Leserbrief

Wie viel bin ich noch wert mit meinen 93 Jahren?

Zu einem ungewollten Wegzug, weil im Kanton Zug bezahlbarer Wohnraum fehlt

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Ich habe 51 Jahre intensiv gearbeitet. Ich habe Schulmusik, Klavier und Sologesang unterrichtet. Obwohl ich in Zug geboren, gelebt und in der Stadt gesellschaftlich verankert war, hat die Stadt Zug aber kein Platz mehr für mich. Meine Gesellschaft erstreckte sich von der obersten bis in die mittlere Schicht.

Nun hat man mich von der Stiftung für das Alter in eine prekäre Situation gebracht. Die Stiftung für das Alter hatte noch meine Cousine Hedwig Hegglin, die Schwester von dem ehemaligen Staatsanwalt Dr. Josef Hegglin, ins Leben gerufen. Da in Zug keine bezahlbare Wohnung vorhanden ist und wir weiterhin keine 3000 Schweizer Franken monatlich zahlen konnten, hat man mir von der Stiftung für das Alter dringend empfohlen, meinen Wohnsitz in den Kanton Aargau oder Thurgau zu verlegen, weil – wie man mir sagte – dort die Wohnungen billiger sind. Dies hat mir ausserordentlich hohe Kosten verursacht.

Durch den ungewollten Umzug wurde ich und mein Mann durch das Entwenden persönlicher Gegenstände gemein bestohlen. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas in unserer reichen Schweiz möglich ist. Die hohen Kosten, die durch den Umzug in den Kanton Thurgau entstanden sind, belasten uns sehr. Mein Mann sagte kürzlich zu mir: «Jetzt sind die Kriegsjahre von Deutschland wieder zurückgekommen.»

Warum haben die Menschen im Kanton Zug ihr humanes Denken und Empfinden verloren? Wer ruft die guten Geister, die den Kanton Zug früher beherrschten, zurück? Den letzten Sprössling der Familie Josef Iten, Begründer der Kantonalbank Zug und der CVP, zwingt man auf eine unschöne Art, den an sich schönen Kanton Zug zu verlassen.

Cornelia Fuchs-Iten, Bürglen