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Kommentar

Wie teuer darf Reisen sein?

Autor Thomas Bornhauser über die Preise im Schweizer ÖV.
Thomas Bornhauser
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Ja, es gibt sie, die preislichen Perversionen. Im Flugverkehr lassen sich in Einzelfällen Tickets kaufen, die nicht halbwegs die Kerosinkosten decken. Lieber wenig (Einnahmen) als nichts, lautet hier die Devise des Anbieters. Ökologisch wirken solche Angebote schnell einmal pervers. Zu Recht hat also meine Kollegin vor Wochenfrist an dieser Stelle die Frage gestellt, wie billig Reisen denn sein dürfe.

Aber es gibt auch eine andere Seite der Medaille. Bei uns in der Schweiz ist der öffentliche Fernverkehr im Wesentlichen eine Angelegenheit der SBB. Für diesen Staatsbetrieb bezahlen wir Steuerpflichtige Milliarden für einigermassen ausgeglichene Rechnungen. Und im europäischen Quervergleich trumpft die Staatsinstitution SBB mit rekordträchtigen Tarifen auf. Ein Beispiel: Die rund 130 Kilometer Fahrt für die Distanz von Zug nach Bern kosten mit Halbtax 61 Franken. Und eine öffentliche Alternative gibt es nicht.

Anders sieht es mittlerweile im grenzüberschreitenden Verkehr aus. Nächstens werde ich per Fernbus von Zürich nach Hannover reisen. Das sind rund 730 Kilometer. Der Preis liegt bei weniger als 40 Franken. Inklusive WLAN. Inklusive Bordservice. Möglich gemacht hat diese sanfte Revolution eine konsequente Marktöffnung. Trendsetter war Flixbus. Da ist von jungen Klardenkern mit Unternehmer-Gen ein Busnetz aufgezogen worden, das die guten alten schwerfälligen Staatsmonopol-Bahnen – endlich! – ins Schwitzen gebracht hat.

Bei uns allerdings mahlen die Mühlen langsam. Die hochbezahlte SBB-Leitung macht, was sie kann, um Märkte auszubremsen. Im schweizerischen Fernverkehr auf der Schiene balgt sich die SBB-Führung mit den BLS jetzt sogar vor dem Kadi, weil sie keine Konkurrenz will. Und im Fernbusverkehr brauchte es das Jahr 2018, bis ein paar wenige Linien für private Angebote geöffnet wurden. Aber niemand bei den SBB muss befürchten, dass daraus eine sanfte Revolution werden könnte. Denn es sind nur ausgewählte Linien. Es ist ein kleiner Markt. Und es gibt Schikanen.

Den Preis dieser Marktabschottung bezahlen vor allem jene, die aufs Geld schauen müssen. Und die gibt es, auch in Zug. Wir sind eine hochmobile Gesellschaft. Umso schlimmer ist es für jene, die sich diese Mobilität nicht leisten können. Etwa Ältere mit kleiner Rente. Wie bitter muss es sein, wenn man sich überlegen muss, ob man sich eine Reise von Zug nach Bern retour mit den SBB leisten kann. Ohne Halbtax und ohne Rabatt: 122 Franken.

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