Leserbrief

Wie verhältnismässig ist dieser Zustand?

Zur laufenden Berichterstattung über die Pandemie und dessen Auswirkungen

Drucken
Teilen

Als Naturwissenschafter (ETH, Chemiestudium) erlaube ich mir ein paar Überlegungen zu den Zahlen zu Covid. Per heute sind 130000 Tests durchgeführt worden mit etwa 17000 Infizierten und rund 380 Sterbefällen. Somit sind 13 Prozent infiziert. Nun auf gut 8 Millionen Einwohner in der Schweiz sind folglich ca. 1,03 Millionen infiziert mit einer Sterberate von 380 = 0,038 Prozent! Nun stelle ich die folgenden Überlegungen in den Raum: Die Bevölkerung wird in eine Agonie versetzt, die Wirtschaft steht still, die Psyche der Arbeitslosen, der Selbstständigen, der Kurzarbeiter, der Homeofficer, der Kinder ist in einer Abwärtsspirale. Nun die Frage: Wie verhältnismässig ist dieser Zustand der Gesellschaft zu einer Sterberate, welche sich auf einem Normniveau befindet? Die Ethik ist mir zu diesem Thema sehr bewusst, doch eine Sichtweise kann so oder so beurteilt werden. Als Kind (ich bin 62 Jahre) habe ich gelernt, Hände zu waschen, niemanden anzuhusten und bei Grippe (auch Corona) zu Hause im Bett zu bleiben.

Louis Odermann, Baar


Eigentlich blickt da keiner mehr durch! Die Fallzahlen haben keinen länderübergreifenden Nenner, es wird nicht differenziert, ob man am oder mit dem Virus im Körper gestorben ist (z.B.: Ein Töfffahrer verunglückt tödlich. Dann wird von seiner Leiche ein Abstrich gemacht und dieser ist positiv auf Covid-19. Klarer Fall: Corona-Toter). Spitäler sind überbelastet, Intensivstationen weit von voll belegt. Italien und Spanien sind Desaster-Zonen, in Schweden sitzen sie im Strassencafé. Das eine Land macht auf total Lockdown, das andere versucht es mit Massenimmunität (gut so, denn so hat man Vergleiche bei der nächsten Epidemie).

Dass sich da in den sozialen Medien Interessengruppen bilden, welche genauere Antworten haben wollen oder hinterfragen, ist eine natürliche Folge. Dabei handelt es sich um Wissenschafter, Ökonomen und Normalos. Und es ist auch klar, dass nicht jeder, der mehr und genaueres wissen will oder eine wissenschaftliche Meinung hat, ein Verschwörungstheoretiker ist.

Was jedoch sehr beunruhigend ist: Eine wachsende Anzahl von Blogs, Youtube-Videos und FB-Gruppen werden täglich gelöscht oder deaktiviert! Sogar E-Mail-Adressen von Unbeliebten werden gesperrt. Zuckerberg vertritt ausschliesslich die Ansichten der WHO (hat er öffentlich bekanntgegeben), und lässt alles löschen, was dieser Organisation nicht entspricht.

Es ist beängstigend, wenn keine öffentliche Debatte mehr stattfinden kann und darf.

Marion Russek-Darphin, Steinhausen


Wo sind diese in den letzten drei Wochen geblieben? Ein erbärmliches Resultat unserer Zuger Vertretung im National- und Ständerat haben diese an den Tag gelegt. Sie sind einfach in der Versenkung verschwunden unter dem Motto «aus den Augen, aus dem Sinn». Man hätte zum Beispiel ein gemeinsames Zeichen setzen können und sich mit einem Zeitungsbeitrag an die Bevölkerung vom Kanton Zug wenden können, um ihre Solidarität zu bezeugen. Nein totenstill waren die sogenannten Volksvertreter gewesen. Ja in einer grossen Krise zeigen sich die Schwächen, aber nach der Krise sind diese wieder anwesend und schiessen aus allen Rohren. Wenn keine andere Einstellung zur Bevölkerung vorhanden ist, dann bleiben sie dort, wo sie in der letzten Zeit waren.

Die Legitimation fürs Amt, haben diese für mich schon lange verloren auch im Hinblick der Interessenvertretung der eigenen Mandate und für das Lobbyisten-Unwesen im Bundeshaus. Das einzige Thema war eventuell das fehlende Sitzungsgeld, und wenn ich an die erste Amtshandlung von unserem weiblichen Mitglied im Nationalrat denke – wie reiche ich die Spesenabrechnung ein – das nenne ich ein sehr hohes effizientes Handeln.

Hans-Rudolf Iten-Hartmann, Unterägeri


Wie das Verhalten der Schweizer Bürger zeigt, war die bisherige Kommunikation des Bundesrates und BAG erfolgreich. Doch jetzt nach mehr als zwei Wochen «ausserordentlicher Lage» gemäss Epidemiegesetz fängt die uneingeschränkte Unterstützung zu bröckeln an. Wenn der BR die Schweizer mitnehmen will, muss er jetzt anfangen klar, widerspruchsfrei und mit einer Vision zu kommunizieren. Phrasen wie «wir befinden uns auf einem Marathon» genügen nicht mehr. Zuerst empfehle ich dem BAG, mal klar darzulegen, wie es jetzt mit dem Mundschutz weitergehen soll. Es glaubt doch niemand mehr, dass der Mundschutz nicht ein zusätzlicher Schutz sein soll. Alle Länder, die über genügend Reserven verfügen, verteilen diese auch an die Bevölkerung. Wenn ich mir die Statistik der Neuinfizierten des BAG ansehe dann stelle ich eine Seitwärtsbewegung mit fallender Tendenz fest. Das zeigt, dass die Verordnungen des BR stabilisierend wirken. Wie sollen wir jedoch auf eine zweistellige Zahl runterkommen? Hier möchte ich mal eine Ausführung von BR Berset hören. Wie, warum und bis wann? Und bei einer danach fälligen Teilauflösung der Einschränkungen soll es gemäss den Epidemiologen eine zweite Welle geben. Wieso nicht eine dritte, vierte etc. bis wir entweder eine Massenimmunisierung haben oder einen Impfstoff? Das kann dann aber bis ins nächste Jahr gehen. Deshalb hätte ich vom BR schon noch gerne als Antwort, wie er die Wirtschaft und Arbeitslosigkeit in einem Jahr sieht, wenn man das heutige Vorgehen beibehält. Ein bisschen Ökonomie würde den meisten Schweizern nicht schaden, denn dann würde das Totschlagargument «Leben oder Wirtschaft» auch nicht so unbedarft angewendet werden.

Stefan Betschart, Cham


Kaum zeichnet sich ein kleiner Hoffnungsschimmer einer Besserung am Horizont ab, recken die Politikerinnen und Politiker ihren Hals wieder aus dem Fenster und überschütten uns alle mit guten/schlechten Ideen, wie es jetzt oder besser noch schneller, weiterzugehen hat. An erster Stelle die Sünneli-Partei, sie wollte ja auch als erste (halbvermummt) das Parlament in die Ferien schicken. Dicht dahinter müssen und wollen die anderen Parteien jetzt natürlich dagegenhalten. Sie übertreffen sich mit Vorschlägen, da sie ja für jedes Problem die Spezialisten sind.

Wie wohltuend waren die letzten paar Wochen, als die Lobbyisten, Pardon Politiker aus Bern sich in Deckung begeben hatten.

Wenn ich mich nicht täusche, nennt man das im Volksmund Drückeberger.

Für die Zukunft verheisst das nichts Gutes. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Überwachungsfanatiker (Apps aller Art lassen grüssen) nicht die Oberhand gewinnen.

René Ulrich, Unterägeri


Vom vietnamesischen Politiker und Revolutionär Ho Chi Minh (1890-1969) stammt dieses Zitat, mit welchem ich den Menschen Mut und Hoffnung in diesen schweren Zeiten machen möchte:

«Niemals ist der Morgen näher, als wenn die Nacht am dunkelsten ist!»

Werner J. Dornbierer, Oberwil


Zu den geplanten Steuersenkungen: Es ist absurd mit der Coronakrise für Steuersenkungen zu argumentieren. Niemand bezahlt Steuern auf ausgefallene Einnahmen. Wer aufgrund der Krise nichts einnimmt, wird darauf auch keine Steuern bezahlen. Von Steuersenkungen profitieren vor allem jene, denen es trotz Corona hervorragend geht. Es profitieren jene, die gleich viel oder gar mehr einnehmen, es profitieren jene, die gar nie unter der Krise gelitten haben.

Stefan Huber, Gemeinderat GLP, Zug