Experten erläutern, wie Menzingen zu seiner Landschaft kam

Drumlins, Erratiker, Toteis und Steinäxte: In ihrem Vortrag gingen Martina Brennecke und Stefan Hochuli  weit zurück in der Geschichte der heutigen Gemeinde.

Christian Tschümperlin
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Die Moränenlandschaft Menzingens ist von Gletschern geformt worden. Bild: Werner Schelbert (27. Februar 2012)

Die Moränenlandschaft Menzingens ist von Gletschern geformt worden. Bild: Werner Schelbert (27. Februar 2012)

Dass Archäologie und Geologie einen in den Bann ziehen können, bewiesen Martina Brennecke vom Amt für Raum und Verkehr sowie Stefan Hochuli vom Amt für Denkmalpflege und Archäologie. Im rappelvollen Foyer der Schützenmatt nahmen sie die Zuhörenden am Mittwochabend mit auf eine Reise in längst vergangene Zeiten. Organisiert wurde der Anlass von Mänzige Hell.

Auf ihre Moränenlandschaft sind viele Menzinger zu Recht stolz, wie sich im Laufe des Vortrags von Brennecke herausstellen sollte. Wer einen Spaziergang in der Gegend unternimmt, erblickt unweigerlich charakteristisch geformte Hügelchen, die sogenannten Drumlins. Dem Blick auf diese Hügel eine neue Tiefe zu verleihen, war das erklärte Ziel der diplomierten Landschaftsarchitektin Martina Brennecke. Diese schwungvollen Erhebungen habe der Gletscher durch Umfliessen geformt.

Die Baumeister der Moränenlandschaft waren nämlich zwei gigantische Gletscher, die während der letzten Eiszeit in Menzingen zusammenliefen – der Reussgletscher und der Linthgletscher. «Die Landschaft ist das Land, das schafft», wusste Brennecke. Obschon sie häufig als Baumaterial verwendet wurden, findet man in Menzingen zudem vereinzelt noch Erratiker (lateinisch für «umherirren»), also Findlinge. «Jeder Findling erzählt seine eigene Geschichte», so Martina Brennecke. Der Findling von der Nagelfluh stamme etwa von der Rigi, der rote Ackerstein komme aus dem Glarnerland und sei vom Linthgletscher mitgebracht worden.

Ein Gletschersee in der Berggemeinde

Auch dem idyllischen Wilersee wusste Martina Brennecke ein Geheimnis zu entlocken. Sie lobte ihn als schönes Beispiel für ein Toteisloch: Weil sich der Gletscher zurückzog, wurde Eis abgespalten. Man spricht von sogenanntem Toteis, weil dieses Eis verloren war. Aus dem Eis entstand der See. Schliesslich, so meinte Brennecke, dürfte sich schon manch einer beim Anblick von Drumlins gewundert haben, wie die markanten Bäume auf deren Gipfel gekommen sind. «Diese Bäume haben Menschen gepflanzt», verriet sie.

Im zweiten Teil des Vortrages wollte nun Stefan Hochuli zeigen, was das für Menschen und Vorfahren waren, welche die Bäume auf den Drumlins gepflanzt haben. «Während der Eiszeit lebten wegen der rund ein Kilometer dicken Eisschicht des Gletschers keine Menschen in unserer Gegend», so Hochuli. Erst nachdem sich die Gletscher zurückgezogen hatten, bildete sich ein Boden. Auf dem Boden wuchsen Gräser, mit den Gräsern kamen die Tiere und mit den Tieren die Menschen. Im Jahr 14 000 vor Christus finden sich die ersten Spuren von altsteinzeitlichen Menschen am Zugersee: Jagdwaffenspitzen aus Feuerstein. Die ältesten Funde aus Menzingen sind eine Steinaxt und eine Doppelaxt, die auf 3000 vor Christus datiert werden. Hochuli hatte sie für den Vortrag extra vom Museum für Urgeschichte ausgeliehen.

Warum die Lorze Lorze heisst

Spätestens ab 2500 vor Christus muss man laut Stefan Hochuli von der permanenten Besiedlung Menzingens ausgehen. Das zeigt die Untersuchung der im Hochmoor Egelsee über die Jahrtausende hinweg eingelagerten Pflanzenpollen. Auch Orts- und Flurnamen, die aus der keltischen Zeit stammen und bis heute erhalten geblieben sind, belegen eine ununterbrochene Besiedlung seit vorchristlicher Zeit.

Lorze kommt etwa vom Keltischen «Lorantia», was so viel heisst wie «Geröll schiebender Fluss», Sihl von «Sila» für «ruhiger Wasserlauf». Der Ortsname Menzingen wird erstmals im Jahr 1217 erwähnt und bedeutet «bei den Leuten des Maginzo». Kürzlich auf dem Gubel entdeckte Funde belegen auch archäologisch die anhand von Ortsnamen nachvollziehbare Besiedlung Menzingens im Mittelalter.

Im Anschluss an den Vortrag kam es zu einer lebhaften Diskussion, bei der die Menzinger viele Fragen stellten. So wollte ein Zuhörer wissen, wem der Gegenstand gehöre, wenn man eine Entdeckung mache. «Nach ZGB-Artikel 724 sind die Gegenstände Eigentum des Kantons, in dessen Gebiet sie gefunden wurden», wusste Stefan Hochuli auf Anhieb.

Man könne sich aber vertrauensvoll an ihn wenden und eine Lösung finden. «Wir sind vor allem aus wissenschaftlichen Gründen an den Funden interessiert, sie müssen sich nicht zwingend in unserem Besitz befinden.»