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Die Frage im Theater Casino Zug lautet: Wie werden die Figuren überleben?

Martin Zimmermann inszenierte im Theater Casino sein Programm «Eins, zwei, drei». Ein clowneskes, zeitgenössisches Stück mit vibranten Darstellern in einer sehr modernen Optik.
Haymo Empl
Die drei Clowns in einem seltenen Moment der Ruhe. (Bild: Augustin Rebetez/PD)

Die drei Clowns in einem seltenen Moment der Ruhe. (Bild: Augustin Rebetez/PD)

Will man das Programm von Martin Zimmermann charakterisieren, dann bleibt einem wenig anderes übrig, als auf Adjektive zurückzugreifen und diese möglichst als Superlativ zu verwenden. Denn Martin Zimmermann macht nicht nur einfach ein «Clown-Programm», sondern da ist viel mehr. Unter anderem stellte sich am vergangenen Freitag sehr bald einmal die Frage: Wie um Himmels Willen sind diese Figuren in ein derartiges Chaos geraten? Eben war doch alles noch so gesittet und geordnet.

Auf der Bühne wird man von einem verrückten Museumsdirektor begrüsst – dieser gerät schon nach den ersten Sätzen aus typischen Plattitüden ins Stocken und Stottern, beinahe so, als ob ein Chip bei einem Androiden durchbrennt. Dieser Museumsdirektor wird während dieses Systemfehlers vor den Augen des Publikums zum Clown, zu einer geschlechtslosen Kunstfigur also – die übrigens letztlich so gar nicht den festgesetzten Bildern eines Clowns entsprechen wollte. Auch weil dieser Clown in einem Spannungsfeld platziert wurde, in welchem normalerweise strenge Konventionen herrschen. An einen Ort also, der für guten Geschmack steht und das kollektive Gedächtnis repräsentiert und in welchem ein eigenes Wertesystem herrscht.

Drei Figuren treffen aufeinander

Wird all das durcheinandergebracht, werden genau diese Werte auch in Frage gestellt. Der Clown in seiner historischen Funktion hinterfragt solche Wertesysteme – das macht Martin Zimmermann mit seiner Inszenierung «Eins, zwei, drei» auf äusserst kluge und subtile Art.

Zimmermann bedient sich für seine Inszenierung der klassischen Dramaturgie: Drei Figuren in einem fragilen Konstrukt – hier das Museum –, und alle drei versuchen ihren Platz zu finden. Der Weissclown, der eitel und besserwisserisch agiert; der in der klassischen Literatur als «dummer August» beschriebene Gegenpart, eine Figur, die alles immer durcheinanderbringt; und in der Inszenierung von Zimmermann zusätzlich noch der Contre-Pitre, ein Clown also, der alles falsch versteht (oder gar nicht) und für noch mehr Chaos sorgt. Im Fall von Zimmermanns Eklat der Missverständnisse und Zusammenstösse auf der Bühne stellte sich immer wieder die bange Frage: Wie werden die Figuren das überleben?

Nun ist das mit Clowns ja so eine Sache. Seit längerer Zeit ist es en vogue, diese eher nicht zu mögen oder mit Grusel- oder Horrorclowns zu assoziieren. Besonders wenn so ein Stück noch rund um Allerheiligen gezeigt wird. Was aber am Freitagabend aufgeführt wurde, war derart raffiniert, artistisch und intelligent sowie durch und durch humorvoll, dass jeder Clown-Skeptiker eines Besseren belehrt wurde: Clowns können, wenn es richtig gemacht wird, durchaus eine spannende Geschichte erzählen oder zumindest so viele Dankanstösse geben, dass jeder Zuschauer daraus etwas mitnehmen kann.

Zimmermann liess seine Figuren von den Künstlern Tarek Halaby, Dimitri Jourde und Romeu Runa darstellen, begleitet wurde die Inszenierung vom Jazzpianisten Colin Vallon. Damit die Clownerie so gut funktioniert, müssen diese Darsteller in jedem Fall grosse Meister in allen darstellenden Genres sein, denn mitunter verlangte Martin Zimmermann einiges; unter anderem wurde lebende Kunst dargestellt, was für ­Romeu Runa bedeutete, minutenlang in einer transparenten Acrylbox – gleich gross wie ein Koffer – zu verharren.

Bewusste Irritation

Das Trio agierte am Freitag in einer unglaublichen Stärke zwischen Autorität, Unterwerfung und Freiheit. Beinahe alles wurde vom Pianisten Colin Vallon live gespielt, ganz selten kamen auch Soundeffekte zum Einsatz, in der Regel, um bewusst Irritation auszulösen. Nicht immer war auf Anhieb klar, was Martin Zimmermann und seine Figuren ausdrückten oder in welchem Dilemma sie sich befanden.

Hier half oft die musikalische Begleitung, welche in der Quintessenz dann für das Aha-Erlebnis sorgte. Jeder Zusammenstoss des Trios war nichts anderes als ein Gesellschaftsspiegel, eine plastische Skizze der Komplexität menschlicher Beziehungen und ihrer Machtkämpfe. Zimmermann verwendete dafür Elemente aus Sitcoms, traditioneller Clown-Slapstick, Akrobatik und Tanz. Das Ganze in einer sehr modernen Optik, die sich teilweise an die Videoclipästhetik der letzten beiden Dekaden anlehnte.

Modern also, sehr frisch und äusserst präzise inszeniert. Das Publikum, welches sich auf dieses zeitgenössische Experiment einliess, wurde mit bester Unterhaltung auf hohem Niveau und dem einen oder anderen Denkimpuls belohnt. Entsprechend frenetisch fiel nach gut 90 Minuten der Schlussapplaus aus.

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