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Wie Iraner ins Crypto Valley kommen

Immer mehr Krypto-Firmen zieht es in die Region Zug – auch iranische. Doch die Firmengründung wird ihnen wegen der US-Sanktionen von Bankenseite schwer gemacht. Eine Alternative ist die in Zug mögliche Sacheinlage in Kryptowährungen. Ein aktueller Fall.
Christopher Gilb

Ali Mizani Oskui gilt als Vordenker in der Krypto-Szene. Er ist hochintelligent und soll beispielsweise den letztjährigen Kurssturz bei der Kryptowährung Bitcoin relativ präzise vorhergesagt haben. Damit verdient er Geld und bietet Vermögensverwaltung mit Kryptowährungen basierend auf seinem Algorithmus an. Er glaube weder an Rassengrenzen noch an politische Grenzen und lehne religiöse Intoleranz und Vorurteile ab, schreibt der 44-Jährige auf seiner Homepage. Und Ali Mizani Oskui weiss, was Grenzen sind, denn er hat bei seinen Geschäftstätigkeiten ein Problem: Er ist Iraner. «Im Iran selbst hat er seine Dienstleistung sehr erfolgreich angeboten. Deshalb wollte er diese auch im Ausland anbieten, was aus dem Iran heraus aber eher schwierig ist», erinnert sich Cédric Schmid, der neue Parteipräsident der FDP Stadt Zug, der als Treuhänder mehrere Firmen aus dem Krypto-Bereich berät und den Fall gut kennt. «Denn wegen der wirtschaftlich und politisch instabilen Situation im Iran sei es schwierig, das Vertrauen globaler Kunden zu gewinnen.» Hinzu kämen die US-Sanktionen, die Kunden ebenfalls abschrecken würden, so Schmid weiter.

Alle zehn Banken lehnten ab

Mizani habe also beschlossen, eine neue Firma zu gründen, und zwar in der innovationsfreundlichen Schweiz. Doch auch hier war es nicht einfach. Denn wer eine AG gründen will, muss ein Kapital von 100'000 Franken aufbringen. Mizani, so erzählt es Schmid, habe also bei diversen Schweizer Banken wegen der Eröffnung eines Kapitaleinzahlungskontos angefragt. Die Angefragten hätten dies aber entweder abgelehnt oder hätten sich lange Zeit gelassen. Schmid führt dies auf die US-Sanktionen zurück. Zwar gibt es auch seitens der Schweiz Sanktionen gegenüber des Irans und gewissen Exponenten. Ein grundsätzliches Verbot, dass iranische Firmen ein Konto in der Schweiz eröffnen können, gibt es aber nicht. Doch in der Realität sieht es anders aus. Denn wie eine Schweizer Grossbank auf Anfrage bestätigt, würden auch die US-Sanktionen berücksichtigt und weltweit umgesetzt werden. Schmid findet dies einen riesigen Skandal. «Es kann doch nicht sein, dass es einem Iraner mit nachweislich selbst verdientem und sauberem Geld bei uns so schwer gemacht wird zu investieren.» Man müsste da viel härter gegenüber den USA sein, die Schweiz sei schliesslich eine der grössten Investoren in den Staaten.

Mizani fragte Schmid um Unterstützung bei der Firmengründung an, und dieser bot Hand. «Erstens fand ich, so ein spannendes Start-up sollte unbedingt ins Crypto Valley kommen, und zweitens ist seit September 2017 im Kanton Zug eine Sacheinlage bei Firmengründungen in Kryptowährungen möglich. Darauf habe ich gesetzt», so Schmid. Wie vom Handelsregisteramt zu erfahren ist, haben bereits 100 Firmen von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht.

Für diesen Prozess griff Schmid auf die Unterstützung der Decom Switzerland GmbH mit Standorten in Ballwil und Sursee zurück. Diese ist im gleichen Bereich wie Mizani tätig und bietet Anlagen und Vermögensverwaltung in Kryptowährungen an. «Wir haben unsere Dienstleistungen also erweitert und die Eröffnung eines Sperrkontos für die Hinterlegung des erforderlichen Kapitals in der Kryptowährung Ethereum (ETH) ermöglicht», erinnert sich Marcel Niederberger, Partner bei der Decom. «Und stellten dann die vom Notar geforderte Kapitaleinzahlungsbescheinigung für die öffentliche Beurkundung aus.»

130'000 statt 100'000 Franken

Da Kryptowährungen jedoch starken Kursschwankungen unterworfen seien, sei eine erhöhte Sicherheitsmarge nötigt gewesen. Schlussendlich habe Mizani für die Gründung seiner Ficas AG also 1234.8 ETH einbezahlt, was 130'000 Franken entsprochen habe. «Der Wert der Kryptowährung wird zum Zeitpunkt der Eintragung ins Handelsregister in Franken umgerechnet», so Niederberger. Nach erfolgter Gründung sei das Kapital dann zur Auszahlung an die Ficas freigegeben worden. Ein Vorteil sei sicher, so Niederberger, dass die Decom der Aufsicht einer Selbstregulierungsorganisation unterstehe. «Wir müssen also aufpassen, welches Geld wir annehmen und prüfen das genau. Das spricht für die Seriosität unserer Partner.» Doch wie der Zuger Treuhänder Schmid sagt, hätten nicht nur Firmen aus sanktionierten Ländern Probleme, ein Konto zu eröffnen. «Die Banken machen Start-ups das Leben teils brutal schwer, gerade wenn sie im Bereich Kryptowährungen oder Blockchain arbeiten oder nur schon mit ausländischem Geld finanziert sind.» Teils fehle den Banken da die Fachkenntnis, und mit etwas, das man nicht verstehe, wolle man auch nichts zu tun haben. Anfragen nach Einlagen mit Kryptowährungen würden sich bei ihm jedenfalls häufen.

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