 Millionen Franken, die 37 Millionen in Zug sind brutto gerechnet und nicht direkt vergleichbar, auch weil gewisse Dienstleistungen anders abgerechnet werden. Das Sponsoring in Burgdorf betrug zwischen 12 und 14 Millionen Franken. Dass wir in Zug Sponsoring-Gelder in der Höhe von 17 Millionen Franken an Land ziehen konnten, ist ein Erfolg.

Worauf ist dieser Erfolg zurückzuführen?

Ich höre immer wieder, das habe mit dem Standort Zug zu tun. Das stimmt zu einem gewissen Grad, ist für mich aber nicht der Hauptgrund. Vielmehr handelte das OK vorausschauend. Bereits vor vier Jahren stellte es die Weichen fürs Sponsoring und setzte verhältnismässig viel Personal dafür ein. Wir sind ein Team mit 3 bis 3,5 Stellen und bearbeiteten den Markt von Anfang an stark. Das hat viel Ausdauer gebraucht, hat sich aber auch gelohnt.

Wie viele Sponsoren hat man denn nun beisammen?

Insgesamt haben wir zwischen 230 und 240 Partner. Darunter sind sechs Königspartner. Das sind Grossunternehmen wie die Mobiliar, Feldschlösschen, Migros oder Aebi, die seit Jahrzehnten dabei sind, aber auch regionale Firmen wie die Zuger Kantonalbank oder die V-Zug, die wir neu begrüssen konnten. Dann sind gut 20 offizielle Partner und Dienstleistungspartner sowie 50 Kranzpartner dabei, für die vielfach der Verkauf ihrer Produkte oder Dienstleitungen im Vordergrund steht. Dann gibt es rund 150 Supporter, also regionale KMU. Und nicht zu vergessen unsere Patronatspartner, wie der Kanton und die Gemeinden des Kantons Zug.

Bei der Sponsorensuche haben die Erfahrungen vom Schwingfest in Burgdorf sicher geholfen.

Das ist so, besonders das Netzwerk, also der direkte Draht zu den Sponsoren, war hilfreich. Ich kannte bereits viele Partner von früher und konnte mein Beziehungsnetz gut aktivieren. Weil ich am Schwingfest in Burgdorf vor Ort war, wusste ich auch bereits, welche Stolpersteine auf uns zukommen könnten und konnte vermeiden, dass Fehler zweimal gemacht werden.

Welche Stolpersteine?

Ein Beispiel dafür sind Verträge mit Sponsoringpartnern. Da gibt es immer Grauzonen – Dinge, die nicht genau geregelt sind. Aufgrund der Erfahrungen in Burgdorf haben wir die Verträge in Zug detaillierter aufgesetzt, um genau solche Grauzonen möglichst einzugrenzen. Wir mussten in Zug beispielsweise auch nicht mehr verschiedene Helfertools testen, sondern fokussierten uns von Anfang an auf das, was in Burgdorf gut funktioniert hat, oder vermieden Dinge, die eben weniger gut funktioniert haben.

Sollen zukünftige Eidgenössische ehemalige OK-Mitglieder einbeziehen?

Es lohnt sich immer, bisherige Erfahrungsträger einzubinden. So geht das Know-how, das sich meist über fünf Jahre aufgebaut hat, nicht verloren. In Zug hat sich dieses Vorgehen meiner Ansicht nach ausgezahlt. Die Entscheidung dafür oder dagegen liegt aber immer beim OK.

In zehn Tagen wird geschwungen. Zurzeit regnet es Bindfäden. Wie wichtig ist schönes Wetter für das Esaf aus finanzieller Sicht?

Schlechtes Wetter wäre für die Finanzen des Eidgenössischen in Zug keine Katastrophe. Die Gesamtfinanzen stehen gut da, auch wegen des hohen Sponsoringbetrags. Die Wetterprognosen sehen derzeit sehr gut aus, sicher kann man leider nie sein. Für mich klar ist vor allem eines: Ein Berner wird Schwingerkönig. Ich als Berner muss das natürlich sagen! Selbstverständlich bin ich als Halb-Zuger aber auch mit einem Zuger sehr zufrieden.

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