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Wie Zug einst vom Flughafen träumte

In der Lorzenebene entsteht derzeit Grosses: Die Anlage des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests. Wäre es jedoch 1943 nach dem Ansinnen der Zuger Bevölkerung gegangen, stünde heute auf der Lorzenebene der nationale Flughafen.
Zoe Gwerder
Für die Lorzenebene wurde 1943 die Möglichkeit überprüft, einen nationalen Flughafen zu bauen (Stefan Kaiser, Zug, 10 Mai 2019)

Für die Lorzenebene wurde 1943 die Möglichkeit überprüft, einen nationalen Flughafen zu bauen (Stefan Kaiser, Zug, 10 Mai 2019)

Rund um die Schweiz herrschte Krieg. Trotzdem war 1943 für die Politik klar, dass die Fliegerei die Zukunft sein, und die Schweiz dringend einen Zentralflughafen für den internationalen Flugbetrieb benötigen würde. «Es besteht kein Zweifel darüber, dass rasch nach Abschluss der Feindseligkeiten der internationale Luftverkehr eine gewaltige Entwicklung nehmen wird», schreibt der Bundesrat in seinem Bericht über seine Geschäftsführung im Jahre 1942. Es solle abgeklärt werden, ob die Errichtung eines schweizerischen Zentralflughafens vorgesehen sei.

Im Februar 1943 wird erstmals ein Flughafen zwischen Cham und Zug erwähnt. Er sollte im Gebiet Koller entstehen und hätte wohl weit in die Lorzenebene bis nach Zug gereicht, wie eine Projektion des aktuellen Flughafens Zürich auf die Zuger Landkarte zeigt:

Die Idee zu einem nationalen Flughafen im Koller kam aber nicht aus Zug, sondern aus Luzern. Dort hatte ein Stadtparlamentarier einen Vorstoss zum «Anschluss Luzerns an das europäische Grossflugnetz» eingereicht. Bei dessen Beantwortung erwähnte der Luzerner Stadtpräsident das Projekt im Koller. Das «Zuger Volksblatt» schrieb: «Er nannte dabei als ernsthaft in Frage kommendes Gebiet für den Schweizer Zentralflughafen das Gelände zwischen Cham und Zug.» Der Luzerner Stadtpräsident war damals offenbar der Auffassung, dass dieses Projekt «entschiedene Vorteile» bieten würde. Zum einen, weil Zug sehr zentral «im Herzen der Schweiz» zwischen Zürich und Luzern liege. Und weil zum anderen das Gebiet unmittelbar an einen See grenzt – und so auch Wasserflugzeuge landen könnten. Das «Zuger Volksblatt» resümierte, dass «die fortschrittlich eingestellten Behörden von Luzern» die Flugplatzfrage mit aller Energie fördern würden. Und der Verfasser des Berichts setzte die Hoffnung auch in die Zuger Behörden, «dieser Angelegenheit ihre volle Aufmerksamkeit zu widmen», denn «die Schaffung eines schweizerischen Zentralflugplatzes im Gebiet Kollermühle wäre für die Volkswirtschaft unseres Kantons (…) von eminenter Bedeutung».

Die Idee warf hohe Wellen. Das «Zuger Volksblatt» ging auf Grund des «Rauschen im schweizerischen Blätterwald» davon aus, dass das zugerische Projekt die besten Chancen habe. Nicht nur wegen der bereits erwähnten Lage, sondern auch, weil «in diesem Falle kein fruchtbares Ackerland zum Opfer fallen müsste». Doch auch Gegenargumente werden aufgeführt: «Die Nachteile des Motorenlärms, die Störung der kleinstädtischen Beschaulichkeit und der geruhsamen Atmosphäre unserer Seelandschaft.» Trotzdem zeigt sich der Autor des Textes überzeugt, «die Vorteile dürften die scheinbaren Nachteile um ein Erkleckliches überwiegen».

Buhlen mit den Grossen der Schweiz

Konkurrenten des Zuger Projektes waren die Standorte Zürich Kloten und Dübendorf sowie Utzenstorf in Bern und das Luzerner Wauwilermoos. «Der Vorschlag der Berner, den Zentralflugplatz bei Utzenstorf anzulegen, wird insbesondere in Zürcher- und Ostschweizerkreisen auf keine grosse Gegenliebe stossen», so der Schreibende des «Zuger Volksblattes». Viel eher stünde ein Gebiet, wie es die Zentralschweiz im weiteren Sinne zur Verfügung stellen könne, im Parallelprogramm. Also das Wauwilermoos sowie der Koller in Cham.
Doch die Zuger Behörden schienen hier nicht allzu aktiv zu werden. So schreibt das Volksblatt im April 1943 «Es berührt peinlich, dass das Zuger Projekt, das grosse Aussichten hat, durch Nichtbeachtung der zuständigen Instanzen noch gänzlich in der Luft liegt, während für die anderen Varianten grosse Vorstudien gemacht wurden.» Diese seien in Bern – wohl beim Bund – bereits angemeldet worden. Wie die Unterlagen zeigten, liess die Zuger Regierung später dann doch eine Expertise beim Bund erstellen. Ursprung war offenbar ein Vorstoss im Kantonsparlament. Zusätzlich erstellte der damalige Kantonsingenieur im Juli einen Situationsplan, auf welchem er die Windverhältnisse in der Lorzenebene festhielt. Mit der Dicke und Länge der Pfeile illustrierte er zum einen die Winddauer pro Jahr sowie die Windstärke. Auch die Grenze des ebenen Gebietes, Bodenerhebungen sowie Stromleitungen, hielt er fest.

Im November kam mit der entsprechenden Antwort des Zuger Regierungsrates die Ernüchterung für alle Flughafen-Verfechter. «Der Traum eines Grossflugplatzes im Koller ausgeträumt», titelte die «Zuger Nachrichten». Die Antwort stützte sich hauptsächlich auf einen Bericht des eidgenössisches Luftamtes – dem heutigen Bundesamt für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation. Gemäss den Zeitungsberichten hatten die Bundesbehörden «an Ort und Stelle eine Prüfung vorgenommen». Der Bericht kommt zum Schluss, dass insbesondere die natürlichen Hindernisse – der Zugerberg, der Rossberg, die Rigi und der Albis – zu nahe liegen. «Diese Berge bedeuten eine grosse Gefahrenquelle für Flugzeuge, besonders wenn dieselben den Platz im Blindflug erreichen müssen.» Und auch die Platzverhältnisse im vorgeschlagenen Gelände seien zu klein. So wäre gemäss dem Bericht nur eine Piste von drei Kilometern realisierbar gewesen. Dies in Richtung Nordwest-Südost. «Ihr Anflug trifft aber schon zwei Kilometer vor der Platzgrenze auf beträchtliche Bodenerhebungen. Diese Distanz ist für den Ein- und Ausflug von Grossflugzeugen zu klein.» In der Hauptwindrichtung Süd-Südwesten und Nord-Nordosten hätte zudem eine Piste auf einer Länge von eineinhalb Kilometern gebaut werden können. «Diese Länge ist zu klein», so der Bericht.

Doch nicht nur die Grösse des Terrains und dessen Erhebungen rundherum waren ein Problem. «Die grosse Nebelhäufigkeit in dieser Gegend», wird auch als Hinderungsgrund für einen Flughafen genannt. Dieses Problem war bereits im Voraus an einer Veranstaltung vom Obmann der Segelflieger-Gruppe Zug genannt worden. Dieser meinte, die Vorbedingung für die Errichtung eines Flughafens im Koller wäre eine Drainage – also eine Entwässerung – des ganzen sumpfigen Gebietes zwischen Zug und Cham.

Einzig ein Kleinflughafen war für die Regierung denkbar

Der Bau eines nationalen Flughafens hätte zudem auch einige Änderungen an bestehender Infrastruktur mit sich gebracht. Die Bahnlinien beim Verzweigungsdreieck Kollermühle, die Landstrasse von Zug nach Cham sowie auch diverse Hochspannungsleitungen hätten verlegt werden müssen. Wie die «Zuger Nachrichten» den Bericht der Regierung weiter zitiert, wäre dies insbesondere eine Einbusse für die Landstrasse gewesen. Für die Verlegung der Verkehrswege würden zudem hohe Kosten anfallen, welche die Anlage «sehr stark belasten würden.»

Auch für einen kleinen, kontinentalen Flughafen sah der Regierungsrat keine Zukunft. Zug liege zu weit von den grösseren Handelszentren entfernt, sodass der Zeitgewinn des Fliegens durch den Zeitverlust des Anfahrtsweges wettgemacht würde. Zudem gebe es wohl zu wenig Eigenfrequenz in Zug, welche die Schaffung eines Flughafens in seinem Einzugsgebiet rechtfertigen würde.

Positiver gestimmt war die Regierung hingegen einem Flugplatz «für gelegentlichen Zubringerdienst mit kleineren Flugzeugen, Sport- und Touristikbetrieb» gegenüber. Dieser könnte bei guten Windverhältnissen – also nicht für regelmässigen Verkehr – benützt werden. Trotz der Gründung eines entsprechenden Vereins 1947, wurde ein solcher nie umgesetzt.

Quellen: Zuger Volksblatt im Jahr 1943: 12. Februar, 2. April, 14. April sowie 8. November. Zuger Nachrichten: 8. November 1943

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