Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Wie viel soll der Eintritt zum Wald kosten?

Die Waldbesitzer ächzen unter der steigenden Zahl an Erholungssuchenden und der damit verbundenen Mehrarbeit. Der Interessensverband appelliert an Kanton und Gemeinden für höhere Entschädigungen. Die Wälder zu veräussern, ist hingegen keine Option.
Raphael Biermayr
Der Kanton Zug (hier eine Aufnahme vom Zugerberg) besteht zu 28 Prozent aus Wald. (Bild: Stefan Kaiser (1. Juli 2015))

Der Kanton Zug (hier eine Aufnahme vom Zugerberg) besteht zu 28 Prozent aus Wald. (Bild: Stefan Kaiser (1. Juli 2015))

Man stelle sich vor: Vor dem Eingang zu den Wäldern im Kanton Zug stehen Drehtüren mit einem Münzschlitz. Wer sie passieren will, muss fünf Franken einwerfen. Abwegig? Abwegig, ja. Und darüber hinaus bundesrechtlich nicht möglich. Jedoch liegt dem Gedankenspiel die Tatsache zugrunde, dass die Waldbesitzer für ihre gestiegenen Leistungen zu Gunsten der immer grösseren erholungsuchenden Öffentlichkeit im Wald besser entschädigt werden wollen. Die Einwohnergemeinden sollen dafür Steuergelder aufwenden, geht es nach der Forderung von WaldZug, dem Verband der Waldeigentümer. «Es ist nichts als legitim, für Arbeit bezahlt zu werden», sagt Walter W. Andermatt, Präsident von WaldZug und Geschäftsführer der Korporation Baar-Dorf.

Er zeigt auf, dass 94 Prozent der Waldfläche im Kanton Zug im Eigentum von Korporationen und Privaten (Genossenschaften, Klöster, Einzelpersonen) stehen. «Diese Waldbesitzer verfügen über keine Steuereinnahmen», betont er. Die restlichen 6 Prozent der Waldfläche gehören dem Kanton und einigen Gemeinden.

Vor 40 Jahren konnte man mit Holz viel Geld verdienen

Die Waldbesitzer haben lange nicht – oder zumindest öffentlich nicht hörbar – nach Zusatzentschädigung gerufen. Nun ist der Druck offensichtlich zu gross. Das liegt an der gegensätzlichen Entwicklung von Bevölkerungszahl und Kantonsbeiträgen, sagt Beda Schlumpf, der Präsident der Waldgenossenschaft Steinhausen (WGS). Die Letztgenannten seien infolge der Sparmassnahmen gekürzt worden. Vor allem aber ist der Holzverkauf für viele Waldbesitzer kaum mehr gewinn- bringend. «Heute kostet der Kubik- meter die Hälfte im Vergleich zu meiner Anfangszeit, die Löhne für Forstangestellte sind aber gestiegen», sagt Werner Stocker. Er ist seit 40 Jahren Förster, bald 30 Jahre davon auch für die Korporationen Baar-Dorf und Blickensdorf.

Auch Beda Schlumpf hat sich unlängst gegenüber unserer Zeitung dahingehend geäussert (Ausgabe vom 1. Juni). Die WGS hat eine höhere Entschädigung für ihre Mehrarbeit in Aussicht. Die Waldbesitzer haben mit der Einwohnergemeinde ein Erholungskonzept ausgearbeitet, das Fragen nach Zuständigkeiten und nach der Finanzierung klären soll. In Cham hat man schon vor Jahren eine Lösung gefunden, die offenbar beide Parteien zufriedenstellt (siehe Box).

Eine gesetzliche Grundlage für die Entschädigung der Waldbesitzer besteht seit 2008: das Einführungsgesetz zum Bundesgesetz über den Wald. Im kantonalen Richtplan wurden die Funktionen der gesamten Zuger Waldfläche (6371 Hektaren) definiert: Der grösste Teil, 45 Prozent, dient dem Schutz vor Überschwemmungen, Erdrutschen und dergleichen, 25 Prozent dienen dem Naturschutz. Nur 6 Prozent der Waldfläche sind im Entwicklungsplan als «Wald mit besonderer Erholungsfunktion» ausgewiesen. «Erholung findet aber im gesamten Wald statt», weiss der Geschäftsführer der Korporation Baar-Dorf. Dieser Bereich generiere unverhältnismässig hohe Kosten im Unterhalt. Im Erholungswald werde bislang in der Regel nur der Unterhalt von offiziellen Wanderwegen im Auftrag der Gemeinde abgegolten.

Die Wälder bringen kaum noch etwas ein, der Kampf um mehr Beiträge ist zäh: Warum stossen die Waldbesitzer ihr Eigentum nicht gleich an die Gemeinden oder den Kanton ab? Auf diese Frage stellt der WaldZug-Präsident Walter W. Andermatt eine rhetorische Gegenfrage: «Würden die Gemeinde oder der Kanton den Energiekreislauf sicherstellen, wie wir das tun?» Er spielt damit unter anderem auf die nachhaltige Nutzung von Holz aus dem Wald an, die die privaten Eigentümer zum Ziel hätten. Zum Beispiel zur Wärmegewinnung, wie das in Baar unter anderem bei der Heiz- zentrale Lättich der Fall ist. Andermatt spricht mit seiner Äusserung auch die allgemeine Leidenschaft und Sentimentalität an, die private Waldbesitzer antreibt und die sie unbeteiligten Gemeindeangestellten voraushaben.

Gerade Korporationen blicken auf eine jahrhundertelange Waldbewirtschaftung zurück. «Ausserdem», sagt Andermatt, «würde eine Verstaatlichung der Wälder den Steuerzahler viel teurer kommen. Kanton oder Gemeinden müssten mehr Personal einstellen, diese Mitarbeiter verdienten mehr als bei uns und würden erst noch über Steuern finanziert.»

«Wollen keine Staatsangestellten werden»

Die Forderung des Waldbesitzerverbands nach einer zusätzlichen Entschädigung steht also im Raum. Wie genau diese bemessen sein soll, allerdings nicht. Zu stark würden sich die Verhältnisse in den einzelnen Gemeinden unterscheiden, sagt der Verbandspräsident: Einerseits, was die Grösse der Waldfläche beziehungsweise der Erholungsfläche betrifft. Andererseits, was allfällige bereits bestehende Vereinbarungen über die Zuständigkeiten und Leistungen anbelangt. Eines stellt Walter W. Andermatt von WaldZug klar: «Wir wollen, dass die Waldbesitzer nur den tatsächlich entstandenen Mehraufwand in Rechnung stellen. Flächendeckende Subvention wie in der Landwirtschaft kommt nicht in Frage – wir wollen keine Staatsangestellten werden.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.